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CYR Weekend Report

18. bis 20. März 2022

17.03.2022, 15:04 Uhr

Das vergangene Wochenende hat drastisch vor Augen geführt, dass selbst eine »geringe Lawinengefahr« keine Garantie in Sachen tödliche Lawinenunfälle ist (siehe unten: good to know). Auch am kommenden Wochenende ist Vorsicht angesagt. Denn die Lawinengefahr steigt der Jahreszeit entsprechend im Tagesverlauf an.

Schneesituation

Am Alpenrand verdrängt der Frühling nach und nach den Winter, wobei nordseitige Touren von hoch gelegenen Ausgangspunkten nach wie vor möglich sind. Die Schneequalität ist aber eher schlecht. Auch nordseitig wird zuvor trockener Schnee aufgrund der hohen Temperaturen und der mangelnden nächtlichen Auskühlung weit hinauf angefeuchtet. An Sonnenhängen ist die Schneedecke verbreitet faul. Die Schmelzharschkruste ist oft schon morgens nicht vorhanden oder aber nicht tragfähig.
Am Alpenhauptkamm sind Gletscherspalten, wie zum Beispiel rund um die Wildspitze (Ötztaler Alpen) trotz der auch hier eher geringen Schneemengen recht gut eingeschneit, bzw. eingeweht.
Abgesehen davon gibt es selbst innerhalb einer Gebirgsgruppe wie den Hohen Tauern große Unterschiede: Während in der Granatspitzgruppe recht viel Schnee (bei allerdings stark windbearbeiteter Schneeoberfläche) liegt, trifft man in der Glocknergruppe Verhältnisse an, wie sie eher für Ende April/ Anfang Mai typisch sind.
In den Südalpen liegt im Großen und Ganzen noch weniger Schnee. So wird im Tessin verbreitet nur 50 % des langjährigen Mittelwertes gemessen.

 

Lawinensituation

Während für den Deutschen Alpenraum am Donnerstag ganztägig eine geringe Lawinengefahr prognostiziert wurde, stieg die Gefahr in der Schweiz, Tirol und Vorarlberg zum Nachmittag hin auf Stufe drei (erheblich), im Bundesland Salzburg wiederum auf Stufe zwei (mäßig) an.
In der Früh herrschten also noch günstige Lawinenverhältnisse. Die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen stieg aber bereits am Vormittag an. Für den Tagesverlauf wurden vermehrt mittlere und vereinzelt große Nass- und Gleitschneelawinen vorhergesagt. Besonders an steilen Sonnenhängen unterhalb von 2800 m sowie an allen Expositionen in mittleren Lagen. Vorsicht ist vor allem an eher schneearmen Stellen angesagt. Dort ist die Schneedecke schwächer. Touren sollten früh gestartet und rechtzeitig beendet werden.
Der tageszeitliche Anstieg der Lawinengefahr bleibt in den nächsten Tagen erhalten. Mit einem leichten Temperaturrückgang ist dieser in den kommenden Tagen aber wohl nicht mehr ganz so ausgeprägt wie am Donnerstag.

 

Wochenendwetter

Der Freitag verläuft in den Ostalpen, nur östlich der Zillertaler Alpen aufgelockert bewölkt. Vom Ortler bis Gardasee und gegen Westen zu kann es zu leichtem Niederschlag kommen, Schnee fällt ab etwa 2000 m. Es weht ein mäßiger, teils lebhafter Ost- bis Nordostwind bei einer Nullgradgrenze von 1800 bis 2400 m.
Am Samstag wird es recht sonnig. Im Tageslauf kommen Quellwolken auf. In der Nacht lockert es wieder auf, nur südlich des Hauptkammes bleibt es bewölkt. Nachlassender Nordostwind.
Auch der Sonntag verläuft am Hauptkamm und in den Nordalpen sonnig mit ein paar Quellwolken. Es wird bei schwachem bis mäßiger Höhenwind etwas kühler.
In den Westalpen verläuft der Freitag noch wolkenreicher. Das Wochenendwetter ist hingegen ähnlich wie in den Ostalpen.

 

 

Fazit

Da in tieferen Lagen die Altschneedecke meist recht feucht ist, macht es großen Sinn sich so hoch wie möglich zu orientieren. Was für ein Skitouren- oder Splitboard-Wochenende am Alpenhauptkamm spricht. Auch dort solltet ihr zumindest bei ost- und südseitigen Touren möglichst früh unterwegs sein, da nachmittags Nassschneelawinen nicht unwahrscheinlich sind.
Wer wiederum nur einen Tag Zeit hat sollte möglichst hoch gelegene, nordseitige Touren in den Nordalpen anvisieren.

 

good to know - Absolute Sicherheit?
Drei Tote und ein Schwerverletzter bei Lawinenstufe eins! Ein Unglück vom vergangenen Freitag beweist, dass selbst bei "geringer Lawinengefahr" ein Restrisiko besteht. Da die insgesamt vier erfahrenen Alpinist*innen mit Steigeisen eine Steilrinne am Ötscher (Niederösterreich) aufstiegen, hätten sie – laut den anschließenden Ermittlungen – eine größere Belastung auf die Schneedecke ausgeübt. In dem schattigen Steilhang hatten sich zuvor durch aufbauende Schneeumwandlung kantige Kristalle (Stichwort Altschneeproblem) gebildet, auf denen ein Schneebrett abging.

Von daher müsst ihr die Lawinengefahr den ganzen Winter über und bei allen Warnstufen im Hinterkopf behalten!