jdav-logo-template 120x50

Weekend Report

18. bis 20. Januar 2019

17.01.2019, 15:08 Uhr

Selten war die Lawinenlage so angespannt wie am vergangenen Wochenende und Wochenanfang. Auch wenn sich die Situation zwischenzeitlich entspannt hat, ist beim Freeriden und Tourengehen nach wie vor große Vorsicht angesagt.

Lawinensituation

Nachdem in weiten Teilen des deutschsprachigen Alpenraums am Montag sogar noch Lawinenstufe Fünf ausgegeben wurde, gilt für den heutigen Donnerstag in der Schweiz, in Vorarlberg, im Deutschen Alpenraum, im Bundesland Salzburg und in Tirol oberhalb der Waldgrenze eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe Drei).
Das Hauptproblem sind frische, auch größere Triebschneeansammlungen, die sich bei kräftigem Südwestwind bilden. Die Gefahrenstellen befinden sich überwiegend im kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nord über Ost bis Südost sowie in eingewehten Rinnen und Mulden.
Aus sonnseitigen, noch nicht entladenen Einzugsgebieten mittlerer Lagen kann es zur Selbstauslösung mittlerer, vereinzelt auch großer Lockerschnee- und Schneebrettlawinen kommen. Bis in mittlere Lagen kann die oft bodennah feuchte Schneedecke an glatten, steilen Wiesenhängen sowie aus lückigen Bergwäldern als Gleitschneelawinen am Boden abrutschen.

In den nächsten Tagen wird sich die Situation wahrscheinlich weiter entspannen. Mit zurückgehenden Temperaturen geht wohl vor allem die Gefahr von Gleitschneelawinen zurück.

 

Schneesituation

In den gesamten Nordalpen, aber auch auf der Nordseite des Alpenauptkamms sind die Schneehöhen von den Tallagen ab überdurchschnittlich hoch. So verzeichnet die (automatische) Messstation am Wendelstein stolze 341 cm Schneehöhe. Vom Rettenbachferner werden 435 cm gemeldet. Südlich des Alpenhauptkammes nehmen die Schneehöhen schnell ab. Hier sind Skitouren z. B. noch gut im Arntal oder bis zum Jaufenpass möglich. In großen Teilen der Dolomiten wartet man hingegen weiter auf Schnee.
In den Nordalpen kann man sich vor allem im Waldbereich (in dem man sich ohnehin vorerst noch aufhalten sollte) über zwar gesetzten, aber gut zu fahrenden Pulverschnee freuen. Immer wieder gibt es aber auch (wie z.B. bei der gestrigen Abfahrt vom Schönberg) vom Wind gepresste Passagen und weiter unten hier und da auch Eisdeckel. Auf den Kammlagen ist zudem eine beachtliche Wechtenbildung festzustellen.

 

Wochenendwetter

Ostlich einer Linie Karnische Alpen bis Salzkammergut ist es am Freitag noch stark bewölkt, aber trocken. Von Westen setzt sich die Sonne durch. Erst ab dem späteren Nachmittag ziehen westlich des Wipp- und Eisacktales sowie am Arlberg hohe Wolkenfelder auf. Die Temperatur in 2000 m liegt zwischen -12 und -7 Grad.
Der Samstag verläuft insbesondere am Vormittag oft mit diffusem Licht auf der bewölkten Seite. Die Wolkenbasen liegen meist oberhalb der Gipfel. Die Wolken ziehen von Westen her im Tagesverlauf ab, der Nachmittag wird überwiegend sonnig. Am Sonntag wird auf der Alpensürdseite ziemlich sonniges Wetter erwartet. Am Hauptkamm und nördlich davon queren kompakte Wolken, am Nordhang stecken die Berge teilweise in Wolken. Dazwischen gibt es auch Aufhellungen. Es bleibt trocken.
In den Westalpen sind die prognostizierten Wetterverhältnisse vergleichbar.

 

Fazit

Das kommende Wochenende bringt zwar keinen strahlenden Sonnenschein aber mit etwas zurückgehenden Temperaturen brauchbare Tourenverhältnisse. Da sich die Lawinengefahr oberhalb der Waldgrenze nicht wesentlich ändern wird, empfehlen wir im vergleichsweise sicheren Waldbereich zu bleiben. Es macht ohnehin großen Sinn Ski- oder Schneschuhtouren in den Bayerischen Voralpen zu unternehmen. Denn so viel Schne wie derzeit liegt, gab es in den zurückliegenden Jahren mit Sicherheit nicht.
Allerdings muss man bei der Tourenplanung zusätzlich beachten, dass noch nicht alle Nebenstraßen in Südbayern wieder geöffnet sind.
Für anspruchsvollere Ziele am Alpenhauptkamm sollte man sich noch ein bißchen gedulden. Im Laufe der kommenden Woche sollten aber auch dort (mit einer voraussichtlichen Wetterberuhigung) viele Tourenziele wieder möglich sein.
Beim Freeriden muss man sich vor Ort genau erkundigen welche Varuantenabfahrten derzeit möglich sind und vor allem Sperrungen unbedingt beachten. Ein Lawinenunglück mit vier toten Freeridern am Arlberg am letzten Wochenende sollte allen eine deutliche Mahnung sein!