| Das Bergrad
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Das „Bergrad“ (neudeutsch: Mountainbike)

Schon der Name macht deutlich, dass dieser Typ von Fahrrad im Gebirge zu Hause ist. Auf Schotterpisten, Waldwegen oder Singletrails, bergauf und bergab. Mit ihrer speziellen Geometrie, den hochentwickelten Komponenten bis hin zur Vollfederung (Fullsuspension, oder liebevoll: „Fully“) spielen sie ihre Vorzüge dort optimal aus.
Doch was nützt das beste Bike, wenn das Wissen und die Fähigkeiten des Fahrers („Riders“) nicht zu ihm passen? Die folgenden Kapitel wollen Dir einen Einblick in die verschiedenen Bereiche und Facetten des Mountainbikens geben.
Wie alles begann… kleine MTB-Geschichte
Die ersten Mountainbikes (MTB) kamen Mitte der 80’er Jahre in den USA auf. Interessant: ursprünglich wurden diese nur bergab (Downhill) eingesetzt. Zwei bekannte Namen von diesen Urvätern des MTB sind: Garry Fisher und Thomas Ritchey
1981 Der Hersteller
Specialized bringt mit dem Modell Stumpjumper das erste in Großserie produzierte Mountainbike auf den Markt.
1982 Der japanische Komponentenhersteller
Shimano präsentiert unter dem Namen Deore die erste vollständige Mountainbike-Komponenten-Gruppe.
1990 Bei den Meisterschaften in Durango, Colorado wird der Amerikaner
Ned Overend erster offizieller Mountainbike- Weltmeister.
1999 Finden die ersten World Games of Mountainbiking statt. (Quelle:
www.wikipedia.de)
Für jeden was dabei… Mountainbike ist nicht gleich Mountainbike
Die vielfältigen Einsatzbereiche spiegeln sich in der Palette von unterschiedlichen Bike-Modellen wieder. Deine Vorlieben und Ambitionen entscheiden.
CROSS COUNTRY- / RACING-BIKES

Der Rennsemmel:
Hier zählt jedes Gramm! Maximaler Vortrieb bei minimalem Energieverlust: „echte Racer“ fahren Hardtails. Ein leichter Rahmen (z.B. aus Carbon) bildet die Basis für gewichtsoptimierte Anbauten: eine Race-Gabel mit max. 100mm Federweg und Lockout, high-end Schalt- und Antriebskomponenten, ein gerader, schmaler Lenker bei langem Vorbau und – besonders wichtig - leichte Laufräder. Gewichtsfetischisten schwören weiterhin auf eine V-Brake. Der Lenkwinkel ist steil: das Bike dadurch sehr wendig, bergab jedoch auch schnell nervös. Die Sitzposition ist sportlich gestreckt. Gewicht: <10 kg
MARATHON-BIKES
Der Breitensportler:
Vortrieb, Zuverlässigkeit und Komfort. Sportliche Touren und mehrstündige Ausdauerproben erfordern ein vollgefedertes Fahrwerk (ca. 100mm). Antriebsneutrale Hinterbauten mit ausgeklügelten Dämpfungssystemen für die richtige Mischung aus Komfort und effizientem Vortrieb, kombiniert mit haltbaren und leichten Schalt- und Antriebskomponenten. Leichte Laufräder und Scheibenbremsen sind hier üblich. Lange Abfahrten erfordern hier bereits eine standhafte Scheibenbremse (≥180mm Frontscheibe). Ein leicht gekröpfter Lenker und ein mittlerer Vorbau sorgen für eine sportliche, aber noch komfortable Sitzposition. Gewicht: 11-12 kg

ALL-MOUNTAIN-BIKES
Das „BergaufBergabTourenEnduroTransalpSpaßGerät“:
Ob regelmäßige Ausritte, technisch anspruchsvolle Trails, Bikeparkausflüge oder Alpenüberquerungen: kein Problem für diese „eierlegende Wollmilchsau“. Ein vollgefedertes Fahrwerk (≥120mm) mit Lockout / Plattform, kombiniert mit haltbaren (und leichten) Schalt- und Antriebskomponenten. Stabile Laufräder, breite Reifen und standhafte Scheibenbremsen sorgen auf langen Touren und knackigen Abfahrten für die nötige Sicherheit. Insgesamt kein Leichtgewicht, aber Dank absenkbarer Federgabel mit guten Klettereigenschaften versehen. Die Sitzposition ist entspannt und der Schwerpunkt leicht nach hinten verlagert. Gewicht: 12-14 kg
ENDURO-BIKE
Der Hobel:
Darf es ein bisschen gröber sein? Ob runter oder rauf, Hauptsache kniffelig. Ein stabiler Rahmen mit niedrigem Oberrohr, ein vollgefedertes Fahrwerk (≥150mm), stabile Komponenten und Laufräder, kombiniert mit standhaften Bremsen (≥200mm Front-/ ≥180mm Rearscheibe). Mit Übergewicht aber Dank absenkbarer Federgabel mit relativ guten Klettereigenschaften versehen. Flache Winkel und ein kurzes Oberrohr sorgen für eine aufrecht-kompakte, abfahrtsorientierte Sitzposition. Gewicht: 14-16 kg
FREERIDE-BIKE
Das
Bügeleisen:

