Canyoning

Man versteht unter Canyoning (auch Schluchteln) das Begehen einer Schlucht von oben nach unten (in der Frühzeit des sportlichen Canyonings auch von unten nach oben) in den unterschiedlichsten Varianten. Durch Abseilen, Abklettern, Springen, Rutschen, Schwimmen und manchmal sogar Tauchen gelangt man in geeigneter Ausrüstung durch die Schluchten. Als Erlebnissportart etablierte sich Canyoning vor drei Jahrzehnten in Spanien und Südfrankreich. In den letzten 10 Jahren folgte der Durchbruch auch in den Nordalpen.
 
 
 
 
 
Canyoning - was ist das?

Canyoning ist keine neue Erfindung! Damit wird eine Natursportart bezeichnet, bei der man, dem Wasserlauf in einer Schlucht folgt. Wo es zu Fuß nicht mehr weiter
geht, wird geschwommen, gerutscht, abgeseilt oder gar gesprungen.

Spezialausrüstung und perfektes Knowhow sind nötig, damit die Unausweichlichkeit im
nasskaltem Milieu zum besonderen Erlebnis wird - und nicht zur lebensbedrohlichen Situation.
In den Alpen machten sich die Menschen diese Wasserläufe schon damals zum Holztriften und zur Energiegewinnung zunutze. Triftsteige und Klammwege zeugen noch heute davon.

Canyoning als Sportart wird seit ca. 30 Jahren in Spanien und Frankreich betrieben. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis dieser Trendsport zunächst in der Westschweiz und später dann in den Ostalpenländern seine Anhänger gefunden hat und nun auch hier zu Lande etabliert ist.

Nicht Bachbettwandern, aber auch nicht Klettern im Wasserfall...

Nur zu schnell unterliegt man dem Trugschluss, die einschlägigen Alpintechniken in die Schlucht zu übertragen. Allein mit dem Surfanzug, dem Klettergurt und dem ausrangiertem Bergseil wird der Canyon-Neuling sich sehr bald in gefährlichen Situationen wieder finden. Auf keinen Fall empfiehlt es sich, seine ersten Erfahrungen nach dem „try-and-error“-Prinzip zu sammeln. Eine fachkundige und qualifizierte Anleitung ist für Einsteiger unabdingbar, denn Fehler unter der Naturdusche darf man sich keinesfalls leisten. Wenn es ernst wird, muss jeder Handgriff sitzen! Es gab leider schon tödliche Unfälle.

 
Schluchten sind auch ökologisch sensible Bereiche. Um der Natur keinen Schaden zuzufügen,
sind Grundkenntnisse der Schluchtökologie und entsprechende Verhaltensweisen nötig. Aus
diesem Grund hat die JDAV zusammen mit dem Naturschutzreferat des DAV eine limnologische Studie  in Auftrag gegeben. Mit einem Infoblatt hat sie den aktuellen Stand durch einen Kodex zum naturschonenden Verhalten sowie einschlägige Tipps zur Planung und Durchführung einer solchen Unternehmung gegeben.
 

Persönliche Voraussetzungen:
Gute gesundheitliche Verfassung, eine solide Grundkondition und Trittsicherheit im weglosem
Gelände sind nötig; Personen mit chronischen Stirnhöhlen- und Mittelohrentzündungen sowie
Rückenbeschwerden ist von diesem Sport abzuraten.

Tourenplanung:
Überprüfe deine Kenntnisse und Fertigkeiten für die Durchführung der geplanten Canyoning-
Tour. Stelle einen Zeitplan auf und hinterlasse eine Nachricht über das Ziel. Wende dich bei der Tourenplanung an Experten. Stell dein Fahrzeug nur auf offiziell ausgewiesenen Parkplätzen ab. Zu-, Aus- und Abstieg nur auf öffentlichen Wegen. Sind Notausstiege möglich?
Berücksichtige die lokale Geologie und das resultierende Wettereinzugsgebiet. Bei regulierten Bachläufen müssen Informationen bei dem zuständigen Elektrizitätswerk über Geschieberückhaltebecken und deren Betätigung eingeholt werden.
Gehe nie allein!

Ausrüstung:
Beginne keine Canyon-Tour ohne komplette Spezial- und Notfallausrüstung!

Zeichensprache:
Vor Antritt der Canyon-Begehung sollten die wichtigsten Handzeichen bei allen Teilnehmer/innen
bekannt sein, denn eine gewohnte Verständigung ist im Canyon selten möglich!

Seiltechnik:
Beachte die besonderen Abseil- und Präventivtechniken. Immer ein Reserveseil entsprechend
der höchsten Abseilstelle mitführen.

