
Slackliner sind eine Art (Hoch)seilartisten und Slacklining bezeichnet nichts anderes als das Balancieren auf einem mehr oder weniger gespannten Seil oder Band. Diese in Europa noch relativ junge Sportart kann zwar nicht mehr bis zu ihren Wurzeln zurückverfolgt werden. Es gibt jedoch Zeugnisse von Artisten die bereits im Mittelalter auf gespannten Seilen Kunststücke in Bodennähe oder großer Höhe vollbrachten.
Damals wie heute zieht die Vorstellung auf einem schmalen Band oder Seil zu stehen oder gehen die Betrachter in ihren Bann. Der größte Unterschied zum klassischen Seiltanzen ist die Spannung einer Slackline – sie ist so gering, dass sich das Band leicht zur Seite schaukeln lässt. Dadurch werden sehr hohe Anforderungen an die koordinativen Fähigkeiten gestellt, was bereits vor einigen Jahren Skirennläufer für sich als Training entdeckt hatten und jetzt auch in der Physiotherapie und Unfallreha Anwendung findet.
Die modernen Wurzel in den USA
Ende der 70er Jahre tauchte Slacklining im Yosemite Valley erstmals als Sportart auf. Der junge Scott Balcom greift die Idee des Balancierens auf Seilen auf und arbeitet wie kein anderer ständig an der Verbesserung seiner eigenen Fähigkeiten. Das Balancieren auf lose (engl. „slack“) gespannten Seilen und auch Ketten etablierte sich folglich schnell bei den damals im Camp IV ansässigen Kletterern. Das Zusammenspiel von Balance, Konzentration und Koordination stellte den idealen Ausgleich zur tagelangen Schinderei beim Bigwallklettern dar. Mit der Weiterentwicklung des Bergsportmaterials mitte der 80er und dem Aufkommen der ersten Schlauchbänder entwickelte sich auch das Slacklining weiter. Plötzlich war es möglich ein Band in großer Höhe zu spannen und daran gesichert auch darauf zu laufen – diese Idee gipfelt in der Erstbegehung der Lost Arrow Spire Highline (eine Slackline zwischen einer Felswand und eine vorgelagerten Felsnadel in mehreren hundert Metern Höhe) am 15. Juli 1985 durch Scott Balcom.
Europa erwacht

Yosemite - immer wieder besuchen europäische Kletterer das sagenumwobene Mekka des Bigwallkletterns und kommen dabei auch mit dem ständig präsenten Slacklining in Kontakt. Aber erst Ende der 90er Jahre wird durch den Fotograf und Kletterer Heinz Zak das Slacklining in Europa populär. Fotoaufnahmen von Dean Potter bei der Begehung Lost Arrow Spire Highline (eine Slackline zwischen einer Felswand und eine vorgelagerten Felsnadel in mehreren hundert Metern Höhe) sowie die Entwicklung des ersten kommerziell erhältlichen Slacklinesets in Zusammenarbeit mit der Firma Mountain Equipment bringen das Slacklinefieber endgültig zu uns. In den folgenden Jahren wächst die Gemeinde der Slackliner über den Kreis der Kletterer hinaus und 2007 fand bereits das 2. Internationale Mountain Equipment Slackline Event in Scharnitz statt – natürlich von Heinz Zak organisiert.
Einstieg – auch in der JDAV

Der Einstieg ins Slacklining ist mittlerweile in den meisten Städten sehr einfach geworden. Wer diese spannende Bewegungsform selbst ausprobieren möchte wird sicher in vielen Parks oder Grünanlagen auf Slackliner treffen. Zumeist ist es dort gern gesehen wenn man als Anfänger einmal probieren möchte. So bekommt man Tipps von Könnern gleich mitgeliefert, kann verschiedenes Material ausprobieren bis man schließlich selbst investiert. Auch viele Sektionen des Alpenvereins bieten mittlerweile Kurse oder Schnupperveranstaltungen an, und in den Jugendgruppen wird selbstverständlich auch „geslackt“. Um dem steigenden Interesse am Thema Slackline gerecht zu werden hat die JDAV für ihre JugendleiterInnen im Frühjar 2008 eine Multimedia-CD mit dem Titel „Zum Thema: Slackline“ herausgebracht. Den Jugendleitern werden darin viel wichtige Inhalte zur Sicherheit, zum Lernen und zum Umgang mit der Gruppe beim Slacklining näher gebracht.
Tricks und Träume

Wer mit dem Aufbau einer Slackline und den ersten Schritten vertraut ist kann sich schnell an die ersten Tricks wagen. Vom Rückwärtsgehen, halben Drehungen oder blind Gehen ist es nicht mehr weit zu den ersten Sprüngen. Dabei solltet immer auf die Sicherheit geachtet werden – die Line sollte dabei über ebenes und nicht zu hartes Gelände und nicht über Schritthöhe gespannt werden. Mit Hilfe eine Crashpads und eines Partners kann es dann sofort los gehen.
Eine weitere Steigerung bieten dann noch Highlines, also Slacklines die in luftiger Höhe über eine Schlucht führen oder zwischen Bäumen oder Gebäuden verlaufen. Der fehlende Bezugspunkt zum Boden macht das Halten des Gleichgewichts in diesem Fall besonders schwer. Zusammen mit der Angst vor einem Absturz, auch wenn dieser von einem Seil das man meist unter der Line mit anbringt aufgefangen wird, beginnt hier ein ganz neues Kapitel für nahezu jeden Slackliner. Für viele wird es auch lange ein Traum bleiben eine solche Line sturzfrei begehen zu können …
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