Das Brauchtum im Alpenraum hat oft sehr alte Wurzeln, die häufig aber mehr vermutet als nachgewiesen werden können. Teilweise haben sich hier auch Bräuche erhalten, die vormals über den Alpenraum hinausgingen. Nachstehend sollen einige solcher Bräuche kurz vorgestellt werden, die (bzw. deren Reste) man in den Bergen durchaus noch auffinden kann. Dabei wird weder ein Anspruch auf Vollständigkeit (wird demnächst noch weiter vervollständigt) noch auf Wissenschaftlichkeit in der Darstellung erhoben.
Abwehrz
eichen
Schon seit Urzeiten versucht der Mensch durch Handlungen und Symbole Glück auf sich zu ziehen und/oder Unheil von sich oder seiner Behausung abzuwenden. Beispiele hierfür sind etwa Abwehrhände, die in Türen geritzt wurden. Als altes Schutzmittel gegen Unwetter und Blitzschlag gelten beispielsweise die am Gründonnerstag gelegten und geweihten Antlaßeier. Auch das Wetterläuten und Wetterschießen ist ein solcher Abwehrbrauch.
Klassische Abwehrzeichen sind das Pentagramm bzw. der Drudenhax, der K+M+B-Räuchersegen an der Tür oder ein IHS-Monogramm an der Hauswand. In alten Bauernhäusern oder Almen findet man manchmal noch Drudenhaxen an Balken oder Türen. Auch ein Schrattlgatter war früher als Schutz der Alm in der unbewirtschafteten Zeit durchaus verbreitet.
Amulette wurden gerne als persönliche Abwehrmittel verwendet, wobei sie aus unterschiedlichsten Materialien sein und die verschieden

sten Formen haben konnten. Ein Breverl etwa war ein kleines Stoffsäckchen, das an einer

Schnur auf der Brust getragen wurde. Meist war es mit allerlei kultischem Kleinzeug gefüllt (Münzen, Heiligenbildchen, zusammengefalteten Zetteln). Ein solches Breverl durfte nicht geöffnet werden, da es sonst seine Wirkung verlor.
Die Verwendung von heidnischen und christlichen Abwehrmitteln war nicht immer trennscharf, frei nach dem Motto doppelt hält besser. So konnte man durchaus eine Hauswurz auf dem Dach (gegen Blitzschlag), einen Drudenfuß an der Firstpfette, einen Herrgottswinkel in der Stube sowie einen heiligen Florian über der Haustür an ein und demselben Gebäude finden.
Adv
ent
Der Advent war ursprünglich eine christliche Fastenzeit, in der auch nicht getanzt wurde (Kathrein stellt den Tanz ein) Die Adventszeit geht auf das 7. Jahrhundert zurück und wurde 1570 auf vier Wochen begrenzt (Ausnahme orthodoxe Kirche mit sechswöchigem Advent). Es ist die kirchliche Vorbreitungszeit auf das Fest der Geburt Christi. Mit dem ersten Advent beginnt in den Kirchen (katholisch und evangelisch) das neue Kirchenjahr.
In die sogenannte stille Zeit fallen diverse Bräuche. So werden am Namenstag der heiligen Barbara, dem 4. Dezember, gerne Barbarazweige aufgestellt. Dabei werden Obstbaumzweige in der Nähe des Ofens in eine Vase gestellt, die dann möglichst am 24. Dezember aufblühen sollen. Das Aufblühen der Zweige gilt als Zeichen für Glück und Segen im kommenden Jahr.
Am 5./6. Dezember haben dann Nikolaus und Krampus ihren Auftritt (siehe unter Niko

laus und Krampus) und am 13. Dezember wird nicht nur in Schweden das Luciafest gefeiert. In manchen katholischen Gemeinden wird noch heute am Abend des Luciafestes eine Lichterprozession veranstaltet, bei der ein Mädchen im weißen Ge