Springen:
Der Gruppenerste sollte auch bei bekannten Bächen vor Sprüngen die Becken auf Hindernisse
kontrollieren. Erst dann ist unter Beachtung der situativen Sprungtechnik das Springen möglich.

Schwimmen:
Selbstverständlich sollten gute Schwimmkenntnisse vorhanden sein!
Die Rücklage mit Füßen voraus ist die geeignete Schwimmtechnik in Wildbächen. (Vermeidet
das Anschlagen der Knie!) In den meisten Fällen ist das Schwimmen gegen die Strömung un-
möglich.

Objektive Gefahren:
Beachte immer alle objektiven Gefahren wie Steinschlag, Gewitter, Wasserstandsänderungen,
etc.! (Die Wetterentwicklung läßt sich aus der Schlucht schlecht erkennen. Ein Gewitter kann
ein Stück entfernt niedergehen, die Flutwelle aber relativ schnell weiter unten die Gruppe überraschen!)

Notfall:
Bedenke, dass auch harmlose Unfälle in einer Schlucht durch erschwerte Alarmierung, auf-
wendige Rettung und der raschen Auskühlung des Verunfallten lebensbedrohlich werden
können! Erste-Hilfe-Ausrüstung und das Grundwissen in Rettungstechniken sind unbedingt notwendig!

 


Ökologie und Rechtslage

Beim Canyoning bewegen wir uns in wirtschaftlich bisher kaum oder gar nicht
genutzem Terrain. Außer für Holztrift, Bewässerung, energiewirtschaftliche
Nutzung oder Fischerei (in Teilbereichen) waren die Schluchten bisher „weiße Flecken“
auf der Landkarte.

Urlandschaft, klare Luft und durch Wasser ausgewaschene Gesteinsformationen begeistern
heute den Menschen. Feuchtes Klima und verschiedene Gesteine bedingen eine jeweils
andere Flora und Fauna.
Wir haben es also mit einer besonders eindrucksvollen, aber auch sensiblen Landschaft
zu tun, die wir unbedingt so erhalten müssen, wenn wir vereinzelt in sie eindringen.

Die naturschutzrechtliche Seite der mittel- und südeuropäischen Länder stellt sich
nach einigen Recherchen gar nicht so sehr verschieden dar.
Allgemein kann gesagt werden: Solange kein Wegegebot (also Betretungsverbot außer
markiertem Weg!) oder reines Privateigentum (der Canyon selbst oder die Umgebung/Zu-
gang/Ausstieg) vorliegen, können Schluchten prinzipiell begangen werden. Während man
mit  Grundeigentümern verhandeln kann, sind Sperrungen durch Kommunen oder Regional-
verwaltungen gesetzlich festgelegt. In Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien sind nur vereinzelte Sperrungen bekannt, in Südfrankreich dagegen schon einige mehr
(Ubaye/Departement Rhone-Alpes, Ariége-Gebiet/Pyrenäen). Dies liegt aber auch an der hohen Canyon-Dichte in Südfrankreich.
In den meisten Ländern ist Canyoning in den Naturschutzgesetzen nicht speziell  erfasst,
aber oft als „natürliche und naturnahe Fluss- und Bachabschnitte...“ o. ä. als Biotope aus

gewiesen... und: „Maßnahmen, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen oder nach-
haltigen  Beeinträchtigung... führen können, sind unzulässig“. (“ “soweit der Wortlaut in
Deutschland als Beispiel!).
Ganz anders im Bundesland Bayern, in dem auch fast alle Canyoning - Möglichkeiten Deutschlands liegen: Hier unterliegt nach aktueller Rechtsauffassung die Sportart Canyoning nicht dem so genannten „Gemeingebrauch“. Zum Verständnis sei der Vergleich mit etablierten  Tätigkeiten wie Skifahren, Klettern, Wandern, Schwimmen erlaubt, die eben diesem Gemeingebrauch gewidmet sind. Die Kombination aber aus Wandern, Abseilen und  Schwimmen im Bachbett mit einem wärmenden Neoprenanzug jedoch nicht. Die Ausführungsbestimmungen und spezielle Widmung einzelner Schluchten für diese Sportart Canyoning obliegen den Kreisverwaltungsbehörden, sprich Landratsämtern. Leider hat bisher lediglich das Oberallgäu (Stand 2007) einige Bäche explizit freigegeben.
Schade und unverständlich!

