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CYR Weekend Report

6. bis 9. Januar 2022

05.01.2022, 15:19 Uhr

Endlich wird es wieder kälter und etwas Neuschnee ist auch mit dabei. Doch der reicht leider bei weitem nicht aus, um den weggeschmolzenen Advents-Powder zu ersetzen. Wegen des morgigen Feiertags erscheint der CYR Weekend Report diese Woche bereits am Mittwoch.

Schneesituation

Am mittlerweile ziemlich schneefreien Bayerischen Alpenrand hat der Neuschnee die Skitourenverhältnisse nicht wesentlich verbessert. Dort waren die Berge bis Dienstagabend südseitig bis ca. 1800 m so gut wie schneefrei. Und auch auf den Nordseiten sah die ganze Angelegenheit ziemlich grün aus!
In den Deutschen Alpen sind Skitouren am ehesten im Allgäu von sehr hochgelegen Ausgangspunkten aus möglich, die auf nordseitigen Forststraßen verlaufen. Das Allgäu hat mit bis zu 30 cm (bis Mittwochmittag am Hochgrat) einmal mehr den meisten Neuschnee erhalten.
Ewas bessert schaut es in Tirol zum Beispiel in den Tuxer und Kitzbüheler Alpen aus, wo man allerdings auch hochgelegene Ausgangspunkte und nordseitige Expositionen anvisieren muss. Am meisten Schnee findet man derzeit wohl am Schweizer Alpenhauptkamm.
Die in den letzten Tagen äußerst durchwachsene Schneequalität (Nassschnee und Bruchharsch) wird sich durch die Temperaturabkühlung und den Neuschnee verbessern. Allerdings fällt dieser wieder mit viel Wind, so das einerseits Triebschnee entsteht und nach wie vor abgewehte Rücken weiter auf eine gute Schneeunterlage warten.

 

Lawinensituation

In den Allgäuer Alpen wurde für Mittwoch oberhalb der Waldgrenze eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei) ausgegeben. Weiter östlich ist sie im Deutschen Alpenraum mit Stufe zwei nur mäßig.
In der Schweiz, Tirol, Vorarlberg und dem Bundesland Salzburg steigt die Gefahr im Verlauf des Mittwochs auf Stufe drei an.
Mit Neuschnee und teils starkem Wind aus wechselnden Richtungen entstehen verbreitet vor allem oberhalb der Waldgrenze teils störanfällige Triebschneeansammlungen (siehe unten: good to know). Gefahrenstellen für trockene Lawinen liegen in Kammlagen aller Expositionen sowie in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten. Lawinen können schon von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen. Anzahl und Größe der Gefahrenstellen nehmen mit der Höhe zu.
Zudem können sehr vereinzelt trockene Lawinen mit großer Belastung in tiefen Schichten ausgelöst werden. Dies vor allem an extrem steilen Schattenhängen oberhalb von rund 2400 m an eher schneearmen Stellen.
Bei kühlen Temperaturen weiteren Schneefällen wird sich die Lawinengefahr in den nächsten Tagen nicht wesentlich entspannen.

 

Wochenendwetter

Am Donnerstag ist es in den Ostalpen bei eisigen Temperaturen dicht bewölkt, es kommt aber nur zu leichten Schneeschauern. Im Tagesverlauf werden diese seltener, in der Nacht bleibt es in den meisten Regionen trocken. Vor allem am Alpenhauptkamm weht kräftiger Nordwestwind.
Der Freitag beginnt in der Osthälfte der Ostalpen wolkenlos. Mit Annäherung einer Störung ziehen im Westen ab dem Morgen kompakte Wolkenfelder auf. Westlich des Arlberg setzt am späten Nachmittag leichter Schneefall ein, der im Laufe der Nacht etwas stärker wird. Ganz im Osten bleibt es hingegen sonnig. Es ist kalt mit -8°C auf in 2000 m. Dabei weht in Hochlagen mäßiger Nordwestwind.
Am Samstag überquert die nächste, eisige Störungszone die Alpen, dabei weht lebhafter Wind aus Südwest bis West. Zwischendurch sind sonnige Auflockerungen möglich, in den Nord- und Zentralalpen dominiert aber starke Bewölkung, wobei es vor allem um und westlich des Arlberg, im Nordtiroler Raum bis ins Salzkammergut zeitweise leicht bis mäßig stark schneit.
Mit Nordföhn ist an der Alpensüdseite in den kommenden Tagen mehr Sonne zu erwarten.
In den Westalpen ist das Wochenendwetter ähnlich, wobei dort der Donnerstag sonniger verläuft.

 

Fazit

Auch wenn es in den Bergen wieder Winter wird, reichen die Schneehöhen am Deutschen Alpenrand leider noch nicht wirklich für Ski- und Snowboardtouren oder zum Freeriden. Eine Alternative sind natürlich Pistenskitouren, wobei man die einschlägigen Tipps hierzu berücksichtigen muss.
Von höheren Ausgangspunkten am Schweizer oder Österreichischem Alpenhauptkamm kann man hingegen schon noch Skitouren unternehmen. Allerdings braucht man hierzu gute Lawinenerfahrung und sollte nur sichere Routen ins Auge fassen.
Und ganz egal wo ihr unterwegs seid … zieht euch warm an! Der Windchill Faktor ist bei kräftige Wind und kalten Temperaturen nicht zu unterschätzen.

 

good to know
Woran erkennt man Triebschnee?
Besonders charakteristisch für Triebschnee sind seine matte und „gespannte“ Oberflächenstruktur sowie die scharfen Kanten, die beim Spuren entstehen. Risse in der Schneedecke, oft neben der Spur, sowie ein stumpfer Widerstand beim Spuren oder Befahren sind ebenfalls Indizien. Es empfiehlt sich, immer wieder einmal selbst ein Stück zu spuren, um einen besseren Eindruck von den Verhältnissen zu bekommen. Je frischer der Triebschnee ist und je mehr sich davon im Hang befindet, desto gefährlicher ist er.