In dieser Rubrik stellen wir einige Tätigkeiten und Produkte vor, die für den Alpenraum typisch und hier (teilweise nur noch vereinzelt) anzutreffen sind. Natürlich erheben wir keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und sind für weitere Anregungen stets dankbar.
Bauernmühlen

Die klappernde MÜhle am rauschenden Bach kommt heute vermutlich nur noch im entsprechenden Lied oder im Märchen vor. Kaum vorstellbar, dass es beispielsweise im Schwarzwald ehemals 1.400 Bauernmühlen gab. Die Bauernmühlen unterscheiden sich von den Kundenmühlen dadurch, dass sie nicht von einem Müller betrieben werden, der gegen Bezahlung das Korn für seine Kunden mahlt.
Bauernmühlen befanden sich an Bächen in der Nähe von Bauernhöfen, sind klein, selbst gebaut und wurden in der Regel von einem einzelnen Bauern genutzt. Da früher auch von den Bergbauern Getreide für den Eigenbedarf angebaut wurde, fand man solche Mühlen auch häufig in den Alpen. Im Lesachtal (Kärnten) etwa waren zur Blütezeit an die 200 Mühlen in Betrieb. In den Mühlen wurde aber nicht nur Getreide zu Mehl gemahlen. Die Wasserkraft wurde auch zum Ölpressen, zum Sägen, zum Betreiben von Dreschmaschinen oder Materialseilbahnen und später sogar auch zur Stromerzeugung genutzt. Die fortschreitende Industrialisierung lies ab ca. 1900 eine Mühle nach der anderen verschwinden.
Heute findet man alte (bzw. wieder restaurierte) Mühlen beispielsweise in Ebenau (bei Salzburg), in Maria Luggau (Kärnten), in Kals (am Großglockner) oder in Ottenhofen (im Schwarzwald). Auch so manches Freilichtmuseum hat die eine oder andere Mühle vor dem Verfall gerettet und wieder liebevoll hergestellt.

Ihre Blütezeit hatte die Federkielstickerei wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Alpenraum (insbes. Süddeutschland, Tirol, Salzburger Land und Salzkammergut). Beim Federkielsticken werden die Schwanzfedern vom Pfau in millimeterbreite Bahnen gespalten und mit diesen Kielen dann Lederwaren (z.B. Lederhosen, Leibgurte, Glockenriemen von Kühen) bestickt. Beim Sticken werden mit einer Ahle die Löcher vorgestanzt, in die der Federkiel dann eingeführt wird. Vereinzelt findet man in den o.a. Region

en noch Federkielsticker, die heute etwa auch Damenhandtaschen, Geldbörsen, Gürtel etc. verzieren. Da diese Arbeit sehr kunstvoll und aufwändig ist, hatten und haben Federkielstickerein ihren Preis.
Früher war die Federkielstickerei meist ein Nebenerwerb von Bauern und Sattlern, heute ist sie beispielsweise im Sarntal ein anerkannter Beruf mit fünfjähriger Lehrzeit.
Schöne alte Exemplare solcher Stickereien kann man heute noch bei Trachtenumzügen oder in Heimatmuseen bewundern.
Flachs (Leinen)


Flachs (oder Lein) war früher auch eine im Alpenraum stark verbreitete Nutzpflanze, die ab dem späten 19. Jahrhundert durch die Baumwolle verdrängt wurde. Die aus der Flachspflanze gewonnene Faser wird erst nach dem Spinnen oder nach dem Weben Leinen geenannt.
Bevor aus der Flachspflanze Leinen wird, sind viele Arbeitsgänge notwendig. Traditionell wird der Flachs mit der Wurzel geerntet, d.h. von Hand ausgerissen. Durch das anschließende Riffeln mittels eines Brettes mit Eisenstiften wurden die Samenkapseln entfernt, die für die nächste Aussaat, für die Herstellung von Leinöl oder als Hausmittel gegen vielerlei Beschwerden von Mensch und Tier verwendet wurden. Zur Trennung der holzigen Teile vom Bast wurde der Flachs meist auf einer Wiese zum sog. Taurösten ausgelegt und anschließend gedörrt (z.B. in einer Back- oder Brechelhütte). Danach wurde der Flachs (mittels einer Brach