Sprünge, extreme Downhillstrecken und das volle Bikeparkrepertoire. Ein stabiler (verstärkter) Rahmen mit massiven (Stahl-) Federelementen (≥160mm) sorgt für das nötige Grundgewicht um ruppige Abfahrten und gröbste Unebenheiten „platt zu bügeln“. Höchste Haltbarkeit und Stabilität werden von den Komponenten, Laufrädern, Reifen (>2,4 Zoll) und Bremsen gefordert. Ein breiter, gekröpfter Lenker, ein kurzer (Stummel-) Vorbau und flache Winkel verlagern den Körperschwerpunkt stark nach hinten. Ideal für steile Abfahrten. Gewicht: >16 kg
Vor der Tour - 7-Punkte-Check
Sicherheit geht vor! Außerdem ist für alle Beteiligten nichts nervtötender, als die Tour gleich mit einer Reparaturpause zu beginnen. Nimm Dir ausreichend Zeit für den 7-Punkte-Check!
- Bremsen

- Befinden sich die Bremsbeläge bei gezogener Bremse präzise auf den Felgenflanken?
(besonders gefährlich sind zu hoch stehende Bremsbeläge – Gefahr des Reifenplatzens!)
- Sind die Bremsbeläge unbeschädigt und noch stark (dick) genug?
- Sind die Bremsseile / Bremsleitungen beschädigt?
- Wo liegt der Druckpunkt deiner Bremse? Betätige dazu einige Male die Bremshebel.
(ideal: kurzes und „bissig“ Ansprechverhalten)
- Sind alle beweglichen Teile leichtgängig?
- Laufräder
- Sitzen die Schnellspanner fest genug ?
(Faustregel: nach 90° Einschlag sollte der Spanner auf Widerstand stoßen)
- Zeigen die Schnellspanner nach hinten?
(besonders gefährlich sind nach vorne stehende Schnellspanner – Gefahr des Öffnens!)
- Läuft die Felge ruhig? (ohne merkbaren Höhen- und Seitenschlag)
- Überprüfe das Lagerspiel der Naben durch seitliches Rütteln an den Laufrädern.
- Reifen
- Sind die Reifen (Lauffläche/Flanken) beschädigt?
(besonders gefährlich sind poröse oder rissige Flanken – Gefahr des Reifenplatzens!)
- Ist der Reifendruck hoch genug? (Allround-Luftdruck: 2,5 - 3,0bar)
- Lenker, Vorbau, Steuerlager
- Lenker/Vorbau: Vorderrad zwischen den Knien einklemmen und seitlich am Lenker rütteln
- Steuerlager: Vorderradbremse betätigen und das Bike dabei vor- und rückwärts bewegen. Dabei eine Hand an die obere Lagerschale legen, um evtl. vorhandenes Spiel zu spüren.
(Spiel möglichst Schnell beseitigen – Gefahr der Beschädigung des Rahmens!)
- Hörnchen/Anbauteile: Auf festen Sitz prüfen!
- Sattel
- Sitzt der Sattel fest auf der Sattelstütze und die Sattelstütze fest im Rahmen?
- Der Schnellspanner der Sattelstütze sollte fest, aber leichtgängig schließen
(grundsätzlich: Sattel in schwierigem Gelände absenken)
- Einstellung der Höhe: in leichtem Gelände Ferse auf das untere Pedal stellen; dabei sollte das Knie fast gestreckt sein und in einer senkrechten Linie mit dem Fußballen liegen.
- Schuh und Pedal
- Sind die Schuh- und Pedalplatten fest und möglichst sauber?
- Funktioniert der Auslösemechanismus der Klickpedalen einwandfrei?
- Helm
- Sitz der Helm ausreichend fest und gerade auf dem Kopf?
- Sitzt die Gabelung der Beriemung unterhalb der Ohrläppchen?
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Safety first… die Sicherheitsausrüstung
Basics:
- Kopf: Fahrradhelm
- Augen: Brille
- Hände: Handschuhe
- Erste-Hilfe-Päckchen
- Notruf: Handy
Additional:
- Protektoren (Knie-/Arm-/Rücken)
- gepolsterte Shorts / Trikot
Mit an Bord… das Werkzeug
Wähle Dein Werkzeug mit Köpfchen aus! Ein großes schwedisches Möbelhaus hat es vorgemacht. Ein einziger Inbusschlüssel reicht zwar nicht, aber nicht die Menge macht’s, sondern die Auswahl:
- Ersatzschlauch
- Reifenheber (2 Stk.)
- Pumpe (evtl. mit integriertem Reifenheber)
- Flickzeug
- Kabelbinder (> 5 Stk.)
- Klebeband (Isolier-/Musikertape)
- Multitool oder Kettennieter, Inbusschlüssel, Feinwerkzange, Speichenschlüssel
- Nietstifte / Ampullenstifte (…passend für Deine Kette)
- Schaltzug oder „Lüsterklemmen“
- Bremszug (...bei mechanischer Bremse)
- alter Socken, in dem Du das alles verstaust und Dir noch die Finger abputzen kannst.
