Eisklettern

Aus einer exotischen Spezialdisziplin einiger hartgesottener Nordwandgesichter hat sich das Klettern im steilen Eis zur eigenständigen Sportart, sogar zu einer Trend- und Wettkampfsportart entwickelt.
Dank des deutlich verbesserten Materials, von den Steigeisen über Eisschrauben bis zu den extremen Eisgeräten, ist es heute auch dem Hobbykletterer möglich, im vertikalen Eis sein Vergnügen und Abenteuer zu finden. So zieht es inzwischen viele Eiskletterer Winter für Winter zu den bekannten Hotspots - oder besser gesagt Coldspots - ins Gebirge.
 
 
 
Kraft und Technik sind angesagt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wasserfallklettern
Wenn es im Herbst viel geregnet hat und dann im Dezember die Temperaturen kontinuierlich unter den Gefrierpunkt kriechen, wachsen plötzlich an ganz unscheinbaren Stellen die beeindruckendsten Eisskulpturen. Oft sind es gar nicht die großen Wasserfälle, die im Sommer mit viel beeindruckendem Getöse zu Tal donnern, sondern eher kleine Rinnsale.
Sobald das Wasser mit dem gefrorenen Fels und der kalten Luft zusammentrifft erstarrt es zunächst zu kleinen Zapfen oder Eisglasuren. Im Laufe von Tagen „wächst“ es dann zu immer dickeren Schichten oder zu säulenartigen Gebilden. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Kerze, an der das herablaufende Wachs langsam  erkaltet. Eissäulen die hinten keinen Felskontakt haben nennt man daher auch Kerzen.
 
 
 
Kraft und Technik sind angesagt
Es dauert dann nicht mehr lange, bis die ersten „Locals“ anrücken. Schon seit Wochen beobachten sie das Thermometer während sie zu Hause an der Boulderwand mit den Eisgeräten Kraft für die neue Saison tanken.
Wer senkrechtes Wasserfalleis klettern will, muss dazu nicht nur die notwendige Ausrüstung - Steigeisen, Eisgeräte und Eisschrauben - haben, er muss neben einer ausgefeilten Technik auch eine Portion Kraft in den Armen mitbringen. Im vergleich zum Felsklettern verläuft Eisklettern eher in Zeitlupe.
Jeder Schlag mit dem Eisgerät muss präzise gesetzt werden, bevor der nächste Zug geklettert werden kann. Zwar hat man dabei immer einen „guten Griff“ in der Hand, den gilt es aber auch entsprechend lange fest zu halten. Denn im Gegensatz zum Sportklettern sind Vorstiegsstürze im Eis tabu!
 
Genaue Infos sind entscheidend
Über das Internet oder ein kurzes Telefonat mit einem ortsansässigen Bergführer erfährt dann auch der noch so alpenferne Steileisbegeisterte, wo zurzeit welche Verhältnisse herrschen. Über die einzelnen Routen und das Drumherum kann man sich in Kletterführern erkundigen, die es inzwischen fast zu jedem Gebiet in den Alpen gibt. Dort finden sich dann auch Fotos und Topos, die genauere Infos zu den Routen und den zu erwartenden Schwierigkeiten geben. Doch hier ist Vorsicht geboten: Da sich das Eis jeden Winter neu bildet und mit jeder Temperaturveränderung die Eisqualität beeinflusst, herrschen an einen gefrorenen Wasserfall niemals dieselben Bedingungen. Somit sind die Schwierigkeitsangaben nur als Empfehlung oder Durchschnittswert anzusehen. Nicht selten weichen die tatsächlichen Schwierigkeiten um einen ganzen Grad von den angegebenen Bewertungen ab. Und das auf einer Skala, die gerade bis sieben reicht.
 