bzw. Brechelbank) gebrochen, um die holzigen Stengelteile abzulösen um dann noch gehechelt, d.h. über ein Brett mit spitzen Eisennägeln gezogen zu werden. Es war also ein mühseliger Weg, bis endlich die Flachsfasern zu Zöpfen gedreht, versponnen und dann gewebt werden konnten.
Neben Wolle war Leinen Jahrhunderte lang das wichtigste Material für Kleidung. Hergestellt wurde aus Leinen Leibwäsche, Bettwäsche, Tücher, Säcke usw.
Der Flachsanbau, das Brecheln und Spinnen war früher eine typische Frauenarbeit und in den Brechelhütten soll es (trotz der harten Arbeit) teilweise sehr lustig zugegangen sein (siehe auch unhter Spinnen).
Der Gamsbart wächst der Gämse nicht unterm Kinn (wie etwa bei der Ziege), sondern es handelt sich vielmehr um Rückenhaare (Aalstreif) erwachsener Gamsböcke. Bevor diese aber eine beeindruckende alpenländische Hutzier werden, bedarf es einiger Voraussetzungen, viel Arbeit und Kunstfertigkeit.

Nicht jede Gämse ist eine "Bartgams". Ideal sind fünf- bis sechsjährige Böcke, die im Dezember erlegt werden. Dann sind die Haare am dunkelsten und ihre weißen Endspitzen (Reif) am schönsten. Am besten werden diese Haare gleich nach dem erlegen weidmännisch "gerupft". Eine ganze Reihe weiterer Arbeitsgänge ist nötig, bis aus diesen Haaren ein prächtiger Gamsbart wird. Ungefähr 25.000 bis 30.000 Haare benötigt man für einen respektablen Gamsbart. Mit Zwirn und Bienenwachs werden Büschel von 80 bis 100 Haaren hergestellt, die dann zu einem "Bart" zusammengefügt werden. Je nachdem, wie beeindruckend der Hutschmuck werden soll, reichen die Haare einer einzigen Gams nicht aus. Für kapitale Bärte werden die Haare von bis zu sieben Gämsen verarbeitet. Das alles hat natürlich seinen Preis und zwar (je nach Angebot und Nachfrage) in et

wa zwischen 1.200 und 2.000 Euro (in einer nach oben relativ offenen Preisskala). Der Preis richtet sich auch nach der Länge der Haare, ihrer Farbe, dem Reif und natürlich dem Umfang des Bartes.
Die Bärte werden von einem Gamsbartbinder bzw. -in meist in Heimarabeit im Nebenerwerb hergerstellt, wobei das Handwerk häufig auf einer Familientradition beruht.
Aber nicht alles, was auf einem Trachtenhut stolz herumwachelt, ist auch immer ein echter Gamsbart. Günstigere Varianten stammen beispielsweise vom Mufflon, vom Hirsch, vom Dachs oder gar von der Antilope.

Die Herstellung von Hüten ist ein traditioneller Handwerksberuf (Hutmachermeister) und war früher stark reglementiert (wer genau Hüte herstellen und wer sie wo verkaufen durfte). Hüte kommen in Deutschland seit dem 10. Jahrhundert vor und haben sich in den a