In der Schweiz z. B. ist Wasser Allgemeingut und man hat ein freies Betretungsrecht, was
nur durch evtl. Privatbesitz um den Bachlauf eingeschränkt sein kann. In Italien unterstehen größere Bäche dem öffentlichen Wasseramt, kleinere (canyoninggeeignete Wasserläufe) liegen dagegen oft wie auch  z. B. in Spanien auf Privatgrund. Ödland ist nicht reglementiert.
Da viele Schluchten aber im Waldbereich liegen, sind die Besitzverhältnisse relevant.
Wir sollten uns also im Zweifelsfall immer über die Besitzverhältnisse kundig machen
(staatlich, privat, genossenschaftlich,...) und uns dann  bei der Ausübung des Canyonings
unbedingt den anschließend aufgeführten Verhaltensregeln verpflichtet fühlen.
Somit „zerstören“ wie sie nicht und „beeinträchtigen sie nicht nachhaltig“ (Bezug zu o.g.
Beispiel eines Gesetzestextes!).
Die wenigen Studien (Frankreich und Schweiz) zum Canyoning können diese Aussage in etwa belegen. Einstieg, Ausstieg und Flachwasserbereiche sind bei allen als kritische Punkte benannt, auch gibt es Empfehlungen zu Frequenz und Gruppengrößen.
Eine Studie von 1994/95 im Auftrag der Fischerei- und Gewässerschutzbehörde des Departements Alpes.Maritimes (F) wertete 20 Schluchten aus und bietet konstruktive Vorschläge: Eine bessere Informationspolitik (Markierungen, Schilder) werden besonders gefordert für Einstieg, Ausstieg und Parkmöglichkeiten. Interessant ist, das Bachbettwandern als wesentlich bedenklicher eingestuft wird als Canyoning. Auch wird geführten Gruppen ein besseres Zeugnis als dem Individualtourismus ausgestellt, jedoch muss Canyoning, so die Studie, so schonend wie möglich ablaufen, um Naturdenkmäler nicht zu "Funparks" zu degradieren.


Auch Verhaltensänderungen sind bei der traditionellen Landwirtschaft und bezüglich sonstiger ökologischer Sünden wie zum Beispiel das Entsorgen von Müll im Bachlauf nötig.

Die Sorge der Fischerei bez. Canyoning stellte sich nach einer Studie im Waadtland (CH) als
eher unbegründet heraus, da im Prinzip jahreszeitliche Nutzungsüberschneidungen (z.B. Fischbrut im Frühjahr) bei gegenseitiger Rücksichtnahme nicht vorkommen. Ein Vergleich von Fischarten sowie gesamter Biomasse in verschiedenen Bachabschnitten (von Canyonisten genutzte und ungenutzte) sowie der anderer nahe gelegener Bäche ohne Canyoning ergab keine signifikanten Unterschiede!

Eine von der JDAV initiierte und sehr fundierte Studie über sieben verschiedenste Bäche (grenzüberschreitend Bayern (D) / Tirol  (A) von 1999 bis 2001) gibt Empfehlungen und sollte für zukünftige Regelungen eine ausreichende Grundlage darstellen.

Für uns gilt deshalb:
Rechtzeitig miteinander reden, andere Meinungen tolerieren und selbstverständlich gute Betreuung leisten. Hinzu kommen die Aneignung eines möglichst fundierten naturkundlichen Wissens und eine geeignete weitere Vermittlung an unsere Freunde oder Teilnehmer.

 

Pädagogisches Potential

Im Umfeld der JDAV Jugendbildungsstätte Bad Hindelang ist Canyoning seit etwa 12  Jahren “Thema“. Dies liegt zum einen daran, dass im Jugendbereich neue Trends bei Outdoorsportarten rascher als im Erwachsenenbereich nachvollzogen werden, zum anderen haben Bergführer, die als Honorarkräfte eingesetzt werden, mittlerweile eine Canyoning-Zusatzausbildung absolviert.
Von Beginn an hat die Jugendbildungsstätte sich vor allem mit der erlebnispädagogischen und ökologischen Dimension dieser neuen Aktivität auseinandergesetzt.

 
Aus Sicht der Jugendbildungsstätte wird der Erlebniswert und das erlebnispädagogische Potential mittlerweile wie folgt beurteilt:

