Sportklettern

Das Sportklettern, die mit Abstand am weitesten verbreitete Spielart im Bereich des Kletterns überhaupt, folgt konsequent dem Freiklettergedanken: Freiklettern bedeutet Klettern, allein an den vorhandenen und natürlichen Felsstrukturen. Füße, Hände und der ganze Körper sind gefragt. Technische Ausrüstung wird hierbei immer nur zur Sicherung verwendet – man bewegt sich also „frei“ von allen künstlichen Fortbewegungshilfen. So entsteht schnell die sportliche Herausforderung auch schwierige Routen an der persönlichen Leistungsgrenze zu klettern. Ein gekonnter Umgang mit dem Seil sorgt für die nötige Sicherheit.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die sportliche Entwicklung – Reimport einer Idee
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts formulierte der Sachse Rudolf Fehrmann in seinem Elbsandsteinführer explizite sportliche Regeln, die schon damals die grundlegende Idee des Freikletterns beschrieben. Fritz Wiessner, der in den späten 20er-Jahren in die USA emigrierte, nahm diese mit und inspirierte die zwar kleine, aber leistungsfähige amerikanische Szene. In der Folge entwickelte sich das Klettern in den USA – und unabhängig dazu auch in England – auf der Basis dieser elementaren sportlichen Grundsätze rasch weiter und war Anfang der 70er-Jahre dem europäischen Niveau weit voraus. Die folgenden Zeit brachte auch im restlichen deutschsprachigen Raum eine Wende weg vom bisherigen „Hochkommen mit allen Mitteln“ hin zum modernen Sportklettern, welches sich inzwischen, selbst auf höchstem Niveau, von den Felsen der Mittelgebirge mehr und mehr auch auf große alpine Wände übertragen hat.
 

Regeln – eine Frage des Stils
Beim Sportklettern entscheidet letztlich jeder selbst, welche Herausforderung er annimmt. Neben der klassischen Unterscheidung zwischen freiem und technischem Klettern differenziert man beim modernen Sportklettern sehr fein, was den tatsächlichen Verlauf der Begehung einer Route betrifft.
Die größte Verbreitung hat hierbei sicherlich das sogenannte Rotpunktklettern, das die durchgehende sturzfreie Begehung einer Route mit Seilsicherung von unten beschreibt. So werden viele Routen oft sehr lange Zeit „projektiert“ um alle Bewegungsabläufe präzise einzuüben, bevor endlich die stilreine Begehung erfolgt. Gelingt eine völlig unbekannte Route im ersten Versuch rotpunkt, so spricht man von einer „on-sight“-Begehung.
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Schwer, schwerer - und kein Ende
Je „härter“ eine Sportkletterroute, um so heißer wird über die Schwierigkeit diskutiert. Zur Orientierung gibt es Bewertungssysteme, die den sportlichen Anspruch der Routen relativ zueinander vergleichen. In Europa hat sich neben der etwas feineren Französischen Skala vor allem die sogenannte UIAA-Skala durchgesetzt (UIAA Vergleichstabelle).
Die Bewertung der Routen erfolgt letztlich aus der Mittelung der subjektiven Meinungen der Begeher und ist im Grunde mehr Anhaltspunkt als normiertes System. Prinzipiell beschreibt der niedrigste Schwierigkeitsgrad die leichteste Kletterei. Vom einfachen „die Hände sind zur Fortbewegung nötig“ (UIAA I) bis hin zum extremen sportlichen Anspruch werden so Freikletter-Schwierigkeiten in Zahlen gefasst. Natürlich sind alle Schwierigkeitsskalen nach oben hin offen, da immer wieder schwerere und noch schwerere Erstbegehungen durch einzelne Top-Kletterer realisiert werden.  Momentan sind die weltweit anspruchsvollsten Routen dem UIAA-Grad 11+ zugeordnet – das Kratzen am 12. Grad hat bereits begonnen...
 
 
 
Gewähltes Risiko – Sicherheit durch bewusstes Entscheiden
Die Sicherheit entsteht im Kopf!
Wie in allen Bereichen des Lebens bestimmen wir letzten Endes selber darüber, in welchem Maße wir uns einer möglichen Gefahr aussetzen. Das Sportklettern als grundsätzlich sichere Sportart darzustellen wäre zu stark vereinfacht. Zwar ist es im Normalfall – mit dem entsprechenden Know-how und Dank moderner technischer Ausrüstung – möglich, das Verletzungsrisiko eines Sportkletterers deutlich unter demjenigen eines engagierten Handballspielers zu halten, doch gleichzeitig kann ein versehentlich gemachter Fehler fatale Folgen haben.
Wichtig ist also die Fähigkeit, jederzeit die möglichen Gefahren zu erkennen und das persönliche Risiko den eigenen Fähigkeiten anpassen zu können. Ein absolut zuverlässiges Beherrschen der nötigen Sicherungstechniken ist hierbei ebenso unverzichtbare Grundlage wie eine gesunde und kritische Selbsteinschätzung. Anders formuliert: Basis für eine solide Entscheidung und damit ein sicheres Klettern ist immer eine gute und umfangreiche Ausbildung!
 
