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Woher kommen die Daunen, die in unseren warmen Daunenjacken stecken?

22.02.2019, 17:00 Uhr

Nun wissen wir, warum der Rohstoff Daune so wichtig ist und wie er gewonnen wird. Aber woher kommt eigentlich die Daune, die in unseren Daunenjacken steckt? Und wie können wir sicher sein, dass die Daunen aus unseren Jacken nicht durch Lebendrupf gewonnen wurden? Auch darüber hat sich Johannes schlau gemacht:

 

Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten, nachdem viele unterschiedliche Schritte einer globalen Lieferkette durchlaufen sind. Um dem*der Konsumenten*in aber eine transparente Nachverfolgung der von ihm*ihr bestellten Produkte zu gewährleisten, haben viele Outdoor-Bekleidungshersteller Standards eingeführt. Neben einer nachverfolgbaren Produktions- und Lieferkette ist den Herstellern, speziell bei der Verwendung von tierischen Produkten, das Tierwohl ein ausgesprochenes Anliegen. So wird mit den Standards und Audits (eine Art Untersuchungsverfahren, zur Überprüfung ob gewisse Richtlinien und geforderte Standards erfüllt werden) überprüft, ob die Daunen von den Farmen durch Lebendrupf gewonnen werden oder beispielsweise Stopfmast bei Gänsen durchgeführt wird. Befunde dieser Art führen zu einer Einstellung der Geschäftsbeziehungen zwischen dem Zulieferer und dem Outdoor- Bekleidungshersteller. Grundsätzlich gibt es bei den Standards bzw. Zertifikaten zwei Kategorien:

  • Unternehmensspezifische Standards, die durch eine unabhängige Instanz geprüft werden
  • Globale Standards, die durch eine eigene Instanz oder durch eine NGO geprüft werden.
 

Beispiele für Erstere sind zum Beispiel Mountain Equipment, die bereits 2010 als erste Outdoor-Firma den DOWN CODEX® einführte, sowie Yeti mit dem „Ethical Down Code“. Beide Unternehmen lassen die Audits durch die International Down and Feather Laboratories (IDFL) durchführen. Zu den Globalen Standards lassen sich der Global Traceable Down Standard (Global TDS) zählen, welcher durch die NGO NSF International, beispielsweise Patagonia Produkte zertifiziert. Ebenso fällt der Responsible Down Standard (RDS) in diese Kategorie. Dieser wurde ab 2015 von The North Face entscheidend mitinitiiert. Hier ist der RDS eine selbstständige, unabhängige Kontrollinstanz. Zertifizierte RDS Betriebe sind unter anderem Mammut, Millet, Black Diamond und weitere.

 

Der JDAV-Sponsor Mountain Equipment ist sehr transparent, was die Einsicht in diese Lieferkette anbelangt. Er hat nach eigenen Angaben drei Lieferketten weltweit. Eine Lieferkette für Entendaune liegt in Asien (China), darüber hinaus wird Entendaune von einer Farm in Norddeutschland bezogen und die Lieferkette für Gänsedaune liegt im Westen Russlands.

 

Bis Daune in einem Produkt zum Einsatz kommt, wird eine komplexe Lieferkette mit vielen Stationen durchlaufen. Beginnend auf der Elterntierfarm, werden die Tiere entweder gleich dort aufgezogen oder auf spezielle Aufzuchtfarmen verkauft. Nach ca. 40 Tagen (bei Tieren für die hauptsächliche Fleischproduktion) bzw. 180 und älter (bei Tieren für die Eierproduktion) werden sie zur Nahrungsmittelproduktion in einen lokalen Schlachthof gebracht. Nach dem Schlachten werden die Daunen gerupft und hygienischen Vorschriften nach gesäubert (Waschen, Sterilisation in heißem Wasserdampf, Trocknung). Als letzter Schritt in den Daunenweiterverarbeitungsbetrieben findet eine Sortierung statt, bevor das Material an den Bekleidungs-Produzenten gelangt.

 

Bei den selbstgesetzten Richtlinien des Unternehmens, dem „Down Codex®“, wird seit Beginn der Behandlung des Themas Wert auf Tierwohl und Qualität gelegt. Die Richtlinien verbieten Lebendrupf, Mauserrupf und Zwangsmästung. Ebenso wird auf eine artgerechte Tierhaltung und zumutbare Bedingungen bei der Schlachtung Wert gelegt. Die verwendeten Daunen sollen als reines Nebenprodukt der Nahrungsmittelindustrie anfallen.

  • Seit 2009 werden vor Ort Arbeitsweisen und Vorgehen in den Lieferketten dokumentiert.
  • Seit Sommer 2012 ist die Lieferkette mit dem 12-stelligen, einzigartigen Code von der Jacke bis zur Elternfarm (www.thedowncodex.de) zurück verfolgbar. Ausführliche Reports zur Herkunft und Qualität der Daune (Fillpower-Test) werden bereitgestellt. Bisher ist Mountain Equipment das einzige Unternehmen, das diese Transparenz für alle Konsumenten im Internet bereitstellt.
  • Seit Nov. 2014 sind alle Produkte zu 100% durch den Down Codex® zertifiziert.

Die Audits werden durch die International Down and Feather Laboratories (IDFL) durchgeführt und finden mindestens alle drei Jahre durch angemeldete und unangemeldete Kontrollen statt. Dabei geht die Überprüfung vom Großhändler über weiterverarbeitende Betriebe, Schlachthäuser, sowie jegliche Farmen, die Teil der Lieferkette sind, inklusive der Eltern – bzw. Muttertierfarmen und zu den Tieren selbst. Bei unzureichenden Ergebnissen des Audits besteht die Möglichkeit für den Betrieb, Mißstände gemäß der Vorgaben des Down Codex® innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nachzubessern, bevor eine weitere Kontrolle durchgeführt wird. Sollte diese ebenfalls unzufriedenstellend ausfallen, hat sich Mountain Equipment in der Vergangenheit von diesen Zulieferern getrennt. Ebenso arbeiten sie bei diesem Thema mit anderen Firmen und Organisationen wie Textile Exchange, Four Paws und der European Outdoor Group zusammen.

 

Im nächsten Teil erfahrt ihr dann warum Re-, Up- und Dowcycling wichtig ist und wie der Recyclingprozess aussieht. Nachzulesen ist das hier.