jdav-logo-template 120x50

CYR Weekend Report

19. bis 21.1.2018

18.01.2018, 15:32 Uhr

Derzeit ist wirklich defensives Risikomanagement angesagt. Denn die Lawinenstufe Vier wird selten so weit verbreitet ausgegeben, wie an diesem Donnerstag.

Lawinensituation

Fast im gesamten deutschsprachigen Alpenraum (Bayerische Alpen, Vorarlberg, Tirol, Bundesland Salzburg und in der Schweiz nordwestlich einer Linie Chur – Andermatt) herrschte am Donnerstag eine große Lawinengefahr. Nur in Südbünden und in Südtirol wurde die Lawinengefahr als erheblich angegeben.
Die Gefahrenstellen befinden sich oberhalb der Waldgrenze im kammnahen Steilgelände aller Expositionen, in eingewehten Rinnen und Mulden aber auch hinter kammfernen Geländekanten, sowie örtlich in steilen Lichtungen und Waldschneisen. Hier ist eine Auslösung gefährlich großer Lawinen bei geringer Zusatzbelastung,möglich. Zudem kann es aus felsigem und kammnahen Steilhängen zur Selbstauslösung von feuchten Lockerschnee- und Schneebrettlawinen kommen.
Die ungünstigen Verhältnisse erläutert der Tiroler Warndienst noch genauer: Im schattigen Gelände muss aufgrund von eingeschneitem Oberflächenreif von einer allgemein sehr hohen Störanfälligkeit der Schneedecke ausgegangen werden. Im besonnten Gelände finden sich mögliche Schwachschichten im Neuschnee.

 

Schneesituation

Die Niederschläge der letzten Tage haben die Schneesituation am Alpenrand wieder verbessert. Bereits am Mittwoch Abend meldeten Foreneinträge beispielsweise westlich des Roßkopf (Mangfallgebirge) 50 cm Neuschnee. Der Tiroler Lawinenwarndienst meldete bis Donnerstag Vormittag im Nordwesten des Landes sogar Neuschneemengen von bis zu einem Meter. Auch im statistischen Vergleich sind die Schneehöhen in höheren Lagen überdurchschnittlich. So liegen in der Ostschweiz und im Wallis verbreitet 170% des langjährigen Mittels.
Bezüglich der Schneequalität stieg die Schneefallgrenze im Verlauf des Donnerstags allerdings wieder auf über 1000 m an, was zu einer entsprechenden Durchfeuchtung in tieferen Lagen führte. Zudem sorgt der starke Wind oftmals für „windbehandelten Plattenpulver auf eisigem Harsch“ wie ein gestriger Foreneintrag aus den Chiemgauer Alpen berichtet.
Ab etwa 1200 m dürfte aber im geschützten Waldbereich durchaus brauchbarer Tiefschnee zu finden sein. Und es wird bei wieder sinkenden Temperaturen neuer Schnee hinzukommen, was uns zu den Wetterprognosen führt.

 

Wochenendwetter

Bei starkem Wind ist es freitags am Hauptkamm der Ostalpen und nördlich davon zunächst stark bewölkt mit weiteren Schauern, die Schneefallgrenze sinkt in die Täler. Ab Mittag lockert es von Westen her auf, abends zieht die nächste Störung mit ein Schneeschauern heran. Auf der Alpensüdseite ist es generell freundlich. Die Nullgradgrenze sinkt im Norden auf 1000m. In nordwestlichen Staulagen der Nordalpen gibt es weitere 20-30cm Neuschnee.
Der Samstag beginnt sehr kalt, meist aufgelockert und im Norden windig. Im Tagesverlauf zieht es von West nach Ost wieder zu, abends kommt Schneefall auf. Am Sonntag ist es wahrscheinlich im Norden und Westen bei starkem Wind bewölkt und unbeständig, nach Südosten zu eher freundlich.
In den Westalpen kommt die Kaltfront bereits an Freitag Nachmittag an. Am Wochenende hält der stürmische Wind an und es gibt verbreitet große Neuschneemengen, mit Schwerpunkt im Bereich der Nordweststaulagen. Die Schneefallgrenze liegt meist in den Tallagen, erst Sonntagabend steigt sie von Westen stark an. Wetterbegünstigt sind nur die südlichen Seealpen, auch hier weht aber starker Wind.

 

Fazit

In den kommenden Tagen muss man sich beim Tiefschneefahren äußerst defensiv verhalten und darf sich eigentlich nur im Waldbereich aufhalten. Angesichts des durchwachsenen Wetters ist das aber ohnehin keine schlechte Idee, da man oberhalb der Waldgrenze außer mit einer hohen Lawinengefahr auch mit schlechter Sicht rechnen muss. Zudem hat man hier die besten Chancen auf möglichst wenig windverpressten Pulver.
In den klassischen Freeride Gebieten sind wiederum gerade (sonst oft fahrbare) Steilrinnen sehr kritisch, da hier große, sehr störanfällige Triebschneeansammlungen liegen.