 
 
Wechselnde Verhältnisse
In manchen Wintern z.B. bildet sich enorm viel Eis, so dass manchmal kleine Balkone entstehen auf denen man sich ausruhen kann. In anderen Wintern bildet sich nur wenig Eis oder solches mit vielen Lufteinschlüssen. So gibt es zum Beispiel Röhreneis, das sind ganz viele zusammengewachsene Eiszapfen. Da halten die Hauen der Eisgeräte manchmal gut und manchmal zerbrechen sie auch die ganzen Röhren, so dass der Kletterer sich erstmal „durchgraben“ muss, bis er an tiefer liegendes kompakteres Eis gelangt. Manchmal, ist es bitterkalt und das Eis wird spröde und platzt beim Versuch, das Eisgerät zu platzieren. Zuviel Kälte tut dem Eis gar nicht gut. Ideale Klettertemperaturen herrschen gerade knapp unter dem Gefrierpunkt oder manchmal sogar ein oder zwei Grad darüber. Aber zu warm darf es natürlich auch nicht werden. Dann besteht die Gefahr, dass der ganze Wasserfall seine Stabilität und den Kontakt zum Fels verliert. Wenn es soweit ist, sollte man lieber wieder zum Sportklettern in den Süden fahren oder sich auf alpine Eistouren in höhere Lagen begeben.
 
 
Alpines Eisklettern
Eisklettern im hochalpinen Gelände ist die Urform des Eiskletterns. Die Entwicklung war dabei immer stark von der technischen Entwicklung abhängig. Zuerst mussten mal in den 1930er Jahren (etwa zur Zeit der Erstbegehung der Eiger Nordwand) die Frontalzacken erfunden werden. Dann wurden die alten Holzpickel immer kürzer bis sie irgendwann durch kurze Metallpickel oder Eisgeräte ersetzt wurden. Mit dieser Entwicklung wurden auch die Eiswände, die geklettert wurden immer steiler. Heutzutage werden an den höchsten Bergen der Welt senkrechte Eispassagen geklettert.
Es gibt zwei Arten von alpinen Eisrouten. Einmal die klassischen Eiswände. Das sind Wände aus dickem Eis, die das ganze Jahr über bestehen und meistens mit Schnee bzw. Firn überzogen sind. Diese werden normalerweise nicht steiler als 60°. In der Draufsicht sehen sie trotzdem sausteil aus und nicht zuletzt deshalb freut man sich dann hinterher, dass man dort hoch gekommen ist. Bei einer griffigen Firnauflage ist eine solche Eiswand aber gar nicht so schwer zu erklettern und bietet jedem Eisneuling, in Begleitung eines erfahrenen Alpinisten natürlich, einen tollen Einstieg in diese Disziplin. Solche Eiswände gibt es (noch) überall in den Alpen, wo die Berge mehr als 3500m hoch sind.
 
Die zweite Sorte alpiner Eisklettereien, verläuft durch Rinnen oder Couloirs (sprich: Kuluars). Das sind jegliche Formen von Verschneidungen oder Rinnen in Felswänden eingeschnitten, in denen sich Schnee oder Schmelzwasser sammelt und bei entsprechender Witterung zu Eis gefriert. Steile Eis- oder Schneerinnen gibt es überall in den Alpen. Die richtigen Couloirs gibt es hauptsächlich im Montblanc Gebiet, weil hier der Fels sich entsprechend geformt hat und das Gebirge hoch genug liegt. In so einem Couloir kann es dann auch schon mal richtig zur Sache gehen und wer hier souverän unterwegs sein will tut gut daran, erstmal beim Wasserfallklettern zu üben. Denn neben den klettertechnischen Schwierigkeiten kommen hier noch alpine Gefahren hinzu.
 
 

Mixedklettern
Etwa ab Mitte der 90er Jahre waren die meisten gefrorenen Wasserfälle der Alpen erstbegangen. Da hängendes Eis sich ja kaum steiler als senkrecht bilden kann, hört die Schwierigkeitsskala im reinen Eis bei WI 7 (WI für waterfall ice) auf. Das ist dann anhaltend senkrecht und zu dem auch noch kaum abzusichern, weil die Eisschicht nur dünn bzw. die Säule recht filigran ist. Dies genügte den wilden Akteuren der Szene aber nicht. So wurden zunehmend überhängende Felswände geklettert, in denen das Eis nur noch in dicken Zapfen herunter hängt. Das war die Geburtstunde des „drytooling“.
Drytooling bedeutet, dass ganz normale Griffe und Tritte im Fels mit der Spitze des Eisgerätes bzw. den Spitzen der Steigeisen belastet („gehookt“) werden. Dies ist zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, wenn es einmal funktioniert aber sehr effektiv, da mit einer scharf gefeilten Haue winzigsten Leisten „gehookt“ werden kann. Zwischenzeitlich klettern die Aktuere in modernen Mixedrouten weit ausladende Dächer. Das Eis befindet sich dabei oft nur noch in Form eines Zapfens an der Dachkante und stellt den Ausstieg dar. Durch die Verwendung von Bohrhaken, kommt das ganze dem Sportklettern schon sehr nahe und die Schwierigkeiten haben sich rasant bis zur M13 hin entwickelt. M steht dabei für Mixed.
 
