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Gründung als Jugendverband

Epoche 3.2 - Jugendarbeit in Ostdeutschland

Die Entwicklung der Jugendarbeit in Ostdeutschland

Mit dem bereits erwähnten offiziellen Verbot des Deutschen Alpenvereines aus dem Jahr 1945 wurden alle bestehenden Sektionen des DAV mitsamt ihren Jugendabteilungen aufgelöst. Jedoch konnte sich die Jugendabteilung des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) in Ostdeutschland bis einschließlich Mitte 1948 noch unter verschiedenen Dachorganisationen halten. Unter anderem trafen sich im September 1947 Jugendliche der Einheitstouristenbewegung (ETB) in den Schrammsteinen, wobei politische Themen damals weitestgehend umgangen wurden. Mit dem Aufruf der Freien Deutschen Jugend (FDJ) zu einer ‚Einheitlichen demokratischen Sportbewegung‘ am 1. August 1948 wurden dann erneute Jugendaktivitäten begründet, u. a. gab es ab diesem Zeitpunkt eine ‚FDJ-Sportgemeinschaft Bergsteigen‘.

 

Ab Oktober 1948 entstanden erste Betriebssportgemeinschaften, die wiederum eigene Jugendabteilungen aufbauten. Außerdem bestanden weiterhin traditionelle Kletterclubs, auch wenn diesen der Kampf angesagt wurde. 1952 bildete sich mit der Zentralen Fachkommission Felsklettern (ZFK) eine eigene Arbeitsgruppe, die im weiteren Verlauf auch für die Entwicklung des Kinder- und Jugendbergsteigens zuständig war. 1957 wird die bisher als Nachkriegsorganisation bestehende Sektion Touristik in den Deutschen Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO) umgewandelt. Auch in diesem gab es, ähnlich dem DAV, ‚Sektionen‘ als Untergruppierungen des DWBO. Erste Erfolge in der Jugendarbeit zeigten sich dann mit dem 1. Treffen Junger Bergsteiger im Jahr 1969, an welchem 70 Kinder und Jugendliche aus 14 unterschiedlichen Sektionen mit ihren Betreuer*innen teilnahmen.

 

Leistungsbewertung in der DDR

Bereits ein Jahr später waren dann 568 Kinder und Jugendliche in 37 Sektionen im DWBO organisiert. Ab 1973 entwickelte sich das Jugendbergsteigen auch im alpinen Bereich weiter, sodass unter der Leitung von Werner Bonitz erstmals eine Jungmannschaft in die Hohe Tatra fuhr und beachtliche Aufstiege bewältigte. Im weiteren Verlauf wird die Jugendarbeit in Ostdeutschland mehr und mehr in Leistungsvergleiche umgewandelt. Am 15. Mai 1982 fand in Radebeul bei Dresden der 1. DDR Jugendwettkampf im Felsklettern statt. Ab diesem Zeitpunkt wurden regelmäßig Bestenermittlungen im Kinder- und Jugendbereich Felsklettern ausgerichtet. Zuvor wurden schon seit mehreren Jahren die Besten im (Ski-)Orientierungslauf ermittelt. Damit erreichte das Kinder- und Jugendbergsteigen im DWBO einen neuen, bisher nicht dagewesenen Leistungsgrad, bei dem nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Schulalltag nach den Besten gesucht wurde. Bis zum Ende der DDR 1989 veränderte sich dies nicht und die Wettkampfstrukturen innerhalb des Verbandes blieben gleich. In den kleineren Jugendgruppen der verschiedenen Sektionen wurden weiterhin Kletterausfahrten geplant und durchgeführt.

 

  • 25. Januar 1947
    Unter der Überschrift „Neuaufbau der FDJ-Sport-Gemeinschaften" veröffentlicht die „SZ" einen Aufruf der FDJ-Kreisleitung Dresden an die Jugend zur Teilnahme am kommunalen Volkssport, in dem u. a. auch der Bergsport vorgesehen ist.
  • 21. Juni 1948
    Die Jugendabteilung protestiert in einer Resolution an die Leitung der »Natur- und Heimatfreunde" Dresden gegen die vorgesehene Rückgabe der »Oskar-Schuster-Hütte* an eine Privatperson.
  • 8. Februar 1950
    Die Volkskammer beschließt das erste „Jugendgesetz", auf dessen Grundlage eine breite Jugend- und Sportförderung erfolgt. Wandern und Auslandstouristik sind ausdrücklich enthalten.
  • 1966
    Jugendklassen ab 16 Jahre werden für die Sportklassifizierung Felsklettern eingeführt.
  • 4. Februar 1967
    Richtlinie für die Arbeit mit Kinderklettergruppen von der ZFK Felsklettern bestätigt.
  • 2. bis 22. Februar 1970
    Bergsteigerabzeichen und Abzeichen „Junger Bergsteiger" eingeführt.
  • 12. Dezember 1987
    Das Präsidium beschließt, ab l. Januar 1988 ein »Kinderwanderabzeichen des DWBO der DDR" einzuführen.
 

