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Good to know

Wissen und Lernen aus dem Weekend-Report

Seit der Wintersaison 2021/2022 wird der wöchentliche Check Your Risk Weekend-Report mit einem "good to know" ergänzt. Darin werden Begriffe aus dem Report erklärt und vertieft.

 

Hier stellen wir euch die bisherigen Begriffe und Erklärungen zusammen. Und? Kennt ihr euch aus?

 

Gespannter 3er

Mit einem »Gespannter 3er« meinen die Mitarbeiter*innen des Tiroler Lawinenwarndienst keinesfalls eine spezielle Form von Gruppensex.

Vielmehr weisen sie in ihrem gestrigen Blog (1.12.2021) darauf hin, dass die Lawinengefahr zwischen »erheblich« und »groß« einzuordnen ist. Zu dieser Auffassung gelangten die Expert*innen auch deswegen, weil am 1.12.2021 einige Lawinen von Wintersportler*innen ausgelöst wurden. Zudem gab es zahlreiche Rückmeldungen von Setzungsgeräuschen, Rissbildungen und auch von Fernauslösungen …  alles Anzeichen einer sehr störanfälligen Schneedecke.

 

Altschneeproblem

Ein Altscheeproblem entsteht vor allem dann, wenn im Frühwinter in den Hochlagen etwas Schnee fällt und danach eine kalte Trockenperiode folgt. In dieser können sich die Schneekristalle in zusammenhaltlose Becherkristalle (üblich ist auch der Begriff „Schwimmschnee“) verändern. Wird diese Schicht dann wie in den letzten Tagen und Wochen (Dezember 2021) vom Neuschnee überdeckt, stellt sie eben ein störanfälliges Problem dar.

 

Gleit- und Nassschneelawinen

Gleit- und Nassschneelawinen sind eigentlich ein typisches Frühjahrsphänomen: Sie treten bei steigenden Temperaturen auf. Feuchtigkeit dringt in die Schneedecke ein. Besonders an sonnigen Hängen sickert das Wasser bis zum Boden durch - und die Rutschgefahr steigt. Wenn es so warm wie derzeit (Mitte Dezember 2021) ist, kann dieses Phänomen auch im Hochwinter auftreten.

 

Absturzgefahr höher als Verschüttungsgefahr

Am heutigen Donnerstag (23.12.2021) brachte der bayerische Lawinenlagebericht diese nicht ganz gewöhnliche Schlagzeile heraus:  „Absturzgefahr höher als Verschüttungsgefahr“.

Eine solche Situation entsteht meist dann, wenn eine zuvor durchnässte Schneedecke durch ein paar kalte Nächte hart gefroren ist. An steilen Querungen oberhalb von Felsabbrüchen kann dann sogar der Anstieg bei fehlenden Harscheisen, bzw. unzureichender Aufstiegstechnik zur tödlichen Gefahr werden … was bei der Abfahrt freilich in noch höherem Maße gilt.

 

Woran erkennt man Triebschnee?

Besonders charakteristisch für Triebschnee sind seine matte und „gespannte“ Oberflächenstruktur sowie die scharfen Kanten, die beim Spuren entstehen. Risse in der Schneedecke, oft neben der Spur, sowie ein stumpfer Widerstand beim Spuren oder Befahren sind ebenfalls Indizien. Es empfiehlt sich, immer wieder einmal selbst ein Stück zu spuren, um einen besseren Eindruck von den Verhältnissen zu bekommen. Je frischer der Triebschnee ist und je mehr sich davon im Hang befindet, desto gefährlicher ist er.

 

Geringe Zusatzbelastung

Wenn im Lawinenlagebericht darauf hingewiesen wird, dass Schneebrettlawinen teils noch mit geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden können, dann sind damit einzelne Ski- oder Snowboarder*innen, einzelne Schneeschuhgeher*innen oder mehrere Wintersportler*innen mit Entlastungsabständen gemeint.