 
 
Alpines Mixedklettern
Natürlich gibt es aber nicht nur das sportliche Mixedklettern. Auch in alpinen Routen kommt es vor, dass Seillängen zu wenig Eis aufweisen und dann wird mit Steigeisen und Eisgeräten im Fels zwangsläufig auch „mixed“ geklettert. Das war aber mit der Erfindung der Frontalzacken eigentlich schon immer so, lange bevor es eine entsprechende Schwierigkeitsbewertung gab. Diese Form des Bergsteigens wird schnell zu einer sehr gruseligen Angelegenheit. Oft ist die Eisauflage dünn, der Fels brüchig und es lassen sich nur bescheidene Sicherungen anbringen. In alpinen Routen wird der Bohrhaken im Allgemeinen noch abgelehnt, weil man die Ursprünglichkeit und den Charakter einer Route erhalten möchte. Wer sich in diesem Bereich bewegt sollte neben guten Nerven auch einiges an Erfahrung mitbringen und wirklich nur bei guten Verhältnissen einsteigen.
 
 
 
Gefahren beim Eisklettern
Die größte Gefahr beim Eisklettern liegt in der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Die meisten Wasserfälle sehen von unten erstmal leichter zu klettern aus, als sie es tatsächlich sind. Sicherungen werden beim Eisklettern immer aus der Kletterposition heraus gesetzt. Die modernen Eisschrauben lassen sich zwar schnell setzten, aber trotzdem hängt der Kletterer dabei bis zu mehreren Minuten nur mit einer Hand am Eisgerät. Das kostet Kraft! Daher müssen Zwischensicherungen gut im Voraus geplant werden. Manchmal ist es besser, schnell und beherzt zwei oder drei Meter weiter zu klettern bis es flacher wird, als noch eine weitere Schraube im senkrechten Eis zu setzten. Dabei sollte es aber nie zu einer „Flucht nach oben“ kommen.
Zu diesen taktischen Überlegungen bezüglich der Einteilung der eigenen Kraftreserven muss immer die Qualität des Eises berücksichtigt werden. Eis ist nicht gleich Eis und eine Eisschraube hält immer nur so gut, wie das Eis in das sie gedreht wird. Tests haben gezeigt, dass eine Eisschraube in kompaktem Eis mehr halten kann als ein Bohrhaken. In Eis mit besonders vielen Lufteinschlüssen kann es aber auch vorkommen, dass sich die Schraube mit einer Hand wieder herausziehen lässt. Eine sorgfältige Platzierung der Eisschrauben ist daher enorm wichtig. Viele Eiskletterer, die dann doch mal gestürzt sind, haben schon Zwischensicherungen herausgerissen, was zu unkalkulierbaren Sturzhöhen führt und nicht selten schwere Verletzungen nach sich zieht.  Ein weiteres Risiko bei unkontrollierten Stürzten im Eis sind die Eisgeräte und Steigeisen, deren scharfe Hauen und Zacken den Stürzenden verletzten können.
 
 

Eisschlag
ist ebenfalls eine ernst zu nehmende Gefahr beim Eisklettern. Beim setzten der Geräte lässt es sich nie ganz vermeiden, dass bis zu mehreren Kilogramm schwere Eisschollen abplatzen. Hier hat sich schon mancher Kletterer eine blutige Nase geholt. Noch größer ist die Gefahr aber für weiter unten befindliche Personen, wie z.B. den Nachsteiger. Deshalb sollte der Standplatz immer so gewählt werden, dass der Vorsteiger sich nicht genau über dem Sicherungspartner befindet. Eine weitere Regel, die daraus folgt ist, dass immer nur eine Seilschaft in einen Wasserfall einsteigen sollte. Leider ist der Andrang in vielen Gebieten oft groß, dass und eine Alternative nicht immer möglich. Im Zweifelsfall ist aber der Verzicht besser als eine Verletzung durch Eisschlag zu riskieren. Zuschauer oder andere Eiskletterer sollten am Wandfuß berücksichtigen, dass sie sich niemals und schon gar nicht ohne Helm unter einem bekletterten Wasserfall befinden dürfen.
 
