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CYR Weekend Report

24. bis 26. Dezember 2021

23.12.2021, 15:27 Uhr

Leider macht starkes Weihnachtstauwetter allen Träumen von Feiertags-Powder einen dicken Strich durch die Rechnung. Dafür hat sich die Lawinengefahr deutlich entspannt.

Schneesituation

Aufgrund der zuvor warmen Witterung hat die Schneedecke in tieferen Lagen vor allem südseitig am Alpenrand ziemlich gelitten, weshalb ihr am besten höher gelegene Ausgangspunkte in den Expositionen West über Nord nach Ost anvisiert. Die heute zu Ende gehende kurze Kälteperiode hat dazu geführt, dass die zuvor nasse Schneedecke meist sehr hart gefroren ist, was beim Abfahren aber immer noch besser ist als ein heikler Bruchharsch.
Weiterhin viel Schnee liegt vor allem im Allgäu, wo selbst der Talboden von Oberstdorf noch schneebedeckt ist. An hohen Ausgangspunkten wie Balderschwang oder Kleinwalsertal konnten Wärme und Sonne selbst an südseitigen, steilen Waldstufen (wie z-B. am Grünhorn) der mächtigen Schneedecke nicht viel anhaben. In windgeschützen Südhängen konnte man dort am Dienstag kleinräumig aufgefirnte Bereiche erwischen.
In höheren Lagen ist zu berücksichtigen, dass windexponierte Rücken oft abgeblasen sind, da die vergangenen Niederschlagsperioden meist mit starkem Wind zusammenhingen.
Von richtig hochgelegenen Touren wird schließlich wie zum Beispiel bei Gargellen (Vorarlberg) in windgeschützten Lagen noch guter Pulverschnee gemeldet, wobei man in windexponierten Bereichen mit einem gepressten Harschdeckel rechnen muss.
Interessant ist zudem, dass die relative Schneehöhe in der Schweiz auf 2500 m vor zwei Wochen noch verbreitet deutlich über dem langjährigen Mittelwert lag, mittlerweile aber verbreitet darunter liegt … was nichts anders bedeutet, als dass Neuschnee sehr wünschenswert wäre.

 

Lawinensituation

Abgesehen vom deutschen Alpenraum, wo auch oberhalb der Waldgrenze am Donnerstag nur eine geringe Lawinengefahr (Stufe 1) ausgegeben wurde, herrscht im deutschsprachigen Alpenraum ab der Baumgrenze mit Warnstufe 2 eine mäßige Gefahr.
Oberhalb von rund 2000 m entstanden teils störanfällige Triebschneeansammlungen. Diese sind meist gut erkennbar und in Randbereichen vereinzelt auslösbar. Ungünstig sind vor allem Übergänge von wenig zu viel Schnee. Gefahrenstellen liegen v.a. in Rinnen, Mulden und hinter Geländekanten sowie in schattigen, windgeschützten Lagen.
Zudem können sehr vereinzelt Lawinen von einzelnen Wintersportlern im schwachen Altschnee ausgelöst werden, vor allem an sehr steilen Schattenhängen oberhalb von rund 2200 m sowie an steilen Sonnenhängen im Hochgebirge.
Mit Neuschneefällen oberhalb von 1600 m könnte die Lawinengefahr in den Hochlagen wieder etwas ansteigen. In tieferen Lagen ist zu erwarten, dass mit dem Temperaturanstieg und den erwarteten Regenfällen Gleitschneeaktivität wieder ein Thema wird.

 

Wochenendwetter

Am Freitag nimmt die Bewölkung in den Ostalpen von Norden her allmählich zu. Im Westen weht in Föhnschneisen föhniger Südwind. Im Laufe des Abends beginnt es von den Allgäuer, über die Berchtesgadener Alpen bis zur Rax zu regnen. Schnee fällt oberhalb von rund 1500 m. In Kammlagen lebhafter Westwind, im Norden stark windig. Für die Jahreszeit ist es sehr mild mit Frost ab 2100 bis 2500 Meter.
Auch am Samstag ist es meist stark bewölkt, entlang des Alpennordrandes sind ein paar Regenschauer und oberhalb von rund 1000 bis 1400 Meter Schneeschauer zu erwarten. Weiterhin mild mit einer Nullgradgrenze um 2100 bis 2500 m, der Wind lässt nach
Am Sonntag mit milder Westströmung meist wieder stark bewölkt und wenig Sonne. Vom Allgäu bis zum Wilden Kaiser und im Süden Österreichs gibt es etwas Regen und Schneefall über 1600 Meter.
In den West- und Südalpen sind in der Summe etwas mehr Niederschläge zu erwarten.

 

Fazit

Oberhalb von etwa 1000 m liegt am bayerischen Alpenrand noch genügend Schnee für Ski- und Snowboardtouren. Allerdings ist die Schneequalität ziemlich mäßig, weshalb man sein Ski, bzw. Board gut beherrschen sollte.
Am Alpenhauptkamm könntet ihr in hohen, windgeschützten Lagen vielleicht noch Powder finden- Allerdings muss man dort die Lawinenlage im Auge behalten, die vielleicht am Wochenende etwas ansteigen könnte.
Wichtige Tipps zum Tourengehen in den (leider wieder von Corona beeinträchtigten) Weihnachtsferien findet ihr HIER.

 

Good to know
„Absturzgefahr höher als Verschüttungsgefahr“
Am heutigen Donnerstag brachte der bayerische Lawinenlage diese nicht ganz gewöhnliche Schlagzeile heraus. Eine solche Situation entsteht meist dann, wenn eine zuvor durchnässte Schneedecke durch ein paar kalte Nächte hart gefroren ist. An steilen Querungen oberhalb von Felsabbrüchen kann dann sogar der Anstieg bei fehlenden Harscheisen, bzw. unzureichender Aufstiegstechnik zur tödlichen Gefahr werden … was bei der Abfahrt freilich in noch höherem Maße gilt.