wand und mit Lichterkrone die heilige Lucia darstellt.
Ein anderer Adventsbrauch ist etwa das Frauentragen, bei dem in der Dämmerung junge Menschen mit einem Bild der Gottesmutter von Hof zu Hof ziehen und das Bild jeweils über Nacht in einem Haus lassen. Davon unterscheidet sich die Herbergssuche, bei der als Maria und Josef verkleidete Jugendliche durch das Dorf ziehen und Gaben für die Armen erbitten. Beim Klöckeln wiederum handelt es sich um einen Heischebrauch, der an den Donnerstagen vor Weihnachten durchgeführt wird und der markante regionale Unterschiede (z.B. Salzburg, Kärnten, Tirol oder Sarntal in Südtirol) aufweist.
Weit verbreitet sind etwa der Adventskranz, der 1839 von einem evangelischen Theologen in Norddeutschland erfunden wurde sowie der Adventskalender für Kinder. Ein kirchlicher Brauch ist beispielsweise das Engelamt (Rorate), eine Frühmesse, die an Werktagen bis zum 16. Dezember gehalten wird. Typisch für den Advent sind auch Veranstaltungen mit Adventssingen, Christkindlmärkte sowie das Backen (Stollen und Plätzchen) für Weihnachten. Insbesondere in den größeren Städten wurde die stille Adventszeit vom Kommerz überrollt und idyllische Weihnachtsmärkte auf dem Lande werden heute nicht selten von ganzen Reisebusflotten angesteuert.
Almabtrieb

Während im Frühsommer der Zug der Tiere auf die Alm relativ unspektakulär (und meist im Morgengrauen) von statten geht, gestaltet sich die Heimkehr von der Alm im Herbst als ein Ereignis. War der Sommer auf der Alm frei von Todesfällen bei Mensch und Tier, dann ziehen die Rinder meist prächtig geschmückt und mit besonderen Glocken in Richtung heimischen Hof. Ist während des Almsommers ein Tier verendet oder ist am heimischen Hof der Bauer oder die Bäuerin verstorben, dann werden die Tiere ungeschmückt abgetrieben. Im ersteren Fall ist der ungeschmückte Abtrieb für die Sennerin natürlich eine Schande.
Im Allgäu etwa wird der Abtrieb von der Alpe Viehscheid genannt, denn hier betreuen die Sennen Tiere von mehreren Bauern. Klar, dass diese am Ende des Almsommers im Tal wieder auseinandersortiert werden müssen.
Auf den Almen werden aber nicht nur Rinder gesömmert, sondern teilweise auch Pferde und Schweine und insbesondere auf höher gelegenen Almen auch Schafe.
Ob auf dem heimischen Bauernhof oder auf dem Viehscheidplatz im Tal, die glückliche Heimkehr von der Sommerweide ist für alle Beteiligten ein Grund zum feiern.
Aperschnalzen

In Teilen des Salzburger Landes sowie im benachbarten bayerischen Rupertiwinkel hat sich bis heute der Brauch des Aperschnalzens (aper = schneefrei) erhalten. Es handelt sich dabei um einen Lärmbrauch zum Austreiben der Wintergeister bzw. des Aufweckens der Wachstumsgeister, der traditionell zwischen Dreikönigstag und Faschingsdienstag ausgeübt wird. Geschnalzt wird mit Peitschen (Goaßln) und zwar in Gruppen (Passen). Das Schnalzen erfolgt in einer festgelegten Ordnung und einem bestimmten Rhythmus. Geschnalzt wird aber auch in anderen Gebirgsgegenden, zu anderen Jahreszeiten und unterschiedlichen Anlässen.

Beinhäuser (auch Ossarium, Karner, Gerner, Beinkammer, Seelenkerker etc. genannt) sind seit dem 12. Jahrhundert in Europa nachweisbar. Es handelt sich dabei um überdachte Räume, in denen sich die Gebeine von Toten befinden. Diese Sammelstellen für Gebeine aus Friedhöfen wurden angelegt aus Platzgründen (wenn Grabfelder neu belegt wurden), aber auch aus religiösen Gründen (z.B: als beständiges Memento mori für die Lebenden). Reformation, Aufklärung und hygienische Vorschriften haben im 19. und 20. Jahrhundert vielfach zur Auflassung dieser Beinkammern geführt.
Hauptsächlich im 19. Jahrhundert war es überwiegend im östlichen Alpenraum verbreitet, die Totenschädel zu bemalen (z.B. mit Initialien, Kreuzen, Kränzen, Schlangen etc.). Das bedeutendste (und noch zugängliche) Beinhaus im Alpenraum dürfte sich in Hallstatt (Salzkammergut) befinden. Dort liegen 1.200 Schädel, davon 610 bemalt. Der jüngste Schädel stammt hier von einer 1983 verstorbenen Frau, deren Wunsch es war, ins Beinhaus gelegt zu werden. Wer in Hallstatt ebenfalls den Wunsch hat, im Beinhaus zu landen, muss dies testamentarisch festlegen und nach dem Ableben noch 10 Jahre Grabesruhe abwarten.
Was den Rheinländern ihr Karneval und den Alemannen ihre Fasnacht, ist im deutschsprachigen Alpenraum meist der Fasching. Speziell in Tirol haben sich sehr charakteristische Faschingsbräuche bzw. umzüge erhalten, die sich in der Regel auf die jeweils letzten Faschingstage konzentrieren. Erwähnt sei etwa der Imster Schemenlauf, die Schleicher in Telfs oder die Scheller in Nassereith, um nur einige zu nennen. Diese Umzüge finden in den jeweiligen Orten allerdings nicht jährlich, sondern oft im Abstand von mehreren (3-4) Jahren statt. Es handelt sich dabei nicht um einen planlosen Straßenfasching, sondern um genau festgelegte Umzüge. Es treten bestimmte Figurengruppen (z.B. Hexen, Scheller, Schleicher, Roller) in vorgegebenen Abfolgen auf, die sich von Ort zu Ort unterscheiden. Auffallend sind die teils prächtigen Kostüme und vor allem die kunstvoll geschnitzten Masken.
In Bad Aussee (Steiermark) kann man hingegen u.a. die Flinserl als sehr markante Faschingsgestalten bewundern.
Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle regionalen Ausprägungen und mögliche historische Bezüge aufzulisten. Für alle aber gilt: am Aschermittwoch ist wieder mal alles vorbei.