nschließenden Jahrhunderten sehr verbreitet, waren aber auch immer (selbst im Trachtenbereich) modischen Schwankungen unterworfen. Dabei war genau reglementiert, wer welchen Hut tragen durfte. Seit den 1950er/60er Jahren sind Hüte ziemlich aus der Mode gekommen und damit einher ging ein entsprechender Niedergang des Hutmacherhandwerks. So gab es beispielsweise in Salzburg 1890 ganze 29 Hutmacher, 1950 noch 18 und zum die Jahrtausendwende nur noch zwei Betriebe. Heute werden Hüte nur noch zu besonderen Anlässen (z.B. Pferderennen, Hochzeiten) und im Bereich der Trachten getragen. Gerade im Trachtenbereich findeet man in verschiedenen Regionen die unterschiedlichsten Hutformen. Hüte können aus unterschiedlichen Materialien (z.B. Stroh, Biber- oder Hasenhaaren) hergestellt werden.
Im Gegensatz zu einer Mütze hat ein Hut eine feste Form und eine umlaufende Krempe. Läuft der Rand nicht um den ganzen Kopf herum, spricht man von einer Kappe. Ein Hut diente ursprünglich als Schutz (z.B. vor Regen, Sonne etc.).
Kalk brennen

Kalköfen, d.h. Vorrichtungen zum Brennen von Kalk, waren fürher sehr verbreitet. Der heute industriell hergestellte Kalk hat seine Wurzeln in der Antike und wurde vermutlich von den Römern nach Germanien gebracht. Benötigt wurde der Kalk früher als wichtiges Rohmaterial zur Herstellung von Mörtel, aber auch etwa als Düngemittel, für Wandfarben und als Frostschutzmittel an den Bäumen.
Zum Brennen benötigte man einen Kalkofen (z.B. Meiler), Kalksteine (z.B. aus einem Steinbruch) und natürlich Brennmaterial (Holz, Kohle, Torf). Die rohen Kal

ksteine (Calciumcarbonat) werden sodann über einen längeren Zeitraum (ca. 100 Stunden) auf 900-1200 Grad Celsius erhitzt. Dabei entweicht Kohlenstoffdioxid und Calciumoxid entsteht. Die vormals rohen Kalksteine werden dabei porös (ungelöschter Kalk). Wird dieser gebrannte Kalk nach und nach mit Wasser begossen, erhält man gelöschten Kalk. Beim Löschen des Kalks entsteht Hitze, die so stark werden kann, dass die Lösung zu sieden beginnt. Gibt man viel Wasser sowie Sand dazu, dann erhält man einen Mörtel-Brei.
Nach wie vor ist Kalk ein wichtiger Rohstoff, der in diversen Produkten (z.B. Zement, PVC, Radiergummi oder Zahnpaste) enthalten ist. Historische Kalköfen findet man heute vermutlich nur noch in Freilichtmuseen.

In Kugelmühlen wird nicht Getreide zu Mehl, sondern es werden Steine mit Wasserkraft zu Kugeln "gemahlen". Ausgangsmaterial ist geeignetes Gestein (z.B. Marmor oder Granit), das grob würfelförmig vorbehauen wird. Diese Brocken werden dann zwischen zwei rotierende Scheiben (Schleifstein) mit Laufrillen gelegt. Der Durchmesser der Rillen entspricht dem gewünschten bzw. späteren Durchmesser der Kugeln. Dann wird meist die obere Scheibe durch Wasserkraft in schnelle Rotation versetzt und nach 2 bis 8 Tagen (je nach Größe) sind die Kugeln fast fertig. Sie werden dann nur noch feingeschliffen und poliert.
In vergangenen Jahrhunderten gab es zahlreiche solcher Kugelmühlen (z.B. 179

2 im salzburgischen Flachgau 49 Betriebe und 40 am Almbach bei Berchtesgaden). Meist wurden diese Mühlen von Bergbauern im Nebenerwerb betrieben. Die letzte alte Kugelmühle Deutschlands (1683 gegründet) befindet sich in Marktschellenberg (bei Berchtesgaden). Neue bzw. wiederhergestellte Mühlen findet man heute etwa auf der Schwäbischen Alb oder in Fürstenbrunn bei Salzburg.
Die Kugeln waren als Murmeln (Schusser) früher ein beliebtes Spielzeug für Kinder, bevor sie von billigeren Industrieprodukten verdrängt wurden. Steinkugeln benutzte man aber bis ins 19. jahrhudnert auch als Munition für die Artillerie (z.B. Kanonenkugeln) oder als Ballast für Handelsschiffe. Heute werden die Kugeln meist nur noch für Dekozwecke erworben.