 
 
Ausbildung und Training –  Lernen und Verbessern
Der Deutsche Alpenverein – bundesweit vertreten durch seine Sektionen (siehe Linkliste) – bietet Ausbildungskurse und Trainings für alle Alters- und Könnensstufen an. Vom obligatorischen Anfängerkurs am Fels oder in der Kletterhalle  reicht das Angebot bis hin zum Trainingscamp für gute und erfahrene Kletterer. Ob es um das lernen grundlegender Sicherungstechniken oder um neue Impulse für das persönliche Trainingsverhalten geht – die Möglichkeiten sind zahlreich und profitieren kann jeder. Außerdem besteht die Möglichkeit in organisierten Kletter- oder Jugendgruppen Anschluss an gleichgesinnte Kletterer zu finden auch abseits fester Kurskonzepte von erfahrenen Trainern zu lernen. Kinder und Jugendliche können auch im Rahmen des JDAV Jugendkursprogrammes Kletterkurse absolvieren.
 
 
 
Ausrüstung – nur das Nötigste
Die wichtigsten persönlichen Ausrüstungsgegenstände beim Sportklettern sind zu aller erst ein Paar Kletterschuhe und der unverzichtbare Klettergurt – beides muss einfach passen, damit der Spaß, aber vor allem auch die Sicherheit gewährleistet ist. Alles weitere ist letzten Endes gemeinsam mit dem Kletterpartner aufzubringen bzw. zu teilen. Mit Seil, Sicherungsgerät und einigen sogenannten Expressschlingen lässt sich in vielen modernen Klettergebieten schon eine ganze Menge machen. Mit steigenden Herausforderungen wird natürlich auch das nötige Equipment umfangreicher. Eine Aufzählung würde den Rahmen bei weitem sprengen.
Natürlich ist es nötig den Umgang mit dem Material auch wirklich zu beherrschen – Sicherheit lässt sich nicht im Laden kaufen. Wer aber die nötigen Techniken gekonnt zu nutzen weiß, dem stehen die vielfältigsten Möglichkeiten offen.
 
 

Klettergebiete – Mensch und Natur
Weltweit gibt es zahllose Klettergebiete mit teilweise völlig gegensätzlichem Charakter, hervorgerufen durch unterschiedliche Gesteinsarten und Strukturen sowie die umgebende Landschaft. Ebenso gegensätzlich sind bisweilen die durch Tradition und gesellschaftliche Rahmenbedingungen entstandenen Besonderheiten der Gebiete.
Als weitgehend gegensätzliche Beispiele seien hier der Kalkfels des, gemäß den Bedürfnissen des modernen Klettertourismus erschlossenen, norditalienischen Arco und der anspruchsvolle Sandstein der wilden und ursprünglichen Sächsischen Schweiz verglichen.
Der Reiz des Sportkletterns, der immer mehr Menschen an die Felsen treibt, führt bisweilen in besonders sensiblen Gegenden zu Problemen. Nicht alle Kletterer sind entsprechend rücksichtvoll zu Natur und Umwelt. Manche missachten auch schlicht die Bedürfnisse der Anlieger der Gebiete. Resultat sind die verschiedensten Konflikte, welche auch schon zu kompletten Kletterverboten geführt haben.
Der Deutsche Alpenverein und viele regionale Interessensgemeinschaften (siehe Linkliste) bemühen sich bundesweit um Regelungen, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen, bzw. Naturschutz und Naturnutzung gleichgewichtig möglich machen.
Um die Zukunft des Klettersports am Naturfels nicht zu gefährden, und um auch weiterhin die schönsten Gebiete schützen zu können, ist es wichtig, sich immer über lokale Besonderheiten zu informieren und diese zu berücksichtigen. In diesem Sinne sind auch der Grundsätze des sogenannte „sanften Kletterns“ entstanden, die von allen Kletterern beachtet werden sollten.
 
 

Kletterhalle – von der Trainigsstätte zur Parallelwelt
Folgten die ersten Kletterhallen noch mehr dem Wunsch nach einer überdachten Trainingsmöglichkeit für Schlechtwettertage, so erfüllen inzwischen moderne Kletteranlagen einen viel umfangreicheren Zweck.
Besonders in städtischen Gebieten und Gegenden mit wenig Naturfels in Reichweite, entstanden mehr und mehr Hallen (siehe Linkliste) mit immer imposanteren Wandkonstruktionen.
Diese Entwicklung führt dazu, dass inzwischen viele Anfänger ihre ersten Erfahrungen zunächst an der Kunstwand sammeln. Und nicht jeder entscheidet sich später die Herausforderung auch am Fels zu suchen. Die Anzahl der reinen „Hallenkletterer“ wächst weiterhin, die Anzahl der Kletteranlagen damit ebenfalls. Ein Ende dieser Entwicklung ist bislang nicht abzusehen.
 
 

Wettkampfklettern – Sportklettern als klassische Disziplin
Wenn auch nicht olympisch, so ist das Sportklettern doch auch als spannende Wettkampfdisziplin zunehmend populär. Grundsätzlich geht es darum, in einer schweren Route im ersten Versuch am weitesten nach oben zu klettern. Um die Rahmenbedingungen hierbei für alle gleich zu halten, finden solche Wettbewerbe ausschließlich an Kunstwänden statt, an denen jedes Mal neue Bewegungsaufgaben für die Athleten kreiert werden.
Neben dem Spitzensportbereich, in dem sich die weltbesten Sportkletterer untereinander messen, gibt es Veranstaltungen bis hinab auf die regionale Ebene, bei denen vor allem der Spaß am gemeinsamen Klettern im Vordergrund steht. Letzen Endes geht es weniger um das Messen an der Konkurrenz, sondern vielmehr um die Herausforderung, die eigenen Fähigkeit optimal an der Route unter Beweis zu stellen.
Wer den nötigen Biss mitbringt, unnötige Verbissenheit aber von vornherein zu Hause lässt, kann mit Sicherheit mindestens eines gewinnen: Einen kräftigen Schub an Motivation...
 
 

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