Felszeichnungen finden sich in den verschiedensten Teilen der Welt (z.B. Australien, Sahara, Südafrika, Indus, Nordamerika) und auch in den Alpen. Fündig wird man hier nicht selten in Höhlen sowie in der Nähe von alten Übergängen und Almen. Das Alter der eingeritzten Bilder und Symbole ist oft schwer einzuschätzen. Einige mögen viele hunderte Jahre alt sein, andere mal gerade 100 Jahre auf dem Buckel haben. Spannend ist es allemal, sich auf die Suche nach solchen Zeichnungen zu machen. Sie sollten aber keinesfalls unsachgemäß gesäubert oder verbessert werden.
Freinacht / Walpurgisnacht

In dieser Nacht auf den 1. Mai werden teilweise die Maibäume aufgestellt oder bevorzugt gestohlen (siehe unter Maibaum). Oft wird diese Nacht auch als Frei- oder Dugnacht bezeichnet. Junge ledige Burschen verschleppen dabei alles, was um Haus und Hof unordentlich herumliegt und deponieren es beispielsweise auf dem Hausdach oder auf dem Dorfplatz. Die Grenze vom spaßigen Brauch zur Sachbeschädigung und Vandalismus wird heute manchmal deutlich überschritten. Der Ursprung des Brauches liegt vermutlich einerseits darin, dass es im bäuerlichen Umfeld als negativ angesehen wurde, wenn an einem Feiertag das Hausumfeld nicht aufgeräumt war. Andererseits wird auch vermutet, dass die Ursprünge der Freinacht mit dem alten Militärdiensttermin zu tun haben. Traditionell mussten die jungen Männer am 1. Mai ihren Wehrdienst in der Kaserne antreten und nutzten daher die letzte freie Nacht für allerlei Streiche und Späße.
Die Nacht auf den 1. Mai und war früher wohl auch die Zeit heidnischer Frühjahrsfeiern. Später wurde sie zu einer vom Teufel geführten Hexen- und Druidennacht umgedeutet und wird häufig auch als Walpurgisnacht bezeichnet. Der Name stammt von der Heiligen Walburga.
Glockenturm am Bauernhaus

Die Glockentürmchen auf den Dächern von Bauernhäusern sind ein beliebes Fotomotiv im Alpenraum. Heute sind sie meist nur noch Zierde, haben ihre Bedeutung für den bäuerlichen Alltag verloren. Allenfalls weckt man mit ihnen noch die Hausgäste, wenn diese nicht zum Frühstück erscheinen. Früher hatten diese Glocken die Funktion eines Signainstruments. Die Bäuerin konnte damit beispielsweise den auf dem Feld arbeitenden Hausangehörigen mitteilen, dass das Essen fertig ist oder sonstige Sinale geben.
Daneben werden dem Klang von Glocken seit Alters her Zauberkräfte zugeschrieben, die böse Geister, Hexen, Krankheit und Unwetter von Haus und Hof abhalten können (siehe auch unter "Wetterläuten").
Die Glockentürme, die über unterschiedlichste Konstruktionen und Formen verfügen konnten, befanden sich immer auf dem Dach des Haupt- bzw. Wohnhauses des bäuerlichen Anwesens.