In (Berg)Gebieten, in denen es keinen oder nur einen sehr geringfügigen Getreideanbau gab, fiel auch kein Stroh als Streu für den Viehstall an. Es musste also ein Ersatz gefunden werden und den fand man in Form von Laub und Reisig. Noch heute kann man im Herbst Bergbauern beobachten, wie sie das Laub zusdammenrechen (labeln) und in großen Tüchern zum Hof transportieren, woe es dann als Streu für den Stall dient.
Lüftlmalerei

Als Lüftlmalerei bezeichnet man die illusionistische Fassadenmalerei, die in Bayern (insbes. Werdenfelser Land) und in Tirol verbreitet ist. Dabei werden die Bilder in einer Freskotechnik auf den frischen Kalkputz aufgetragen. Dies führt dazu, dass die Farben tief in den noch feuchten Mörtel eindringen und die Bilder so haltbarer werden. Dargestellt werden religiöse und weltliche Motive. Heute wird oft auf den trockenen Putz gemalt und die Motive sind manchmal schaurig-kitschig.
Besonders schöne alte Lüftlmalereien findet man beispielsweise in Oberammergau und in Mititenwald.
Rechenmacher

Ein nahezu ausgestorbener Beruf ist der des Rechenmachers. Der großflächige Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft und die industrielle Produktion haben dieses Handwerk nahezu aussterben lassen, jedoch findet sich im Alpenraum und im Bayerischen Wald noch der eine oder andere Rechenmacher vom alten Schlag.
Je nach Verwendungszweck unterschied man früher etwa zwischen Heu-, Laub- oder Getreiderechen. Die Unterschiede lagen im Abstand der Zinken, der Breite des Jochs, der Läünge des Stiels usw. Ein traditioneller Rechen ist aus dreierlei Holz hergestellt, die Rechenzähne aus Eschenholz, das Rechenjoch aus Buchenholz und der Stiel z.b. aus Lindenholz. Für einen guten Rechen war nicht nur die Holzwahl, sondern auch der Zeitpunkt des Holzschnittes und der Verarbeitung (grün, halbtrocken, trocken) wesentlich.
Verkauft wurden die Rechen von den Rechenmachern direkt an die Bauern, auf Märkten oder an Händler. Neben hauptberuflichen Rechenmachern wurden Rechen auch oftmals im Nebenerwerb (z.B. von Bauern) hergestellt. Häufig produzierte ein Rechenmacher auch Stiele für Sensen, Schaufeln u.ä.

Säckler (Lederhosenmacher) ist ein eigenständiger Beruf mit mehrjähriger Lehrzeit (Gesellenprüfung, Meister). In dieser Zeit lernt der angehende Säckler jede Menge über Gerbverfahren, Verarbeitung verschiedener Lederarten und Anfertigung von Lederbekleidung. Hergestellt werden von einem Säckler nicht nur Trachtenlederhosen, sondern grundsätzlich aus Sportlederbekleidung (z.B. für Biker), Berufsbekleidung (z.B. Schutzanzüge für Schweißer), sonstige Lederbekleidung (z.B. Ledermäntel) und Lederaccessoires (z.B. Gürtel). Richtige Säckler gibt es nur noch wenige, doch ist eine echte Trachtenlederhose (egal ob Kurze, Kniebundhose oder knöchellang) immer handwerkliche Maßarbeit, die ihren Preis hat und mindestens ein Leben lang hält. Sehr zeitaufwendig ist das Besticken der Hosen, das traditionell in reiner Handarbeit erfolgt. Entsprechend lang sind daher meist die Wartezeiten, bis so ein Stück aus Hirsch-, Gams- oder Rehleder fertig ist. Verbreitet sind Trachtenlederhosen im mitteleuropäischen Alpenraum, wobei es regional sehr unterschiedliche Ausprägungen gibt. Wenig gemein haben diese Originale mit den industriell gefertigten Landhaus-Lederhosen, mit denen sich beispielsweise gerne so mancher Oktoberfestbesucher schmückt.
Schmied