• Canyoning charakterisiert sich primär durch ein sehr hohes Anforderungsprofil an die potentiellen Teilnehmer: Mut und Selbstüberwindung sind bis zu einem gewissen Grad unabdingbare Voraussetzungen, die bei Sprüngen in Wasserbecken und beim Abseilen im Wasserfall abgerufen werden. Im Hinblick auf das pädagogische Potential kann ein bestandenes Canyoning-Abenteuer das Selbstwertgefühl erheblich steigern. Das setzt aber eine Entscheidungsautonomie der beteiligten Personen voraus!                                                                         
• Canyoning findet in einem meist unausweichlichen Rahmen statt - der Weg führt fast immer hinab. Umkehren ist unmöglich, ein Abbruch der Unternehmung und ein seitliches “Auskneifen“ ist nur selten machbar. Die Ernsthaftigkeit der Aktion ist auch Unerfahrenen sofort klar und die persönliche Entscheidung, sich auf ein solches Abenteuer einzulassen, wiegt schwer.
Pädagogisch betrachtet können Teilnehmer hier Wege und Formen von Entscheidungsfindungen trainieren - und dies vor allem deshalb, weil die Konsequenzen unmittelbar einsichtig sind.
Die Unausweichlichkeit der Situation führt außerdem zu einem stärkeren Rückbezug in der Gruppe - man vereinbart gemeinsam eine Aktivität, die durch einzelne Gruppenmitglieder nicht “gekündigt“ werden kann. Im pädagogischen Potential ergibt sich so die Möglichkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Kooperation authentisch einzuüben.

Kein anderes alpinsportliches Feld liefert diese pädagogischen Ansätze in solcher Klarheit.

• Die ökologische Dimension - insbesondere die Auswirkungen - wird an anderer Stelle beschrieben. Unter pädagogischem Blickwinkel eröffnen sich einem erfahrenen und einschlägig informierten Führer ungeahnte ökopädagogische Möglichkeiten, die leider oft durch die aktionsgeladene Atmosphäre zugedeckt werden. Die wilde Natur, die Wucht des Wassers und die engen, hohen Schluchtwände sind durchaus geeignet, das Bild vom Menschen als Beherrscher der Natur zurecht zu rücken und auf ein realistischeres Bild zu reduzieren. Aber auch kontemplative - also sanfte Ansätze sind möglich. Nahezu jede Schlucht weist in Flachstellen die Möglichkeit von Pausen und der Besinnung auf. Der Führer kann seine Klientel zur Ruhe kommen lassen und auf Dinge hinweisen, die in der Aktion oft untergehen: die Erosionsformen im Gestein, die tiefen Bassins mit ihrem Spiel der Farben, die Baumstämme und Wurzelstöcke, die in die Schlucht verkeilt dem Wasser trotzen und phantastische Formen entwickeln. Der Führer kann Fragen stellen wie z. B.: Woran liegt es, dass bis in ungefähr ein Meter Höhe nichts wächst?
Solche Ansätze von Naturerfahrung und -sensibilisierung sind in diesem Kontext vor allem deshalb oft erfolgreich, weil die TeilnehmerInnen durch die ungewohnte und einmalige Situation offen und bereit sind, ihr Umfeld wahrzunehmen. Es ist nicht mehr notwendig, die
TeilnehmerInnen zur Konzentration anzuhalten - sie ist immanent vorhanden. 
In der Folge kann sich bei den Klientel eine Sorgsamkeit im Umgang mit Natur und ihren Ressourcen entwickeln - parallel wird die Diskussion der ökologische Problematik und die
sich hieraus entwickelnden Verhaltensregeln als notwendig, ja unumgänglich erachtet. 

 


Merkblatt zum Canyoning


Die Jugend des Deutschen Alpenvereins hat ein informatives Merkblatt zum Canyoning herausgegeben.

Diese Sportart ist keineswegs eine neue Erfindung, sondern erfreut sich seit ca. 30 Jahren in Spanien und Frankreich großer Beliebtheit.

Auch bei uns findet Canyoning immer mehr Anhänger. Dabei wird eine Wasser führende Schlucht von oben nach unten begangen, d.h. abgeseilt, gerutscht und gesprungen.
Die wichtigsten Sicherheitstipps in diesem übersichtlich gestalteten Faltblatt erinnern daran, die Tour sorgfältig zu planen, sich entsprechend auszurüsten und das eigene technische  Know-how zu hinterfragen. Ein Fehler kann sich hier fatal auswirken.
Eine Auswertung französischer Canyoningunfälle zeigt interessanterweise, daß nur 5% der Unfälle rein auf die Wirkung des Wassers zurückzuführen sind; 95% sind seil- und führungstechnische Fehler als Unfallauslöser.