Nach der Tour… ist vor der Tour
Mein Rad ist ein Gebrauchsgegenstand! – Richtig, und deshalb solltest Du ihm die Zuwendung und die nötige Pflege zukommen lassen. Eine Viertelstunde nach jeder Tour erspart Dir böse Überraschungen und schont den Geldbeutel.
Check nach der Tour:
- Reinigung
- gründliche Wäsche mit (warmem) Wasser und Bürste
(grundsätzlich: mit einem Hochdruckreiniger nicht auf die Lagerstellen zielen)
- Antrieb
- zähe Ölrückstände an den Antriebskomponenten mit Entfetter und Lappen entfernen
(Tipp: biologisch abbaubarer Entfetter aus dem Kfz-Zubehör)
- Kette trocknen lassen
- Federgabel / Dämpfer
- Laufflächen der Federelemente reinigen und mit (silikonfreiem) Sprühöl behandeln
- Gabel/Dämpfer einige Male ein- und ausfedern
- überschüssiges Öl abwischen (…das bindet sonst den neuen Dreck)
- Sattel / Sattelstütze
- Sattelstütze entfernen und die Stütze, sowie Sitzrohrinneres reinigen
- Verbindungen
- grundsätzlich einen Blick auf alle Schraubverbindungen werfen, ggf. nachziehen
- Last-but-not-least
- getrocknete Kette gleichmäßig und sparsam ölen (Kurbel dabei betätigen)
- überschüssiges Öl entfernen! (…das bindet sonst den Dreck auf Tour)
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Generelle Regelungen
- Ein freies Betretungsrecht der Natur ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Mountainbiken wird dabei mit Betreten gleichgesetzt, sofern es natur- und landschaftsverträglich ist.
- Offroad-Fahren ist generell verboten.
- Die Höchstgeschwindigkeit auf land- und forstwirtschaftlichen Starssen beträgt 30 km/h. Des Weiteren gilt STVO §3: „Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, dass dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden können, muss er jedoch so langsam fahren, das er innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke halten kann.“
- Wanderern muss als schwächeren Partnern auf gemeinsamen Wegen in jedem Fall der Vorrang eingeräumt werden.
- Mountainbiken erfolgt auf eigene Gefahr. Typische Gefahren (Äste, Steine etc.) sind also hinzunehmen.
- Verbotsschilder mit amtlichem Charakter („Durchfahrt verboten“, Holzfällung etc.) sind zu respektieren. Auf alleinigen Fußgängerwegen muss geschoben werden. Sperrungen von Privatgrund sind aus Gründen der Sozialkompetenz respektieren.
- Aktuelle Informationen gibt es (z.B.) unter:
www.dimb.de
Respekt erweisen – Respekt erwarten
Trail Rules
1. Fahre nur auf Wegen
2. Hinterlasse keine Spuren
3. Halte Dein Mountainbike unter Kontrolle
4. Respektiere andere Naturnutzer
5. Nimm Rücksicht auf Tiere
6. Plane im Voraus
Ich versteh nur… kleines MTB-Fachlexikon
Anlieger
Fahrbare Steilkurve.
Bike & Hike
Kombinierte Bike und Wandertour, meist mit Besteigung eines (unfahrbaren) Gipfels.
Bike & More
Name eines Jugendkurses der JDAV.
Bunny Hop
Gleichzeitiges Abheben von Vorderrad und Hinterrad vom Boden.
Chickenway
Umfahrung eines schwierigen Abschnitts.
Drop (Floater)
Ein Sprung, bei dem die Sprungphase immer unterhalb der Absprungkante liegt. Der „Absprung“ ähnelt einem „Abtropfen“ von der Kante.
Manual
Vgl. Wheelie
Nosewheelie
Fahren / freies Rollen auf dem Vorderrad bei angehobenem Hinterrad
Roadbook
Liste / Übersicht von Wegpunkten, Ortsbeschreibungen, Etappenziele, Abzweigungen, Wegdistanz (vom Startpunkt gerechnet), Alternativen
Road Gap
Ist ein Sprung quer über einen Fahrweg.
Single Track / Trail
Enger, technisch anspruchsvoller Wegabschnitt: Spitzkehren, steile Stufen, die bergauf und bergab führen, Schräghangfahrten, Bachdurchquerungen o.ä.
Surfen
Vgl. Wheelie
Tablejump
Sprung von einem podestähnlichen
Trial
Fahrtechnische Geschicklichkeitsprüfung.
Wallride
Roller über eine Wand seitlich zur Fahrbahn.
Wheelie
Fahren / freies Rollen auf dem Hinterrad bei angehobenem Vorderrad
Wheelie-Drop
Alternative Form des Drops bei mangelnder Anfahrtsgeschwindigkeit
und mehr ... Literatur und Links
Alpin-Lehrplan 7 – Mountainbiken