Als Schmied bezeichnet(e) man einen Handwerker, der Metall schmiedet. Aus dem früher in jedem dorf anzutreffenden Universalschmied entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Spezialisierungen (z.B. Huf-, Kessel-, Messer-, Nagel-, Pfannen-, Sensen-, Waffenschmied). Heute ist die klassische handwerkliche Schmiede beinahe ausgestorben. Vieles wird stattdessen industriell gefertigt und einige einstmals wichtige Produkte (z.B. Schwerter, Hufeisen) werden kaum mehr benötigt.
Eine klassische Schmiede besteht aus einer Esse, in der die Kohle (Fettkohle, Koks) zur Erwärmung des Werkstücks mit einem Blasebald auf

hohe Temperaturen (bis zu 1250 Grad Celsius) gebracht wird. Neben diversen Werkzeugen (Hammer, Spaltkeile, Zangen etc.) darf auch ein Amboss nicht fehlen. Ein guter Schmied benötigte neben einem fundierten Wissen über seine Rohstoffe auch handwerkliches Geschick und naktürlich entsprechende Körperkräfte.Teilweise lagen Schmieden an Wasserläufen, wo man die Wasserkraft zum Antrieb von Fallhämmern nutzte (sog. Hammerschmieden).
Heute findet man auf dem Land noch die eine oder andere alte Schmiede (z.B. Hammerschmiede in Bad Hindelang), sowie Kunstschmieden (z.B. fürGrabkreuze, Treppengeländer, Gartentore).
Schnitzer

Unter Schnitzen versteht man das Bearbeiten von Holz, Bein etc. mit Messern, Schnitzeisen u.a. Werkzeugen. Das Schnitzen hat im (holzreichen) Alpenraum eine lange Tradition und wurde zunächst zur Winterzeit von den Bauern für den Eigenbedarf (Löffel, Spielzeug et.c) betrieben. Im Laufe der Zeit spezialisierten sich die Leute auf bestimmte Produkte (z.B. Herrgottschnitzer, Heiligenfiguren, Krippenfiguren), wobei diese Produkte zunehmend auch verkauft wurden (z.B. auf Märkten, durch Hausierer). In einigen Gegenden wurde die Schnitzerei im Laufe der Zeit zu einer bedeutenden Einnahmequelle, etwa in Oberammergau, dem Grödner Tal, dem Erzgebirge oder dem Berchtesgadener Land. Im 19. Jahrhundert entstanden

dann eine Reihe von Schnitzschulen (z.B. Gröden, Oberammergau, Berchtesgaden) mit richtigen Ausbildungsgängen zum Schnitzer bzw. Holzbildhauer.
Noch heute gibt es neben den gelernten Holzbildhauern zahlreiche Autodidakten, die in Heimarbeit teils grobe, teils kunstvolle Stücke erzeugen. Mittlerweile wird der Markt jedoch von computergesteuerten Fräserzeugnissen dominiert, da von Anfang bis Ende in Handarbeit erzeugte Schnitzereien wesentlich teuerer sind.
Eine Sonderform stellen die Beinschnitzer(eien) dar. Statt Holz werden hier Knochen (Rind, Pferd), Geweihe (Hirsch, Reh), Horn (Rind, Ziege) bzw. Elfenbein oder Walrosszähne verarbeitet. Neben Gegenständen des täglichen Gebrauchs (Kämme, Messergriffe, Spielsteine, Brillenfassungen etc.) entstanden auch sakrale Figuren und sehr filigrane Stücke. Bekannt waren die Beinschnitzereien aus Berchtesgaden.
Bevor

