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Die JDAV im Gespräch mit Kevin Kühnert (SPD)

26.08.2021, 10:00 Uhr

Mitte August fand erneut ein Treffen per Videocall statt - diesmal mit Kevin Kühnert von der SPD.

 

Kühnert zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber den Themen der JDAV, sodass das ca. einstündige Treffen wie im Flug verging. Über welche Themen sich Anna Jankowski (stellv. Bundesjugendleiterin), Michael Elstner (stellv. Bundesjugendleiter) und Daniel Sautter (JDAV Geschäftsführer) mit Kevin Kühnert unterhalten haben, hat Jakob Neumann (DAV Öffentlichkeitsarbeit) in einem kurzen Bericht zusammengefasst:

 

Kevin Kühnert im Gespräch mit der JDAV

München, 18. August 2021

Von Jakob Neumann

 

Lavieren, um den heißen Brei reden, ausweichen: Beliebt bei vielen Politiker*innen, um nichts Konkretes sagen zu müssen. Kevin Kühnert ist anders. Der SPD-Mann steht zu seinen Ansichten.

 

Kevin Kühnert ist 32 Jahre alt. Er hat also qua Alter schon ein Interesse an den Belangen junger Menschen. Dennoch würde man dem stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden mit dieser Zuschreibung allein nicht gerecht werden. Denn Kühnert, das stellt sich im Laufe der einstündigen Videokonferenz heraus, hat auch zu anderen Themen eine starke Meinung.

 

Mit Kühnert gesprochen haben Anna Jankowski, stellvertretende Bundesjugendleiterin, Michael Elstner, stellvertretender Bundesjugendleiter und Daniel Sautter, Geschäftsführer der JDAV.

 

Kinder und Jugend während Corona: zuerst hat kaum jemand darüber gesprochen, dann plötzlich alle. Die Bundesregierung hat eilig ein Aufholpaket geschnürt, um Jugendverbände zu unterstützen. Das, so Kühnert, war richtig und wichtig, dabei darf es aber nicht bleiben. Die Jugendarbeit muss langfristig unterstützt werden, und zwar nicht nur mit Geld. Vielmehr muss das Ehrenamt, auf das viele Jugendverbände angewiesen sind, gefördert werden.

 

Kühnert ist optimistisch, denn der öffentliche Druck hilft, das Thema Kinder und Jugendliche auf der Tagesordnung zu halten. Das gilt auch für die SPD, die sich zuletzt verjüngt habe: Langjährige Jusos (die Jugendorganisation der SPD) haben nun Posten mit Verantwortung. Es ist in der Partei mittlerweile Konsens, dass Jugend ein eigenständiges Thema und nicht nur der Wurmfortsatz von Familie, Kinder und Senioren ist.

 

Jugendarbeit findet in aller Regel in der Freizeit der Jugendlichen statt. Was bedeutet es also, wenn junge Menschen bis 17 Uhr in der Schule sind? Zwar sei der Weg zu Ganztagsschulen richtig, dann müsse aber die Freizeit in die Schule geholt werden. Über allem stehe die Frage: Wie viel Leben soll neben dem Lernen stattfinden?

 

Anna Jankowski möchte wissen, wie die SPD dem Klimawandel zu begegnen gedenkt. Kühnert macht klar, dass das das wichtigste Thema der nächsten Perioden sein wird, denn es hat massive Auswirkungen auf unsere Art zu arbeiten, zu konsumieren, auf unser Freizeitverhalten. Er stellt in dem Zusammenhang zwei Fragen. Erstens: Was heißt First things first – was bringen uns die größten Emissions-Einsparungen? Zweitens: Welche Rolle hat Deutschland im globalen Kontext?

 

Erstens: 80 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen kommen vom Arbeiten und Wirtschaften. Hier müsse man anfangen, wenn man über eine zügige Dekarbonisierung spricht. Es geht nicht ohne erneuerbare Energien. Kühnert schlägt vor, dass auf jedem Neubau Photovoltaik-Anlagen montiert werden, auf öffentlichen Gebäuden sowieso. Die Regelungen müssen vereinfacht werden. Gleiches gilt auch für die Windkraft, pauschale Regelungen („wie die 10H-Regel bei euch in Bayern“) seien völlig untauglich. Kühnert sieht in den erneuerbaren Energien die Wertschöpfung der Zukunft.

 

Im globalen Maßstab kann Deutschland vor allem grüne Technologien entwickeln und exportieren, zum Beispiel für die Stahlherstellung. Die Technologien müssen dabei so smart sein, dass weniger entwickelte Länder sie auch möchten. Anderen, die ihren Wohlstand – wie der Westen – auf der Verbrennung fossiler Energieträger mehren möchten, zu erklären, dass das aber nicht geht, sei „eine Hochnäsigkeit, die wir uns dringend sparen sollten“.

 

Zuletzt noch eines der ganz großen Themen: Mobilität und Tourismus. Die JDAV wie auch der DAV appellieren regelmäßig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge zu fahren. „Wenn aber die Infrastruktur fehlt, geht’s halt nicht“, merkt Michael Elsner an. An den ÖPNV marktwirtschaftliche Maßstäbe anzulegen, ist laut Kühnert nicht angebracht. Man müsse verstehen, dass der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum ein Draufzahlgeschäft bleibe, der nicht profitabel zu gestalten sei. Dass es trotzdem gehe, zeigt das Beispiel Tallinn, wo Anwohner*innen Busse und Bahnen kostenlos nutzen können.

 

Kühnert wird regelmäßig eingeladen, sich dieses oder jenes mal anzuschauen. Das ist nicht unüblich für eine*n Politiker*in der ersten Reihe. Für die Einladung, sich die Jugendbildungsstätte in Bad Hindelang mal anzuschauen, sieht Kühnert gute Chancen. Er war früher oft in Fischen im Allgäu, wo es ihm gut gefallen hat.