Traditionell in der letzten Rauhnacht (5. Januar) sind in zahlreichen Orten des Salzkammerguts die Glöckler unterwegs. Es handelt sich dabei um Gruppen von Männern, die weiß gekleidet sind, Glocken am Gürtel haben und auf dem Kopf erstaunliche Kappen tragen. Diese bis zu zwei Meter hohen Kappen sind von innen beleuchtet und haben ganz unterschiedliche Formen (z.B. Sonne, Mond).
Der Klang der Glocken und der stampfende Tanz der Glöckler, bei dem sie Kreise, Schleifen, Achter und Spiralen ziehen, soll nach dem Volksglauben das unter der Schneedecke ruhende Wachstum (z.B. von Getreide) erwecken und die Wintergeister vertreiben. Kein Wunder, dass jeder Bauer sich freut, wenn die Glöckler auch vor seiner Türe erscheinen.
Lichtmess galt in der katholischen Liturgie bis zum zweiten Vatikanischen Konzil als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute werden in diversen katholischen Kirchen und Häusern erst am 2. Februar die Christbäume und Krippen entfernt. Diese Zeit von 40 Tagen leitet sich aus jüdisch-biblischen Vorstellung ab, nach denen eine Frau nach der Geburt eines Kindes einige Zeit als unrein galt (Knaben 40 Tage, Mädchen 80 Tage). Ursprünglich wurde Lichtmess am 14. Februar gefeiert, d.h. 40 Tage nach dem 6. Januar. Nachdem das Geburtsfest Christi aber überwiegend auf den 25. Dezember verlegt wurde, wanderte Lichtmess auf den 2. Februar. Das alte Datum, der 14. Februar wurde zum Valentinstag.
An 2. Februar werden nicht nur in den Kirchen die Kerzen geweiht und der Blasiussegen erteilt, der Lichtmesstag ist auch traditionell der Beginn des Bauernjahres und Ende des Dienstbotenjahres. Ab diesem Zeitpunkt wird die landwirtschaftliche Arbeit wieder aufgenommen und die Mägde und Knechte bekamen des Rest ihres Jahreslohnes ausbezahlt (Geld, Kleidung). Diese war auch der Zeitpunkt, an dem die Dienstverhältnisse der Dienstboten um ein weiteres Jahr verlängert oder beendet wurden. Kein Wunder, dass am Schlankltag gerne gefeiert wurde und dass Lichtmess in Bayern bis 1912 ein gesetzlicher Feiertag war.
M
aibaum
Das Aufstellen eines geschmückten Baumes bzw. Baumstammes um den 1. Mai ist insbesondere in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich verbreitet. Meist wird der Baum auf dem Dorf- bzw. Stadtplatz aufgestellt, wobei verschiedene Typen von Maibäumen unterschieden werden können und es regionale Unterschiede beim Datum des Aufstellens des Baumes (z.B. in der Nacht zum 1. Mai, am 1. Mai) gibt.

In der Regel sind die Stämme der Bäume geschält und am oberen Ende häufig mit einem Kranz geschmückt. Teilweise sind die Stämme bemalt und mit Figuren bzw. Symbolen (z.B. verschiedene Berufe) versehen. Andere Bäume weisen einen Stamm im Naturzustand auf und werden beklettert. Hierzu hängen am Kranz kleine Preise, die demjenigen winken, der sie herunterholt. Während die letzteren meist nach einigen Wochen oder Monaten wieder umgelegt werden, bleiben die bemalten Stämme oft mehrere Jahre stehen.
Das Aufstellen der Maibäume geschieht traditionell mit Stangen, erfolgt heute aber auch teilweise mit technischer Hilfe (Traktoren, Kran, Feuerwehr etc.).
Eine wichtige Rolle spielt hierbei oft der Brauch des Maibaumstehlens, der strengen traditionellen Regeln unterliegt und (zumindest in Bayern) strafrechtlich nicht verfolgt wird. Gestohlen werden darf nur ein bereits geschlagener und sich bereits im Ort befindlicher Baum, solange er noch nicht aufgestellt ist. Ohne hier auf (teils regionale) Details einzugehen, muss ein gestohlener Baum traditionell von den erfolgreichen Dieben wieder ausgelöst werden. Die Auslöse ist in Naturalien (meist Bier und Essen) zu entrichten.
Der Maibaum ist in seiner heutigen Form seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Ob seine Ursprünge ein germanisches Fruchtbarkeitsstangerl, ein heidnischer Riesen-Phallus oder sonst was sind, sei hier dahingestellt.
Marterl