 

Vorsicht Haie

Sie lauern knapp unter der Schneeoberfläche, fressen Kanten, Belag und können zu schweren Unfällen führen: Sharks! Gemeint sind Felsbrocken, die knapp unter der Schneedecke liegen.
Der größte Hai-Alarm herrscht bei einer insgesamt geringen Schneedecke und darauf etwas Neuschnee. Schon beim Aufstieg kann man versuchen, solche Gefahrenstellen zu erkennen. Ganz typisch ist eine leichte Wölbung im Neuschnee. Auf jeden Fall ist bei solchen Verhältnissen eine defensive Abfahrt angesagt.

 

Lawinengrößen

Bei dem im Teaser erwähnten Unfall am Kleinen Ötscher (Ende Januar 2022) handelte es sich mit 60 m Länge um eine vergleichsweise kleine Lawine. Die Lawinengrößen werden (ebenso wie die Lawinenstufen) in fünf Kategorien eingeteilt, von denen Größe1 („klein“) kürzer als 50 m und Größe 5 ( „extrem groß“) länger als 2 km ist.

 

Lawinenairbag

Am Dienstag (01.02.2022) rettet ein Lawinenairbag einem Skifahrer am Laber (Ammergauer Alpen) wohl das Leben. Dieser konnte bei einem Lawinenabgang an einer der steilen, berüchtigten Waldschneisen an der Nordseite des Berges den Airbag auslösen, wurde ca. 500 m mitgerissen und kam beim Stillstand der Lawine unverletzt auf dem Lawinenkegel zu liegen!
Eine Übersicht über Lawinenairbags findet ihr HIER

 

Kompressionstest

Waren früher der Rutschblocktest und der Norwegertest üblich, hat sich mittlerweile der sogenannte Kompressionstest zur Schwachschichtenanalyse durchgesetzt. Hierbei wird im Hang ein Schneeblock (ca. 40 x40 cm) ausgestochen und zur Hangseite hin abgeschnitten.

Dann legt man die Lawinenschaufel auf den Block und klopft erst zehnmal aus dem Handgelenk, dann zehnmal aus dem Ellenbogen und schließlich zehnmal aus der Schulter auf die Schaufel. Löst sich der Block bzw. ein Teil davon an einer Schwachschicht bis zum 15ten Schlag, muss der Hang als kritisch beurteilt werden. Bei Werten ab 20 gilt der Hang eher als stabil.
Unabhängig davon ist darauf hinzuweisen, dass es sich um einen punktuellen Stabilitätstest handelt, der nicht immer auf einen großen Hang in der Gänze übertragbar ist.

 

Schwer verdaulich!

Bei zahlreichen Lawinenabgängen der letzten Wochen (Anfang/Mitte Februar 2022) am Tiroler Alpenhauptkamm lag eine besondere Form einer Schwachschicht vor, die von den Experten als Krustensandwich bezeichnet wird.
Es handelt sich dabei um eine Schicht kantiger Kristalle (welche kaum Verbindung untereinander haben), die sich unterhalb einer dünnen Schmelzkruste befindet. Auf der Unterseite ist diese Schwachschicht teilweise von einer weiteren Kruste eingebettet.

 

Steil ist geil

In einschlägigen Tourenforen wird nicht selten von spektakulär-steilen Abfahrten berichtet. Doch nicht immer entspricht die gepostete Hangneigung der Realität.

Die Steilheit ist aber vor allem bei der Einschätzung eines Hanges in Sachen Lawinengefahr ein entscheidender Faktor. Um die Hangneigung richtig zu messen, haben sich Apps wie http://snowsafe.at/ bewährt, die schnell am Handy installiert sind. Bei der Messung selbst legt man das Handy am besten an den auf dem Hang liegenden Skistock.

 

Richtig verbunden?

Zehn, zwölf oder sechzehn Meter? Auch im Winter sollte man auf spaltenreichen Gletschern am Seil gehen. Wieviel Abstand zwischen den jeweiligen Personen ideal ist, hängt von ihrer Anzahl ab. In Bezug auf die Zahlen oben ist die Antwort: 10 m bei vier, 12 m bei drei und 12 m bei zwei Tourengeher*innen.

