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CYR Weekend Report

28. bis 30. Januar 2022

27.01.2022, 15:29 Uhr

Wie stark Neuschnee und Wind die Lawinengefahr ansteigen lässt, zeigten viele Lawinenunfälle am vergangenen Wochenende im Osten der Ostalpen. Allein in der Steiermark wurden an beiden Tagen 5 Unfälle verzeichnet, an denen 19 Personen beteiligt waren. Leider verlief ein tragischer Unfall am Ötscher tödlich, wobei die Beteiligten bei Lawinenstufe vier in einen 40 Grad steilen Hang einfuhren!

Schneesituation

Am bayerischen Alpenrand sind Skitouren wieder möglich. Am meisten Schnee ist in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen gefallen. Weiter westlich waren die Neuschneemengen geringer. Aber von hoch gelegenen Ausgangspunkten wie dem Kesselbergsattel sind nordexponierte Waldschneisen-Skitouren wie zum Herzogstand wieder gut machbar.
Am schlechtesten schauen die Tourenverhältnisse derzeit wohl in den Ammergauer Alpen aus, wo wenig Neuschnee gefallen ist. Im Allgäu kam zwar auch wenig „Weiße Pracht“ herunter. Dafür lag vor und nach der langen Wärmeperiode dort innerhalb des Deutschen Alpenraums noch meisten Schnee, so dass hier viele Skitouren möglich sind.
Nach wie vor sollte man nordseitige Routenverläufe von möglichst hoch gelegenen Ausgangspunkten anvisieren. Viele Südhänge sind durch die Sonneneinstrahlung wieder ausgeapert, windexponierte Rücken zudem nicht selten abgeblasen.
Gab es am Samstag und Sonntag teils recht guten Pulverschnee hat die Schneequalität im Laufe der Woche verschlechtert, so dass man oft Bruchharsch antrifft. Gesetzten Pulverschnee findet man wie üblich in windgeschützen nordseitigen Lagen.
Auch am Alpenhauptkamm ist die Schneelage im Großen und Ganzen eher unterdurchschnittlich. Hier muss man vor allem im Blockgelände auf ungenügend eingeschneite Felsen achten.

 

Lawinensituation

Im westlichen deutschsprachigen Alpenraum (Schweiz, Vorarlberg, Tirol, Südtirol, Deutsche Alpen außer Berchtesgadener Alpen) herrschten am Donnerstag mit Stufe eins (geringe Gefahr) günstige Lawinenverhältnisse.
Weiter östlich (Berchtesgadener Alpen, Bundesland Salzburg, Steiermark)  wurde die Gefahr oberhalb von 1800 m als mäßig (Stufe zwei) eingeschätzt.
Dort ist aufgrund von Triebschnee die Auslösung von Schneebrettlawinen  an einigen Steilhängen weiterhin bei großer, eventuell auch schon bei geringer Zusatzbelastung möglich. Mehrere Lawinenunfälle bewiesen am vergangenen Wochenende die heikle Situation in den östlichen Regionen. In zwei Fällen am Kleinen Ötscher (Ybbstaler Alpen) und gestern an der Hocheisspitze (Berchtesgadener Alpen) leider mit tödlichem Ausgang.
Dass selbst bei Stufe eins Schneebretter abgehen können zeigte ein gestriger Unfall an der Seekarspitze (Karwendel), bei dem es zum Glück keine Verletzen gab.
Mit neuen Schneefällen und Wind dürfte die Lawinengefahr vor allem im Osten am Wochenende weiter ansteigen … was uns zu den Wetteraussichten bringt.

 

Wochenendwetter

In den Ostalpen stauen sich am Freitag mit starkem Nordwestwind dichte Wolken, aus denen es leicht bis mäßig schneit mit Schwerpunkt Dachstein bis Totes Gebirge, wo bis zu 30 cm Neuschnee fallen können, sonst sind es 5 bis 15 cm. Vom Bregenzerwald bis Mittelbünden beruhigt sich tagsüber das Wetter.
Der Samstag verläuft im Norden wechselnd bis stark bewölkt und weiterhin windig, es bleibt aber trocken. Um die Mittagszeit setzt sich im Westen vorübergehend die Sonne durch, später trübt es auch dort wieder ein.
Der Sonntag bringt auf den Bergen schweren Sturm. Im Nordalpenraum startet der Tag mit dichten Wolken und Schneeschauern, in tiefen Lagen anfangs noch Regen. Im Tagesverlauf klingen die Niederschläge ab und die Wolken lockern auf. Am längsten trüb bleibt es zwischen Kaiser und Dachsteingebirge. Bis zum Abend lässt auch der Sturm etwas nach.
Die Westalpen und vor allem (mit Nordföhn) die Südalpen sind am Wochenende wetterbegünstigt.

 

Fazit

Sonne findet ihr am ehesten auf der Alpensüdseite, aber auch dort weht ein ungemütlicher Nordföhn. In Richtung Schweiz könnte auch die Sonne zum Vorschein kommen. In den Ostalpen wird bei bedecktem Himmel der Samstag noch der beste Ski- oder Snowboard-Tourentag. Auf jeden Fall müsst ihr aber den Abkühlungseffekt durch Windchill berücksichtigen
Auf jeden Fall müsst ihr am Freitagnachmittag den aktuelle Lawinenlagebericht für die jeweilige Region einholen einzuholen. Vor allem in Richtung Osten dürfte die Lawinengefahr wieder ansteigen.

 

good to know - Lawinengrößen
Bei dem im Teaser erwähnten Unfall am Kleinen Ötscher handelte es sich mit 60 m Länge um eine vergleichsweise kleine Lawine. Die Lawinengrößen werden (ebenso wie die Lawinenstufen) in fünf Kategorien eingeteilt, von denen Größe1 („klein“) kürzer als 50 m und Größe 5 ( „extrem groß“) länger als 2 km ist.