Marterl sind kleine Denkmäler, die meist an einen Toten erinnern, der durch ein Unglück oder durch Gewalt verstarb. Die Marterl stehen in der Regel an dem Ort des Unglücks und sollen die Erinnerung an das Ereignis wach halten und zum Gebet (i.d.R. für den Verstorbenen) auffordern. Die insbesondere in Österreich und Bayern verbreiteten Marterl haben ihren Namen entweder von der hl. Martha (Schwester des Lazarus), die ursprünglich die "Marterl" zierte, oder (nach anderer Auffassung) von dem Wort Marter (lat. martyros), insbesondere wenn gemarterte Heilige dargestellt werden.
Von den Marterln zu unterscheiden sind Bildstöcke, Feld- bzw. Wegkreuze, Pestsäulen, Votivbilder etc. die im Volksmund aber auch oft "Marterl" genannt werden.
Nikolaus und Krampus

Nikolaus und Krampus spielen im Winterhalbjahr im Alpenraum eine markante Rolle. Die Gestalt des Nikolaus geht auf einen Bischof von Myra (Kleinasien, heute Türkei) zurück, der dort in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wirkte und dessen Gebeine im 11. Jahrhundert nach Bari (Italien) verbracht wurden. Um diesen populären christlichen Heiligen ranken sich zahlreiche Legenden und er gilt u.a. als Schutzpatron der Seefahrer, reisenden Händler u.v.m. Seine Funktion als Überbringer von Geschenken fußt vermutlich auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts von ihm beschenkt wurden.
In vielen Ländern erscheint der Nikolaus mit einem oder mehreren Begleitern (z.B. Knecht Ruprecht, Père Fouettard, Krampus). Speziell im Alpenraum und hier insbesondere im Berchtesgadener Land und in Osttirol fallen diese Begleiter besonders zahlreich und wild aus. Aber etwa auch das Klausentreiben im Allgäu wirkt alles andere als fromm. Ob es sich bei den wilde

n Begleitern des Nikolaus um Reste eines heidnisch-germanischen Lärmb

rauches handelt, sei dahingestellt. Sicher ist nur, dass der Krampusbrauch in Österreich in der Zeit der Inquisition (bei Todesstrafe) verboten wurde, jedoch in entlegeneren Gegenden damit nicht auszurotten war.
Üblicherweise treten Nikolaus und Krampus am 5./6. Dezember auf, teilweise jedoch auch am 1. und 2. Adventssonntag und in Maria Gern (bei Berchtesgaden) sogar erst am 24. Dezember. Traditionell sind die Krampusse mit Fell bekleidet (in Berchtesgaden auch mit Stroh), verursachen mit ihren Glocken einen Höllenspektakel und schlagen mit ihren Ruten auch mal kräftig zu. In manchen Regionen vermischt sich die Gestalt des Krampusses mit dem Perchtenbrauchtum.
Auffallend ist, dass in den letzten Jahren das Krampuslaufen einen regelrechten Boom erfährt und die getragenen Masken oft eher an Horrorfilme aus Hollywood erinnern als an alpenländische Traditionen.
Palmesel und Palmbuschen

Am Palmsonntag (Sonntag vor dem Ostersonntag) wird in der kirchlichen Tradition der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. Der Überlieferung nach ritt Jesus dabei auf einem Esel und das Volk hat ihm mit Palmzweigen zugejubelt. Im Gedenken an dieses Ereignis werden seit Jahrhunderten entsprechende Prozessionen veranstaltet. Der ursprünglich echte (und manchmal störrische) Esel nebst reitendem Dorfpfarrer wurde iim Laufe der Zeit durch einen hölzernen Esel nebst Christusfigur ersetzt. Zur Zeit der Aufklärung wurden diese Palmesel-Umzüge aber immer mehr zurückgedrängt und sind heute kaum mehr zu finden (z.B. noch in Thaur/Tirol). Umzüge mit Palmbuschen sind im Alpenraum aber noch weit verbreitet. Da im Alpenraum kaum Palmen wachsen, verwendet(e) man stattdessen Palmkätzchen (Weidenkätzchen), aus denen je nach Region unterschiedliche Buschen mit verschiedensten Verzierungen gefertigt werden. Auch Zweige vom Buchsbaum, Zeder u.a. fehlen dabei meist nicht. Nach der kirchlichen Weihe werden die Palmbuschen hinter das Kruzifix im Herrgottswinkel, auf die Felder und teilweise auch auf die Gräber am Friedhof gesteckt.
Dasjenige Familienmitglied, das am Palmsonntag als letztes aus dem Bett kommt, wird häufig als Palmesel bezeichnet.
Perchten