(Well-)Pappe und Plastik ihren Siegeszug als praktische und preiswerte Verpackung antraten, schlug bis ins 19. Jahrhundert die Stunde der Spanschachtel. Eine Spanschachtel ist meist ein ovaler (machmal auch runder) schachtelförmiger Behälter, bei dem die Wandung (einschließlich der Seitenwand des Deckels) aus hobelspanähnlichem dünnem Weichholz besteht. Boden und Deckel sind ebenfalls aus (meist etwas dickerem Holz gefertigt. Verwendet wurden diese Schachteln sehr vielseitig z.B. zur Aufbewahrung von Trachtenhüten und -hauben, Brautgut, Patengeschen

ken, Spielzeug, Apothekenprodukten, Schmuck, Perücken, Gewürzen, Schuhcrema und sogar Butter und Schmalz.
Die Schachteln wurden in waldreichen Gegenden (z.B. Berchtesgaden, Schwarzwald, Erzgebirge, Thüringen) meist im Nebenerwerb (z.B. auf dem winterlichen Bauernhof) gefertigt. Je nach Verwendungszweck bleiben die Schachteln unbehandelt oder wurden kunstvoll bemalt. "Gadlmacher" und ihre nach alten Vorlagen hergestellten Produkte findet man heute beispielsweise noch in Berchtesgaden. Diese Handarbeit hat allerdings ihren Preis. Alte Exemplare können in so manchem Heimatmuseum bestaunt werden, wenngleich durch den Gebraucht viele der alten Schachteln nicht überlebt haben.

Spinnen und Weben sind zwei der ältesten Techniken der Menschheit. Versponnen werden können alle möglichen Fasern wie Flachs, Baumwolle, Hanf, aber auch tierische Wolle, synthetische Fasern und sogar menschliche Haare. Nach dem Spinnen erhält man ein Garn, das anschließend auf verschiedene Art weiterverarbeitet werden kann (z.B. Zwirnen, Weben, Stricken, Nähen).

Gesponnen wird in Europa seit Jahrtausenden. Dies geschah lange Zeit mittels Spindel und Rocken, bis im 14. Jahrhundert dann das Handspinnrad erfunden wurde. Die erste Spinnmaschine war Ende des 18. Jahrhunderts die "Spinning Jenny". Mit der Verbreitung industrieller Spinn- und Webmasdchinen ging der Niedergang der entsprechenden häuslichen Produktion einher.
Die frühere Spinnstubenzeit begann jahreszeitlich dann, wenn die Feldarbeit beendet war. Das Spinnen war traditionell eine Arbeit für Frauen und junge Mädchen und gesponnen wurde abends in der bäuerlichen Stube. Dies geschah teilweise auch in größeren Gruppen, wobei dann auch Geschichten erzählt und das Dorfleben bzw. die Dorfbewohner "durchgehechelt" wurden. Zu manchen Spinnstuben hatten die Männer und Burschen keinen Zutritt, zu anderen schon. Dies wurde regional sehr unterschiedlich gehandhabt. War das männliche Geschlecht dabei, dann wurde nicht selten auch gesungen, getrunken und getanzt. Die Spinnstuben galten jahrhundertelang als sozialer Treffpunkt im Winter.
Im bergbäuerlichen Bereich findet man noch (bzw. wieder) vereinzelt Frauen, die spinnen (insbes. Schafwolle) und weben.

Ein Zaun trennt zwei Bereiche voneinander, stellt eine Abgrenzung dar. So lassen sich mit einem Zaun beispielsweise Tiere einschließen (z.B. Weidezaun), aber auch ausschließen (z.B. Bauerngarten). Zäune können dauerhafte Abgrenzungen darstellen oder nur für eine gewisse Zeit aufgestellt werden. Heutzutage sind Zäune meist aus (kunststoffbeschichtetem) Draht oder industriell bearbeitetem Holz.
In früherer Zeit, als Nägel und Metallteile teuer waren, stellte man Zäune ausschließlich aus Holz her. Solche Zäune gab es nicht im Baumarkt, sondern sie wurden auf dem bäuerlichen Hof selbst gefertigt. In manchen Gegenden im Alpenraum, insbesondere aber in Bauernhofmuseen kann man noch die eine oder andere "alte" Zaunform bewundern.
Es ist erstaunlich, welch unterschiedliche Formen (z.B. Steckzäune, Flechtzäune) in welchen Variationen früher in Gebrauch waren.