Und wer A gesagt hat, muss auch B sagen – ein Auskneifen dazwischen ist meist nicht möglich, denn die Schluchtwände sind steil und der Weg zurück ist ausgeschlossen. Hier liegt aber auch aus der Sicht der JDAV das große erlebnispädagogische Potential – vorausgesetzt, Ausrüstung, Fachkompetenz und richtiges ökologisches Verhalten passen.
Dazu hat sich die Alpenvereinsjugend einen Kodex für naturverträgliches Canyoning auferlegt:
• Als Zustiege dienen nur Wege oder Straßen, Ein- und Ausstiege erfolgen ausschließlich über Brücken oder Wehre.
• Die ganze Tour verläuft zwangsläufig im vegetationsfreien Schluchtgrund.
• Naturhöhlen und Quellmoore werden nicht betreten.
• Die Brut- und Aufzuchtzeit seltener Vogelarten überschneidet sich zeitlich nicht mit der Frequentierung der Schlucht durch Canyonisten, denn das jahreszeitliche Fenster für Begehungen ist aus Gründen der Wassermenge und der Temperatur der Sommer.
Außerdem wird nach Schätzungen nur etwa 10% der geeigneten Bäche am deutschen Alpenrand mit meist geringer bis sehr geringer Frequenz begangen. Im Allgäu z.B. wurde aus diesem Grund auf eine Schlucht selbstbeschränkend verzichtet, und die Jugendbildungssstätte des DAV in Hindelang und Bergführer mit Canyoning Spezialausbildung haben sich mit den zuständigen Behörden an einen Tisch gesetzt, um Ausuferungen jeglicher Art vorzubeugen.
Kleine Gruppengrößen, keine Abfälle, keine Lagerfeuer sowie das Respektieren anderer Nutzer des Baches sind Selbstverständlichkeiten.
Da die JDAV immer daran interessiert ist, das zu schützen, was sie auch liebt, möchte sie noch mehr über die Ökologie der Schluchten wissen. Eine erste deutschsprachige grenzüberschreitende Studie hierzu soll noch dieses Jahr starten. Sie wird voraussichtlich zur Hälfte aus EU-Mitteln gefördert werden.
Gerade in einer aufkommenden Spielart des Bergsteigens ist es der JDAV wichtig, sich mit allen Aspekten zu befassen, um Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.
Bis die Ergebnisse der Studie vorliegen, wird das bunt bebilderte, informative Merkblatt sicherlich zum Gelingen beitragen.

 


Ausrüstung
(Mindestausrüstung!)

Für die Teilnehmer:
• Neoprenhose (Long John), mind. 5 mm
• Neoprenjacke, mind. 5mm
• Neoprensocken, mind. 5 mm
• Schuhe: nicht zu enge knöchelhohe Trekkingschuhe (Neosocken müssen auch noch Platz haben)
• Schutzhelm
•  Canyoninggurt (kein Klettergurt) mit 2 Selbstsicherungsschlingen mit Schraubkarabinern
• einige HMS-Karabiner
• Abseilgerät mit kontrastfarbener Kappschlinge
• Energieriegel + Getränk (evtl. unterwegs deponieren)

Für den Führer / JugendleiterIn:
• Geräte für den Aufstieg am Seil (z. B. Steigklemme oder TiBlock)
• Kappmesser oder Ambossschere
• Wasserdichte Tonne mit Erste-Hilfe-Material
• Signalpfeife, Signalrakete, Mobiltelefon
• Karte, Topo
• Statikseile mind.10 mm, der Tour angepasst (höchste Abseilstelle)
• Notseil (längste Stelle)
• Handbohrset, Verankerungsmaterial und Schlingenmaterial (z. Opfern)
• Canyoningtauglicher Rucksack mit Wasserauslass-Öffnungen

 

Canyoning mit der Jugendgruppe

Gerne hilft das Team der Jugendbildungsstätte Bad Hindelang mit Material und Knowhow weiter.
Da Jugendgruppen in der Regel nicht im Besitz der Spezialausrüstung sein werden, kommt die Buchung eines Pauschalangebots (Führer + Ausrüstung) unter dem Strich am günstigsten.
Die JDAV empfiehlt dringend allen JugendleiterInnen, die hier mit ihrer Gruppe das kalte Duschen im Gebirgsbach austesten wollen, mindestens den Besuch einer einschlägigen Fortbildung zum Thema, die aber wohlgemerkt nicht eine Ausbildung und / oder langjährige Erfahrung beim Canyoning ersetzen kann und will. Eine Vermittlung von fachkompetenten Bergführern mit Spezialqualifikation ist bei rechtzeitiger Anmeldung möglich – und: im Oberallgäu ist ja Canyoning noch ganz offiziell erlaubt und viele schöne Schluchten im benachbarten Tirol sind nicht weit …

 

Materialien

• CD ROM zur limnologischen Studie der JDAV ist auf Nachfrage im Ressort Jugend des DAV erhältlich

• Folder zum Canyoning (zur Zeit vergriffen)

• Video oder DVD: „Klink dich ein“