Die Zeit der Perchten liegt vor allem in den Rauhnächten zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag. Der Name Percht leitet sich vermutlich von Perchta ab, einer Sagengestalt mit zwei Gesichtern (einem schönen weiblichen und einem bösen dämonischen). Auch Parallelen zur Frau Holle werden häufig gezogen. Grundsätzlich kann man zwischen Schönperchten und Schiachperchten unterscheiden.
Bei den Schiachperchten treten teilweise Überschneidungen mit dem Krampusbrauch (um den 5. Dezember) auf. Zu den Schiachperchten zählen Teufelsgestalten und Hexen. Eine Sonderform stellen etwa die Schnabelperchten in Rauris, Wörth und Bad Gastein dar.

Bei den Schönperchten stechen insbesondere die Tafelperchten in Auge. Eine Sondereform stellen etwa die Tresterer dar, die in Zell am See, Stuhlfelden und Unken anzutreffen sind.
Im Pongau gibt es große Perchtenumzüge, bei denen neben den Schön- und Schiachperchten auch diverse andere Gestalten (z.B. Werchmanndl, Jäger und Wilderer, Zigeuner, Habergoaß, Bären mit Treiber, Schneider, Goaslschnalzer, Herodes, Heilige drei Könige) mit von der Partie sind.
Grundsätzlich kann auch zwischen nächtlichen Lärmumzügen von Schiachperchten und Umzügen von Perchten am Tage (mit Schönperchten) unterschieden werden.
Ähnlich wie das Krampuslaufen waren auch die Perchten nicht selten von Verboten bedroht (z.B. Verbot des Perchtenlaufens von 1730 der Salzburger Erzbischöfe). Ob der Brauch des Perchtenlaufens tatsächlich aus vorchristlicher Zeit stammt, ist ungewiss. Um das Jahr 1000 zumindest wird die Perchtnacht erstmals im Mondseer Glossar erwähnt.

Im Land Salzburg kann man im Lungau und im Pongau im Juni/Juli in einigen Orten gewaltige Prangstangen bewundern. Es handelt sich dabei um 6 bis 8 Meter hohe verzierte Holzstangen, die von männlichen Junggesellen in einer Prozession durch den Ort und anschließend in die Kirche getragen werden. Dieser Brauch geht angeblich auf ein Gelübde aus dem 17. Jahrhundert zurück, das nach einer Maikäfer- und Heuschreckenplage abgelegt wurde. Es ist aber auch möglich, dass die Ursprünge dieses Stangenbrauches noch viel weiter zurückreichen.
Im Lungau (z.B. Zederhaus am 24. Juni, Muhr am 29. Juni) sind die Stangen mit echten Blumen (bis zu 50.000 Stück pro Stange) verziert, was zu einem Stangengewicht von ca. 80 kg führt. In den Kirchen bleiben die Stangen bis zum 15. August (Maria Himmelfahrt), an dem die (mittlerweile verdorrten) Blumen in der Kräuterweihe geweiht und später in den Rauhnächten zum Räuchern verwendet werden.
Im Pongau (z.B. Mühlbach am Hochkönig, Bischofshofen, Werfenweng) sind die Stangen dagegen mit Wolle verziert und die Spitzen nach unten gebogen.
Riesen