 
 
Lawinengefahr
Last but not least ist zu beachten, dass wir uns beim Eisklettern immer im winterlichen Gebirge aufhalten. Alle erdenklichen Umwelteinflüsse müssen dabei berücksichtigt werden. Nicht nur dass ein Wasserfall selbst zunächst sicher stehen muss damit er nicht beim klettern „kollabiert“. Auch die Schneesituation im Zustieg und am Ausstieg bzw. im Abstieg muss berücksichtigt werden. Oft befinden sich Wasserfälle unterhalb von lawinengefährdeten Rinnen. Der alpine Eiskletterer kommt selten umhin durch eine Rinne oder über einen Lawinenkegel zu seinem Eisobjekt zu gelangen. Nicht selten sind Eiskletterer schon im Zu- oder Abstieg von einer Lawine erfasst und verschüttet worden. Zudem kommt, dass die Tage im Winter kurz und die Nächte kalt sind. Die Zeitplanung muss also stimmen und eine kleine Stirnlampe im Rucksack kann zur überlebenswichtigen Vorsichtsmaßnahme werden.
 
 

Ausrüstung
Besondere Ausrüstungsbestandteile sind die Kleidung und vor allem die Hardware. Zur letzteren zählen insbesondere Eisgeräte, Steigeisen und Eisschrauben. Gurt, Seil, Karabiner und Schlingen sind dieselben wie beim Felsklettern.
Die Bekleidung des Eiskletterers sollte vor allem wasserfest oder zumindest wasserabweisend und warm sein, gleichzeitig aber die Bewegungen nicht behindern.. Diverse soft- und hardshell Technologien liefern heute für fast alle Bedingungen das optimale Outfit. Nur den perfekten Handschuh wird es nie geben. Bei der Wahl der Handschuhe gilt es immer einen Kompromiss zwischen warm und handlich zu finden. Es gibt zwar für alle Temperaturen warme Handschuhe, aber die sind dann oft so dick, dass es schwer wird die Karabiner und Eisschrauben zu bedienen. Mit dünnen Handschuhen fällt das leichter, wobei da wiederum die Finger schnell kalt werden.
 
 
 
Eisgeräte
Im Bereich der Eisgeräte wurde in den letzten Jahren viel experimentiert und getüftelt und mit immer stärker überhängenden Routen wurden auch die Tools immer gekrümmter. Heute haben ambitionierte Allrounder mindestens ein Paar Geräte für alpine Touren und eins für schwere Wasserfälle und Mixedrouten.
Das klassische Eisgerät, wie es auch heute noch für alpine Touren benutzt wird ist relativ gerade im Schaft und hat einen Dorn, so dass es auch wie ein Eispickel benutzt werden kann. Normalerweise benutzt der Kletterer ein Gerät mit Schaufel zum Stufen schlagen oder zum Weghacken von morschem Eis. Das andere Gerät mit Hammerkopf dient zum Schlagen von Felshaken.
Inzwischen ist es nicht mehr nur bei den Cracks angesagt, ohne Handschlaufen zu klettern. Dies erfordert aber einige Gewöhnung. Während die Handschlafe immer noch etwas Sicherheit gibt, falls die Unterarme müde werden oder das Gerät aus der Hand rutscht, gibt es beim sogenannten “leashless“ Klettern kein Pardon, wenn der Kletterer vom Griff abrutscht oder das Gerät fallen lässt.
Wer sich aber keine zwei Paar Geräte leisten möchte und trotzdem in allen Sparten des Eiskletterns unterwegs ist, für den gibt es auch eine Auswahl an Allroundgeräten, die in jedem Gelände zu Hause sind, und mit wenigen Handgriffen für den ein oder anderen Zweck umgebaut werden können.
 