Doch mit dem Anseilen allein ist es freilich nicht getan. Auch die gegebenenfalls nötige Spaltenbergung muss vor dem ersten Eiskontakt gut geübt werden. Entsprechende Kenntnisse könnt ihr bei Hochtourenkursen eurer Alpenvereinssektion erwerben.

 

Timing gefragt!

Strahlende Sonne und klare, kalte Nächte wie zur Zeit (Anfang Mürz 2022) können selbst den gruseligen Bruchharsch innerhalb weniger Tage in besten Firn verwandeln. Um ihn für die Abfahrt ideal zu erwischen, muss man allerdings sehr früh und meist mit Harscheisen aufsteigen. Denn klassische Firnhänge sind am Morgen noch hart gefroren.

Bei ostexponierten Hängen kann das bedeuten, dass schon am späten Vormittag die besten Firnverhältnisse herrschen und ab Mittag von kniebrecherischen Nassschnee abgelöst werden.

 

Absolute Sicherheit?

Drei Tote und ein Schwerverletzter bei Lawinenstufe eins! Ein Unglück vom vergangenen Freitag beweist, dass selbst bei "geringer Lawinengefahr" ein Restrisiko besteht.

Da die insgesamt vier erfahrenen Alpinist*innen mit Steigeisen eine Steilrinne am Ötscher (Niederösterreich) aufstiegen, hätten sie – laut den anschließenden Ermittlungen – eine größere Belastung auf die Schneedecke ausgeübt. In dem schattigen Steilhang hatten sich zuvor durch aufbauende Schneeumwandlung kantige Kristalle (Stichwort Altschneeproblem) gebildet, auf denen ein Schneebrett abging.


Von daher müsst ihr die Lawinengefahr den ganzen Winter über und bei allen Warnstufen im Hinterkopf behalten!

 

Gut gekühlt?

Für die Lawinengefahr im Frühjahr ist es entscheidend, wie gut die Schneedecke nachts durchfriert. Vergangene Woche noch verhinderten milde Nachttemperaturen zusammen mit dünnen Schichtwolken und Saharastaub eine ausreichende nächtliche Abkühlung.
Aktuell sind die Nächte klar und die Schneedecke kann somit perfekt abstrahlen, oberflächlich wiedergefrieren und sich stabilisieren. Am Morgen kann man über den tragfähigen Schmelzharschdeckel lawinensicher aufsteigen. Zurzeit muss man also Touren in Abhängigkeit von Höhe und Exposition planen. Bei richtigem Timing kann man somit nicht nur sicher unterwegs sein, sondern auch schönen Firnabfahrt erwischen.

 

Temperatursturz

Lange wurde die Lehrmeinung vertreten, dass sich ein großer Temperaturunterschied während des Einschneiens (egal ob wie jetzt kalt auf warm oder umgekehrt) günstig auf die Lawinensituation auswirke. Dies trifft jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen zu. Meistens wirkt sich ein solcher Temperaturunterschied negativ aus, weil er die aufbauende Umwandlung innerhalb der Schneedecke begünstigt: In der Regel bildet sich dadurch eine dünne, durchweg störanfällige Schwachschicht. Diese findet man oft auch südseitig.

Eine heimtückische Angelegenheit, auch deshalb, weil die Schwachschicht unmittelbar nach dem Einschneien noch nicht vorhanden ist und sich erst im Laufe der folgenden Tage bildet.

 

Lawinen gibt´s nicht nur im Winter

Nicht selten sind die ersten Lawinenunfälle bereits im Spätherbst bei Bergwander*innen zu verzeichnen. Und auch im Hochsommer kann es bei Hochtouren kritische Lawinenverhältnisse geben. Wenn ihr euch diesbezüglich auf dem Laufenden halten wollt, dann lest immer donnertags den DAV Bergbericht. Dort wird in der Regel bis Ende April auch noch die Schneelage in Sachen Skitouren thematisiert.