Im Lungau im Land Salzburg kann man zwischen Fronleichnam und dem 15. August in einigen Orten (z.B. Mauterndorf, Mariapfarr, St. Michael, Muhr) dem Riesen Samson begegnen. Es handelt sich dabei um 5-6 m hohe und ca. 80 kg schwere Figuren, die zu verschiedenen Festtagen im Ort herumschreiten und auch tanzen. Begleitet werden die Riesen von jeweils zwei Zwergen. Dem Aussehen nach handelt es sich beim Samson um einen Krieger (Helm, Lanze, Säbel), der aber auch noch einen Eselskinnbacken (Verweis auf den biblischen Samson) in der Hand hält. Ihren Ursprung hat die Riesenfigur vermutlich in den früheren prunkvollen Fronleichnamsumzügen, die im Zuge der Aufklärung verboten wurden. Aber irgendwie hat der Riese außerhalb der kirchlichen Prozessionen überlebt. Bei manchen Anlässen treten die Riesenfiguren der einzelnen Orte auch gemeinsam auf.
Die Rauhnächte basieren auf einem alten Natur- bzw. Dämonenglauben um die Zeit der Wintersonnenwende. Die Zahl der Rauhnächte ist zwar regional zum Teil unterschiedlich, doch handelt es sich überwiegend um die Nächte vom
21. auf den 22. Dezember (Thomasnacht)
24. auf den 25. Dezember (Heilige Nacht)
31. 12. auf den 1.1. (Neujahrsnacht) und
5. auf den 6. Januar (Dreikönigs- oder Perchtnacht).
In diesen Nächten tobt nach alten Vorstellung die Wilde Jagd durch die Lüfte, treiben Teufel, Hexen, Druden und Kobolde ihr Unwesen und reden die Tiere. Eine Reihe von Los- und Orakelbräuchen sind mit diesen Nächten verbunden (z.B. Schuhwerfen in der Thomasnacht, Bleigießen in der Neujahrsnacht). Um Unheil von Haus und Hof abzuhalten wird am Abend geräuchert und gebetet, keine Wäsche gewaschen, Maulgaben an das Vieh verteilt u.v.m.
Von Sonnenwende spricht man, wenn die Sonne im Laufe eines Sonnenjahres die größte nördliche oder südliche Deklination erreicht. Dies tritt zwei mal pro Jahr ein, bei der Sommer- und der Wintersonnewende.
Bei der Wintersonnenwende (am 21. oder 22. Dezember) herrscht der kürzeste Tag und die längste Nacht, bei der Sommersonnenwende (21. Juni) dagegen der längste Tag und die kürzeste Nacht.
Mit diesen beiden Sonnenwenden pro Jahr verbinden sich in den verschiedenen Ländern die unterschiedlichsten Bräuche. Auch historisch war die Sonnenwende oft von großer Bedeutung. So feierten die Germanen um die Wintersonnenwende das Julfest und auch das Weihnachtsfest liegt nicht zufällig kurz nach der Wintersonnenwende, der Ankunft des göttlichen Lichts (Christi Geburt).

Die Sommersonnenwende (21. Juni) wird seit der Christianisierung häufig erst am 24. Juni, dem Tag Johannes des Täufers gefeiert. Die entsprechenden Sonnwendfeuer heißen dann Johannifeuer. Die Sonnendfeuer wurden noch im Mittelalter hauptsächlich im Tal und in den Dörfern und Städten abgebrannt. Erst im Laufe der Zeit wanderten die Feuer auf die Anhöhen als Bergfeuer. Im allgemeinen war und ist es Brauch einen Holzstoß zu errichten, ihn bei Einbruch der Dunkelheit zu entzünden, um ihn herum zu tanzen, zu singen und auch paarweise über das Feuer zu springen. Im manchen Gegenden gilt der gemeinsame Feuersprung noch heute quasi als Heiratsantrag. Es gibt aber auch regional abweichende Bräuche, bei denen Strohpuppen verbrannt, brennende Räder über Berghänge gerollt oder Funkenscheiben geschlagen werden.
Auch heute leuchten zur Sommersonnenwende in den Bergen zahlreiche Feuer, die meist von Vereinen oder dörflichen Gemeinschaften organisiert werden.

Der Brauch, Totenbretter aufzustellen, war früher im ganzen bayerischen und alemannischen Raum verbreitet und reichte von Böhmen über die Oberpfalz bis Südtirol. Heute findet man Reste vor allem noch im Bayerischen Wald, in der Oberpfalz sowie im Chiemgau und Rupertiwinkel.
Vor der Einführung der Bestattung in Särgen (in Bayern etwa im 17./18. Jahrhundert) wurden die Verstorbenen in der Wohnstube auf einem Brett aufgebahrt und auf diesem auch zur Kirche und zu Grabe getragen. Teilweise wurden diese Bretter mit vergrabe

n, teilweise verbrannt oder für weitere Todesfälle aufbewahrt. In einigen Gebieten entst

and jedoch der Brauch, das Brett als Totenbrett aufzustellen. Anfangs wurden die Bretter nur mit drei Kreuzen versehen und am Wegesrand aufgestellt. Der Volksglauben war der Meinung, dass die Seele des Toten erst Erlösung findet, wenn sein Totenbrett verfallen war. Die alten Totenbretter wurden aus Weichholz gefertigt und der Witterung ausgesetzt, damit der Verfall rasch einritt und die Zeit des Verstorbenen im Fegefeuer möglicht kurz ist. Teilweise wurden die Totenbretter auch als Trittplanken oder Stege verwendet. Wer auf ein solches Brett mit Füßen trat, musste für den Verstorbenen ein Vaterunser beten.
Ab dem 19. Jahrhundert wurden die Totenbretter ausführlicher gestaltet (z.B. mit Texten, Gedichten, Malereien) und als Gedenkbretter dauerhafter gestaltet und aufgestellt. Der Brauch des Aufstellens von Totenbrettern hielt sich in einigen Gegenden noch bis etwa 1950. Heute noch auffindbare Bretter sind nicht selten Kopien von Originalen oder rustikal-makabere Neuschöpfungen.
Votivgaben