 
 
Steigeisen
Steigeisen sind in den letzten Jahren ebenfalls besonders für das sportliche Mixedklettern weiterentwickelt worden. Für normale Wasserfälle und alpine Eistouren erfüllt weiterhin der klassische Zwölfzacker mit einem dazu passenden festen Bergstiefel den besten Dienst.
Im Unterschied dazu haben sich spezielle Steigeisen für die Anforderungen im Mixedklettern entwickelt. Zunächst wurden das Frontalzackenpaar gegen einen Monozacken ausgetauscht, weil damit präziser und in vielseitiger auf kleinen Leisten gestanden werden kann. Dann gab es zum Nachrüsten auch einen Fersendorn mit dem im Fels oder Eis der „Heelhock“ zur Anwendung kommt. Inzwischen schrauben sich die ambitionierten Eiskletterer vorgefertigte Steigeisenmodule vorne und hinten unter einen leichten und festen Bergschuh bzw. speziellen Eiskletterschuh. Dadurch wird noch eine höhere Präzision erreicht und viel Gewicht eingespart. Diese Schuhe eignen sich dann aber auch nur noch für entsprechend sportliche Routen, denn ähnlich wie in Kletterschuhen, werden hier die Füße schnell kalt.
Das Klettern mit Fersensporn ist inzwischen übrigens bei den Profis eher wieder verpönt. Man hat festgestellt, dass damit jede noch so harte Route praktisch unzählige Rastpositionen bekommt, indem sich der Kletterer mit dem Fersensporn an kleinen Leisten hängend, wie eine Fledermaus ausruht und die Arme damit beliebig oft ausschütteln kann. Daher machen diejenigen, die es sich leisten können ihre Rotpunktbegehungen inzwischen ohne dieses Hilfsmittel. Zum Glück wird aber jeder Stil toleriert und jeder Kletterer muss sich die Regeln für sein eigenes Handeln selbst auferlegen. Letzten Endes ist das ja auch die große und wunderbare Freiheit, die wir beim Bergsport so schätzen.
 
 
 
Eisschrauben
Eisschrauben sind inzwischen alle aus Stahl. Dieser lässt sich besser schärfen als die leichten Metalle. Sie besitzen vorne vier bis fünf Zähne mit denen sie sich wie ein Schaufelbagger in das Eis fressen. In der Mitte sind sie hohl, damit das verdrängte Eis nach außen entweichen kann. Das Gewinde frisst sich beim Eindrehen korkenzieherartig in das Eis hinein. Eine gute Eisschraube hat zu dem eine Kurbel, damit sie sich schnell ein- und ausdrehen lässt.
Alte Eisschrauben bekommt man inzwischen bei ebay hinterher geworfen oder findet sie zu Haufen in den Beständen der eigenen Sektion. Solche Eisschrauben nützen beim Eisklettern wenig, weil sie meistens eine hohe Sprengwirkung haben und sich nur mit viel Kraft ins Eis eindrehen lassen. Wer alte geliehene Eisschrauben benutzt sollte sie erstmal testen, bevor er damit losklettert.
 
 

Wettkampfklettern
Ganz ähnlich wie beim Sportklettern werden auch im Eisklettern seit ein paar Jahren Wettkämpfe ausgerichtet. Dabei gibt es auch hier das Schwierigkeitsklettern und das Speedklettern. Dazu werden künstliche Gerüste aufgebaut und teilweise eingeeist. Manche Kletterpassage bleiben aber trocken und hier werden Griffe zum Drytoolen angebracht.
Beim Schwierigkeitsklettern geht es darum onsight eine Route zu klettern und möglichst weit zu kommen. Hier gibt es - wie auch im Sportklettern - mehrere Qualifikationsrouten und eine Finalroute. Doch nicht nur der höchste erreichte Punkt zählt auch die Zeit entscheidet mit. Beim Speedkletter-Wettkampf geht es darum, im Toprope gesichert möglichst schnell oben zu sein.
Die Eiskletter-WM findet übrigens traditionell in einem Parkhaus in Saas Fee statt. Dieses Parkhaus verfügt über eine spiralförmige Auffahrt, die die vielen Etagen verbindet in dessen Mitte sich ein riesiger Schacht befindet in dem dann die Kletteranlage aufgebaut wird. Das Tolle dabei ist, dass sich das Publikum - ähnlich wie in einem Amphitheater oder einem Opernhaus mit mehrstöckigen Logen - über die gesamte Höhe der Kletterwand auf der spiralförmigen Autorampe um die Kletteranlage herum verteilen kann, was ein Beobachten und Anfeuern der Kletterer aus nächster Nähe ermöglicht. Neben der WM und manchmal auch einem Weltcup gibt es jedes Jahr diverse Eiskletterfestivals. Die Bekanntesten sind in Kandersteg (Berner Oberland) und in Ouray (USA). Hier kann man den Profis zuschauen, selber die Produkte der Sponsoren testen und abends an der großen Eiskletterparty teilnehmen.
 