Quellen

Döring, Karl-Heinz: Bergsteigerjugend in der Nachkriegszeit, in: Mitteilungen der Interessengemeinschaft Sächsische Bergsteigergeschichte, IG Sächsische Bergsteigergeschichte, 1999

 

Döring, Karlheinz: Die sächsische Bergsteigerjugend in der Nachkriegszeit in: Wissenschaftliche Alpenvereinshefte, Heft 40, Hrsg. Joachim Schindler IG Sächsische Bergsteigergeschichte

 

Pankotsch, Hans: Vom Anfang der Kinderklettergruppe (im Polizeisportverein Elbe Dresden e.V.); (http://www.fluchtwand.de/allgemein/50.htm#voma)

 

Berichte aus der Vereinschronik der BSG Spurenmetalle Freiberg Sektion Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (seit 1990: Sächs'scher Maunt'nverein Freiberg e.V.)

 

Bonitz, Werner P: Erinnerungen an die Anfänge des Kinder- und Jugendbergsteigens im DWBV/DWBO ab 1965, in: Aus der sächsischen Bergsteigergeschichte, IG Sächsische Bergsteigergeschichte, 2018

 

DWBO der DDR: Zeittafel zur Geschichte des DWBO der DDR seines historischen Erbes und seiner Sportarten, 1988

 

ZFK des DWBO der DDR: 10 Jahre Treffen Junger Bergsteiger 1969 - 1979

 

Reinhart, Kai: 7. Das Sächsische Bergsteigen in: Kai Reinhart: Wir wollten einfach unser Ding machen, DDR-Sportler zwischen Fre,dbestimmung und Selbstverwirklichung

 

Autorin

  • Autorin "Epoche 3 - Jugendarbeit in Ostdeutschland": Anne Seyboth
 

jung.laut.bunt.

Übersicht der virtuellen Zeitreise

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100 Jahre Jugendarbeit im Deutschen Alpenverein – eine ganz schön lange Zeit. Was ist seit 1919 alles passiert und wie wurde die JDAV so, wie sie heute ist? Das wird in der virtuellen Zeitreise „jung.laut.bunt.“ erzählt. Zum 100-jährigen Jubiläum der Jugendarbeit im DAV im Jahr 2019 haben wir in Archiven, Büchern und Zeitungen gestöbert und viele interessante Geschichten (wieder-)entdeckt. Ein Beispiel: Die Anfänge der Jugendarbeit vor 100 Jahren hätten auch ganz anders aussehen können, wenn die „Wandervogelbewegung" als Vorbild genommen worden wäre. Oder wusstest du eigentlich, dass die Jubi nicht schon immer in Bad Hindelang, sondern davor an einem anderen Standort war? In den 80er Jahren ging es dann ganz schön bunt zu und der Naturschutz wurde immer wichtiger. 

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Epoche 3.1 - Kontinuitäten und Brüche

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Mit der Wiedergründung des Alpenvereins 1950 - er wurde zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem alliierten Kontrollratsgesetz Nummer 2 verboten - begann zugleich auch die Wiedererrichtung der Jugendarbeit, die bei einem Großteil der Sektionen bereits noch während der Verbotszeit eingesetzt hatte. Dabei wurden die vormalige Einteilung in Jugendgruppen und Jungmannschaften ebenso wie die vorangegangenen Ermäßigungen und Versicherungen wiederhergestellt. 

Unsere Eigenständigkeit, unsere Bildungsinhalte, unser Haus

Epoche 4

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Ein harter und langer Weg zur ersten Jugendbildungsstätte Erstmals äußert 1973 der damals amtierende Bundesjugendleiter Helmut Friedl die Absicht, eine eigene Jugendbildungsstätte für die JDAV zu schaffen. Nach mehreren Rückschlägen gelingt es seiner Nachfolgerin Lotte Pichler durch unermüdliche Überzeugungsarbeit und Schaffung einer „Ordnung einer Jugendbildungsstätte“ in der Hauptversammlung 1975 mit 1516 „Ja“-Stimmen bei nur 278 „Nein“-Stimmen und 62 Enthaltungen die Zustimmung für das Projekt zu bekommen, und letztendlich 1977 das Haus Sonnenhalde in Burgberg im Allgäu anmieten zu können.