Votivgaben findet man in Kirchen oder Kapellen und zwar vorzugsweise an Wallfahrtsorten. Es handelt sich dabei um Gegenstände, die der Geber im Rahmen eines Gelübdes (ex voto) dort deponiert, sei es als Bitte (z.B. Kinderwunsch, Heilung von Mensch und Tier) oder als Dank für die Rettung aus einer Notlage (z.B. Seuchen, Krieg, Unfall). Der Votivbrauch ist seit grauer Vorzeit bekannt und wurde vom Christentum übernommen. Die Art der Objekte ist sehr vielseitig, z.B. gemalte Votivbilder, Kerzen, Gegenstände aus Eisen (z.B. Tiere), Silber, Wachs oder Ton. Teilweise wurden auch Gegenstände, die mit einem bestimmten Ereignis in Zusammenhang stehen (z.B. gebrauchte Krücken) oder wertvolle Gaben (Halsketten, Armbänder) hinterlegt.
Seinen Höhepunkt erreichte das Votivbrauchtum in der Barockzeit. Die Votivgaben werden meist einem Heiligen gewidmet und sind auch unter dem Gesichtspunkt der "Volkskunst" oder "Kleidungsforschung machmal sehr interessant. Gerade Wallfahrtskirchen im Alpenraum sind in Sachen Votivgaben oftmals eine wahre Fundgrube, teilweise wegen Diebstahlsgefahr aber nicht immer frei zugänglich.
Weihnachtsschützen

Wenn anderswo die stille Nacht gefeiert wird, krachen im Berchtesgadener Land die Böller der Weihnachtsschützen. Urkundlich wurde der Weihnachtsschützenbrauch erstmals 1708 erwähnt. Das Schießen mit den Böllern hat keinerlei militärische Funktionen, sondern dient ausschließlich der Lärmentwicklung. Kein Wunder, dass die Wurzeln dieses Brauchtums von einigen in germanischen Lärmkulten vermutet werden. Wie dem auch sei, heute beschränken sich die Weihnachtsschützen nicht mehr nur auf die Weihnachtszeit, sondern lassen auch bei anderen Anlässen selten eine Gelegenheit aus, es krachen zu lassen.
Das Wetterläuten (auch Sturmläuten genannt) diente dem Volksglauben nach dazu, Unwetter (Gewitter, Hagel) vom Dorf ernzuhalten bzw. zu vertreiben. In früheren Zeiten war man der Überzeugung, dass insbesondere plötzlich auftretende Unwetter von Hexen oder anderen Schwarzkünstlern gemacht wurden. Dagegen half nur das Wetteläuten, in machen Gegenden auch das Wetterschießen (z.B. Steiermark). Aufgabe des jeweiligen Pfarrers bzw. Meßners war es, herannahende Wetter frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig dagegen anzuläuten. Ergänzend wurde gebetet, schwarze Wetterkerzen entzündet und/oder Palmkätzchen bzw. von der österlichen Feuerweihe stammende Kohlen bzw. Holzstücke verbrannt. Das Ansehen eines Pfarrers hing vor Ort auch davon ab, wie "wetterfest" er war und auch nicht jeder Glocke wurde die gleiche Kraft, Wetter zu vertreiben, zugeschrieben. So galten beispielsweise die Franziskaner und Kapuziner als besonders "wettertauglich" und etwa die Wetterglocken von Brixen im Thale oder von Oetz als besonders wirksam. Die Volksseele kochte in Bayern und Tirol, als um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert das Wetterläuten obrigkeitlich verboten wurde. Kirchtürme wurden gestürmt und Meßner zum Läuten gezwungen. Ärger gab es auch, wenn ein Dorf der Überzeugung war, dass ein Nachbardorf ein Unwetter zu ihnen herübergeläutet hätte.
Wetterläuten ist in vielen Gegenden auch heute noch üblich, wenn auch nur mehr zur Warnung und nicht wegen den Hexen und so.