 
Schwierigkeitsbewertung
Die Bewertung von Wasserfall-Eiskletterrouten richtet sich nach der französisch-kanadischen Wi- Eisskala (Wi für water ice). Kaum erwähnt werden muss, dass die Kletterschwierigkeiten an gefrorenen Wasserfällen entscheidend von der Qualität des Eises, von der Steilheit und den Absicherungsmöglichkeiten abhängen . Naturgemäß unterliegen diese - je nach Eisbildung - starken Schwankungen. Nicht selten können die tatsächlichen Schwierigkeiten einen Grad über oder unter der angegebenen Bewertung liegen.
 

Wi 1

bis 60 Grad steiles, kompaktes Eis von guter Qualität. Es kann aus fast jeder Kletterposition eine Sicherung angebracht werden.

Wi 2

60 bis 70 Grad steiles, kompaktes Eis von guter Qualität. Die Sicherungsmöglichkeiten sind gut.

Wi 3

70 bis 80 Grad steiles, kompaktes Eis. Steilere Passagen wechseln mit guten Rastpositionen ab, an denen die Sicherungen gut gesetzt werden können.

Wi 4

Konstante 80 Grad Neigung mit senkrechten Teilen und auch schon kürzeren Passagen in gutem Röhreneis.

Wi 5

Konstante 85 bi 90 Grad Neigung mit länger andauernden senkrechten Passagen. Sichern ist noch gut möglich.

Wi 6

Permanent 90 Grad steiles und andauernd senkrechtes Gelände mit fragilen Röhreneis und einzelnen Säulen. Unzuverlässige Sicherungen.

Wi 7

Überhängendes Kompakteis, äußerst dünne freistehende oder freihängende Säulen in Kombination mit überhängenden Eisbalkonen; Kletterei an Eisglasuren. Sichern nur an wenigen unzuverlässigen strategischen Stellen möglich.

 
 
Häufig wird die Wi-Bewertung durch eine Ernsthaftigkeits-Bewertung in römischen Ziffern ergänzt. Die römische Zahl steht dann vor der Wi-Einstufung.
 
I
Kurze Klettereien in der Nähe einer Straße, gute Standplätze, einfacher Abstieg   
II
Ein- oder Zweiseillängenroute in der Nähe der Straße, objektiv wenig gefährlich. Abstieg durch Abseilen oder einfachen Fußabstieg
III
Kürzere Kletterei mit mehreren Seillängen oder mit längerem Zustieg, der einige Zeit benötigt. Alpinistische Kenntnisse und lawinenkundliches Beurteilungsvermögen sind notwendig. 
IV
Längere, abgelegene Mehrseillängenroute. Gute alpinistische Kenntnisse und lawinenkundliches Beurteilungsvermögen sind notwendig. Mit objektiven Gefahren ist zu rechnen.       
V
Lange Kletterei im Hochgebirge. Ernsthafte Unternehmung, für die entsprechende Erfahrung notwendig ist. Wetter-, Lawinensituation haben entscheidenden Einfluss auf die Verhältnisse. Zu- oder Abstieg können lang, schwierig und zum Teil objektiv gefährlich sein und sind nicht eingerichtet. Schlechte Rückzugsmöglichkeiten.
VI
Mehrseillängenroute in hochalpiner Umgebung. Eine Begehung der Route an einem Tag ist nur den besten Alpinisten vorbehalten und erfordert sehr viel Erfahrung bei winterlichen Unternehmungen. Die Route kann lawinengefährdet sein.   
VII
Eine Tour in einem abgelegenen, hochalpinen Gebiet, für deren Begehung mehrere Tage notwendig sind. Schwierigkeiten und Ernsthaftigkeit ist gegenüber dem VI. Grad nochmals gesteigert.
 
 
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