jdav-logo-160px

CYR Weekend Report

1. bis 3. April 2022

31.03.2022, 15:30 Uhr

Endlich Tiefschnee? Der April mach bekanntlich alles was er will und kommendes Wochenende vielleicht sogar Powder Träume möglich. Allerdings müsst ihr den damit verbundenen Anstieg der Lawinengefahr gut im Blick haben!

Schneesituation

Am Alpenrand liegt für Ende März unterdurchschnittlich viel Schnee. Besonders gut zeigte sich die Expositionsabhängigkeit in Sachen Schneelage im Ammertal wo, südseitig der Brunnenkopf komplett schneefrei zu besteigen war, wohingegen auf der anderen Seite der Skitourenklassiker Kreuzspitze noch gut möglich ist. Unabhängig von der Himmelsrichtung wird in den Nordalpen um die 40 cm Neuschnee erwartet. Am Schweizer Alpennordhang werden sogar bis zu 60 cm vorhergesagt.
Deutlich weniger Neuschnee wird am Alpenhauptkamm erwartet. Auch hier sind die Schneehöhen für die Jahreszeit (wie mit ca. 50% des langjährigen Mittels z.B. in der Ostschweiz) unterdurchschnittlich. Die meisten klassischen Ski(hoch)touren sind aber möglich.

 

Lawinensituation

Im deutschsprachigen Alpenraum herrschte am Donnerstag ganztägig eine geringe Lawinengefahr. Es gab also keinen (im Frühjahr oft typischen) Anstieg der Gefahr im Tagesverlauf. Tagsüber fallen oberhalb von rund 2000 m gebietsweise bis zu 10 cm Schnee. Die meist kleinen Triebschneeansammlungen verbinden sich gut mit der günstigen Altschneedecke. An sehr steilen Schattenhängen können sie vereinzelt ausgelöst werden. Die Lawinen sind meist klein.
Mit Neuschnee und Wind wird die Lawinengefahr zum Wochenende hin ansteigen. Wie stark genau lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt (Donnerstagnachmittag) leider noch nicht genau einschätzen.

 

Wochenendwetter

Der Freitag bringt in den Ostalpen trübes Bergwetter mit schlechter Sicht und vor allem westlich der Linie Niedere Tauern- Karnische Alpen schneit und regnet es leicht bis mäßig. Gegen Osten zu ist der Niederschlag deutlich schwächer. Die Schneefallgrenze liegt im Nordwesten bei 500 m, im Süden bei 1200 m.
Am Samstag herrscht winterliches Bergwetter mit schlechter Sicht und es schneit leicht, in den Nordalpen sowie von der Brenta bis in die Karawanken auch mäßig stark. Neuschneemengen von 5 bis 20 cm sind zu erwarten. Bei schwachem bis mäßigem Nordwind ist es kalt, die Schneefallgrenze liegt im Norden in den Tälern, im Süden knapp unter 1000m.
Mit Tiefdruckeinfluss bleibt es am Sonntag stark bewölkt, es dürfte aber kaum schneien. Aufhellungen sind in den Südalpen möglich. Es ist winterlich kalt, von Nord nach Süd mit -8°C bis -4°C in 2000m. Der Wind im Osten lässt nach.
Das Wetter ist in den Westalpen ähnlich, mit dem Unterschied, dass der Samstag dort vom Tessin bis zu den Seealpen freundlich verläuft.

 

Fazit

So wie es aussieht, lohnt es sich, bereits verstaute Tourenski oder Boards wieder aus dem Keller zu holen. Allerdings müsst ihr hochgelegene, eher nordseitige Touren aussuchen, die schon vor dem Neuschnee noch genug Schneeunterlage hatten. Bei der Suche bieten Tourenforen wie die Aktuellen Bedingungen auf alpenvereinaktiv.com eine wertvolle Hilfe.
Außerdem müsst ihr beim Abfahren Obacht geben! Denn unter dem lockeren Neuschnee lauern unfallträchtige »Sharks« .
Last but not least macht ein Skihochtouren-Wochenende am Alpenhauptkamm vom Wetter her eher wenig Sinn.

 

good to know - Temperatursturz
Lange wurde die Lehrmeinung vertreten, dass sich ein großer Temperaturunterschied während des Einschneiens (egal ob wie jetzt kalt auf warm oder umgekehrt) günstig auf die Lawinensituation auswirke. Dies trifft jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen zu. Meistens wirkt sich ein solcher Temperaturunterschied negativ aus, weil er die aufbauende Umwandlung innerhalb der Schneedecke begünstigt: In der Regel bildet sich dadurch eine dünne, durchweg störanfällige Schwachschicht. Diese findet man oft auch südseitig. Eine heimtückische Angelegenheit, auch deshalb, weil die Schwachschicht unmittelbar nach dem Einschneien noch nicht vorhanden ist und sich erst im Laufe der folgenden Tage bildet.