Fun im Firn!
Klare Nächte und sonnige Tage sorgen für gute Firnverhältnisse. Allerdings ist vor allem am Alpenhauptkamm die Altschnee-Problematik weiterhin ein heikles Thema.
Schneelage
Der Regen der letzten Februarwoche hat gemeinsam mit dem Tauwetter die (zwischenzeitlich bessere) Schneelage am bayerischen Alpenrand wieder stark verschlechtert. Ski- und Snowboardtouren sind nur von hochgelegenen Ausgangspunkten wie beispielsweise dem Spitzingsee möglich. Dort ist z.B. die »Tanzeck Reibn« gut machbar, während die »Rotwandreibn« schon größere Tragepassagen aufweist. Auch in den höheren Lagen der Allgäuer Alpen liegt noch ausreichend Schnee.
Dafür könnt ihr bei richtigem Timing in den Nördlichen Kalkalpen, wie z.B. am Kreuzjoch (Rätikon), oder an Bleispitze und Steinkarspitze (Lechtaler Alpen) guten Firn erwischen. Aber auch dort solltet ihr hochgelegen Ausgangspunkte und Touren ansteuern, die zunächst nicht gerade südseitig verlaufen. Manche Zustiege können auch etwas ungemütlich Passagen haben, da in einigen Tälern (wie zur Namloser Wetterspitze) derzeit riesige Mengen an Nassschneelawinen liegen.
Am Alpenhauptkamm ist das Felsblockgelände jetzt endlich einigermaßen gut zu geschneit. Nach Einschätzung des Sellrain Experten Lukas Ruetz ist die dortige Schneelage durch ca. ein Meter Neuschnee jetzt etwa durchschnittlich für die Jahreszeit. Durch das Altschneeproblem sind aber »Teile von Skitouren in WNO Exposition oberhalb der Waldgrenze weiterhin nicht empfehlenswert. Dazu zählen z.B. Zischgeles, Lüsener Ferner. Dafür kann man südseitig auch im Sellrain guten Firn erwischen.«
Dank der besser eingeschneiten Gletscher kann man jetzt auch Skihochtouren unternehmen. So waren letztes Wochenende z.B. die Bedingungen am Piz Kesch (Albula Alpen) ziemlich ideal. Allerdings herrscht dort noch Lawinengefahrenstufe »3-« … was uns zum nächsten wichtigen Thema bringt.
Lawinenlage
Während im Deutschen Alpenraum und in Vorarlberg für Donnerstag eine mäßige Gefahr (Stufe 2) ausgegeben wurde, herrscht in der Schweiz südlich des Rheins (Adula Alpen und Engadin) oberhalb von 2200 m eine erhebliche Gefahr (Stufe 3-). In Österreich ist die Lawinengefahr südlich des Inns (Ötztaler, Stubaier, Zillertaler, Tuxer, Kitzbüheler Alpen und Hohe Tauern) oberhalb von 2000 m erheblich (Stufe 3). Auch am Südtiroler Alpenhauptkamm gilt eine erhebliche Lawinengefahr, während in den Dolomiten die Gefahr mäßig ist
In den Gebieten mit Stufe 3 sind im unteren Teil der Schneedecke weiter Schwachschichten vorhanden. Vorsicht ist an eher schneearmen Stellen, sowie an Übergängen von wenig zu viel Schnee geboten. Lawinen können in bodennahen Schichten anreißen und groß werden. Wumm-Geräusche können auf die Gefahr hinweisen. Die Gefahrenstellen sind schwer zu erkennen.
Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung sind unterhalb von rund 2400 m zudem vereinzelt kleine nasse Lawinen möglich. Viele Einzugsgebiete sind aber entladen
Das Altschneeproblem wird auch in den kommenden Tagen nur ganz langsam zurückgehen. Ansonsten ist am Wochenende die Gefahr von nassen Lawinen mit der tageszeitlichen Erwärmung zu beachten. Vor allem ost- und südseitige Touren sollten rechtzeitig beendet werden.
Wochenendwetter
Anhaltender Hochdruckeinfluss sorgt in den Ostalpen freitags für sehr gutes Bergwetter. Nach einer klaren Nacht mit guter Abstrahlung und Verfestigung der Schneeoberfläche wird es in der Früh rasch sonnig. Tagsüber in vielen Regionen abermals wolkenlose und windschwache Bedingungen. Im Westen bis etwa zu den Hohen Tauern nimmt die Schleierbewölkung mit Saharastaub aber markant zu. Die Nullgradgrenze liegt bei schwachem Wind zwischen 2100 bis 2900 m.
Auch der Samstag bringt sonniges und mildes Hochdruckwetter ein. Der Himmel präsentiert sich mit weniger Saharastaub und Schleierwolken als am Vortag. An Windstärke und Temperatur ändert sich wenig.
Nach klarer Nacht gibt es auch sonntags Sonnenschein, wobei tagsüber aber Quellwolken entstehen dürften. An der Alpennordseite könnten ausgeprägtere Wolkenfelder in der Höhe durchziehen. Die Temperaturen gehen bei mäßigem Südostwind etwas zurück.
Das Wetter ist in den Westalpen ähnlich, mit dem Unterschied, dass Saharastaub und Schleierwolken dort freitags ein größeres Thema sind.
Fazit
Für Firntouren in den Nördlichen Kalkalpen gibt es zurzeit recht gute Verhältnisse. Um butterweichen Schnee auf noch fester Unterlage zu erwischen - und auch wegen des tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr - müsst man aber früh unterwegs sein.
Das gilt auch für den Alpenhauptkamm, wo mittlerweile Skihochtouren möglich sind. Aber Vorsicht: Am gesamten Alpenhauptkamm ist das Altschneeproblem weiterhin ein heikles Thema. Ihr benötigt also sehr gute Erfahrung was die Routenplanung und –durchführung angeht. Erkundigt euch ganz genau bei den Hüttenwirt*innen, die die Situation vor Ort meist an besten einschätzen können.
Und hier noch zwei - in Bezug auf uns Skitourengeher*innen erfreuliche - Statements zur zurückliegenden Lawinenperiode (in der zweiten Februarhälfte), bei der in Tirol 10 Personen starben.
Elmar Rizzoli (Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement des Landes Tirols) sagte: »Wir haben gemerkt, dass nicht die Skitourengeher betroffen waren, die wir sehr gut mit dem Lawinenlagebericht erreichen, sondern nur Variantenfahrer neben den Pisten in den Skigebieten.« Und der Lawinenwarndienst Tirol meinte im Nachgang sogar, »dass sich Tourengeher*innen vorbildlich an unsere Warnungen gehalten hatten.«